Aktuelle Trends 2026: Agentic AI und Hyperautomation
In der IT-Landschaft des Jahres 2026 ist BPM nicht mehr das isolierte Modulthema von früher, sondern der „Dirigent“ in einem Orchester aus Künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Analysten wie Gartner und Forrester bestätigen diesen Wandel und ordnen moderne BPM-Ansätze den Kategorien Digital Process Automation (DPA) und Business Process Automation (BPA) zu.
Vom „Flow-first“ zum „Reasoning-first“
Früher war ein Prozess ein starrer Pfad (A → B → C). Heute setzen Marktführer wie Pega und UiPath auf KI-Agenten, die innerhalb des Prozesses autonom denken. Wenn ein Kunde eine Beschwerde einreicht, entscheidet die KI-Agenten-Logik über Priorität und nächsten Schritt, anstatt einem festen Schema zu folgen.
Workflow Archaeology
Forrester prägte diesen Begriff für ein verbreitetes Unternehmensproblem: Hunderte veralteter Automatisierungen existieren parallel, kaum dokumentiert. Moderne Tools bieten Funktionen, um diese sogenannten „Geister-Prozesse“ automatisch zu identifizieren, zu bewerten und zu modernisieren.
Governance für KI-Agenten
Da KI-Agenten nun selbstständig Aufgaben erledigen, etwa im Einkauf oder Rechnungswesen, rückt das Thema Process Guardrails ins Zentrum. BPM-Systeme dienen hier als Sicherheitsnetz, das klar definiert, was eine KI darf und was nicht. Dies ist ein entscheidender Differenzierungsfaktor moderner BPM-Plattformen gegenüber einfachen Automatisierungstools.
Micro-Automations im Kommen
Micro-Automations sind kleine, fokussierte Software-Skripte oder automatisierte Workflows, die spezifische, sich wiederholende Routineaufgaben ohne menschliches Eingreifen erledigen. Im Gegensatz zu großen, unternehmensweiten IT-Transformationen sind sie agil, kostengünstig und lassen sich oft innerhalb von Tagen implementieren, genau dort, wo im täglichen Workflow Reibung entsteht.
Ihr entscheidender Vorteil liegt in der Einfachheit: Eine Micro-Automation konzentriert sich auf genau eine Aufgabe, etwa die Übertragung von Daten von System A nach System B. Die Umsetzung dauert Stunden statt Monate, und dank moderner Low-Code/No-Code-Tools wie Zapier, Make (ehemals Integromat) oder n8n sind tiefe Programmierkenntnisse oft gar nicht erforderlich. Damit unterscheiden sie sich klar von klassischer Robotic Process Automation (RPA), die deutlich höhere Komplexität und längere Einführungszeiten mit sich bringt.
In der Praxis zeigt sich die Bandbreite möglicher Anwendungen: Ein eingehender Support-Anhang wird automatisch im Cloud-Speicher abgelegt und ein Jira-Ticket erstellt, ein neuer Web-Kontakt landet sofort im CRM und löst eine personalisierte Willkommens-E-Mail aus, ein Slack-Alert schlägt an, sobald ein Server-Monitor eine Leistungsabweichung meldet, oder Kundendaten werden systemübergreifend aktualisiert, wenn sich eine Quelle ändert. Das Ergebnis: weniger manuelle Routinearbeit, geringere kognitive Belastung, schnellere Prozessdurchläufe und – durch die Eliminierung manueller Dateneingaben – deutlich weniger Fehler.
Entscheidungshilfe: Welches Tool für welches Vorhaben?
Die Wahl der richtigen Plattformkategorie hängt stark von der strategischen Zielsetzung ab. Die folgende Matrix bietet eine praxisorientierte Orientierung:
| Ihr Vorhaben | Kategorie | Empfohlene Tools |
| Wir wollen wissen, warum unsere Lieferkette hakt (Transparenz). | Process Intelligence / Mining | Celonis, SAP Signavio, IBM |
| Wir müssen hunderte Microservices und menschliche Aufgaben verbinden (Orchestrierung). | Digital Process Automation (DPA) | Camunda, Appian, Pega |
| Wir wollen manuelle Excel-Schritte automatisieren (Entlastung). | Agentic Automation / RPA | UiPath, Microsoft Power Automate |
| Wir brauchen ein zentrales Portal für alle Business-Anfragen. | Service Orchestration | ServiceNow, Salesforce Flow |
Die meisten Anbieter stellen kostenlose Testversionen oder interaktive Demo-Dashboards bereit. Da BPM heute sehr visuell ist, hilft ein Blick in die Benutzeroberfläche oft mehr als jedes Datenblatt.
Von BPM zu „Process Intelligence“ und „Agentic Automation“ – die Analystensicht
Zum Abschluss lohnt ein Blick auf die führenden Analyseberichte, die den Wandel von klassischem BPM hin zu Process Intelligence und Agentic Automation dokumentieren.
Gartner: Die Ära von Process Mining und RPA-Transformation
- Gartner hat den Fokus in den letzten zwei Jahren weg von reinen BPM-Suiten hin zu Plattformen verschoben, die Datenanalyse und automatisierte Ausführung kombinieren. Im Magic Quadrant for Process Mining Platforms (April 2025): wurden Celonis, SAP Signavio und IBM als Leader bestätigt. Der Magic Quadrant for Robotic Process Automation (RPA) (Juni 2025) und weitere Analystenberichte fokussiert auf die Evolution zu Agentic Automation, wobei UiPath und SS&C Blue Prism (ehemals Blue Prism) das Feld anführen.
Forrester: Orchestrierung und Digital Process Automation
- Forrester verwendet den Begriff Digital Process Automation (DPA), um den modernen Nachfolger von klassischem BPM zu beschreiben. Im The Forrester Wave: Process Intelligence Software (Q3 2025) wurden 15 Anbieter hinsichtlich ihrer Fähigkeit bewertet, Prozesse nicht nur zu analysieren, sondern durch Simulation und Design aktiv zu steuern. ARIS (Software AG) und iGrafx gelten hier als Visionäre. Der Forrester Wave: Digital Process Automation Software (Q3 2025) hebt Camunda und Pega für ihre Best-in-Class-Orchestrierung und KI-Agenten-Designs hervor.
Mehr Infos finden Sie auf www.it-daily.net oder auch im Webinaren wie etwa diesem: Agentic AI: Prozessautomatisierung als strategischer Vorteil
Q&A: BPM in der Ära der Künstlichen Intelligenz
Ist BPM als Disziplin tot, weil man kaum noch davon hört?
Keineswegs. BPM ist „erwachsen“ geworden. Es hat sich von einer isolierten Management-Methodik zu einem unsichtbaren, aber essenziellen Betriebssystem für die digitale Transformation entwickelt. Heute spricht man eher von Process Excellence oder Hyperautomation. Doch im Kern geht es immer noch um die Steuerung und Optimierung von Geschäftsabläufen.
Was ist der größte technologische Sprung seit 2024?
Der Einzug von Agentic AI. Während klassische Workflows wie starre Schienen funktionierten, agieren moderne Prozesse wie ein GPS-System mit Autopilot. KI-Agenten können innerhalb eines Prozesses autonom Entscheidungen treffen, Dokumente verstehen und Abweichungen selbstständig korrigieren, solange sie sich innerhalb der definierten BPM-Leitplanken bewegen.
Warum investieren Unternehmen wie SAP Milliarden in BPM-Tools?
Weil Daten ohne Kontext wertlos sind. Ein ERP-System wie S/4HANA liefert die Daten, aber erst ein Tool wie Signavio liefert das Verständnis dafür, wie die Arbeit tatsächlich erledigt wird. In Zeiten von Fachkräftemangel und Effizienzdruck ist die Fähigkeit, Prozesse in Echtzeit zu analysieren und zu automatisieren, ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Wie unterscheiden sich Gartner und Forrester aktuell?
Gartner fokussiert sich stark auf die technologische Integration unter dem Schirm der Hyperautomation, also die Kombination von Mining, RPA und KI. Forrester legt den Schwerpunkt eher auf Digital Process Automation und die Orchestrierung – die Frage, wie Mensch und Maschine in komplexen, kundenorientierten Abläufen am besten zusammenarbeiten.
Lohnt sich BPM auch für kleinere Unternehmen ohne Millionenbudget?
Ja, dank der Demokratisierung durch Low-Code-Plattformen wie Microsoft Power Automate. Früher benötigte man eine Armee von Beratern; heute können Fachabteilungen einfache Workflows selbst automatisieren. Der Trend geht hin zu Micro-Automations, die sofortigen Return on Investment liefern.