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Deutschland – insbesondere Berlin, München, Frankfurt und Hamburg – hat in den vergangenen Jahren ein phänomenales Wachstum im FinTech-Bereich erlebt. Taxfix, Moonfare, FinCompare, Billie, PairFinance, Penta und viele weitere dieser Startups sind meist weniger als vier Jahre alt und fleißig damit beschäftigt, ihre Teams zu vergrößern, da sie Mittel von Risikokapitalgebern und ausländischen Investoren erhalten.

Weltweit hat der Fokus auf Technologie im Banken- und Finanzdienstleistungsbereich an Bedeutung gewonnen. Laut eines Berichts von KPMG erreichten die Investitionen in FinTech-Organisationen im Jahr 2018 fast 118 Milliarden US-Dollar. In Sachen Investition in FinTech-Unternehmen führt die Region Amerika vor Europa – wobei hier Deutschland nach Großbritannien das zweitbeliebteste FinTech-Drehkreuz ist. Unter anderem erhielten deutsche Player wie N26, Deposit Solutions, SolarisBank und andere hier den Zuschlag.

Die gut finanzierten Startups fordern traditionelle Banken heraus – Schnelligkeit, Innovation und niedrige Kosten zeichnen deren Geschäftsmodelle aus. Aufgrund veralteter Prozesse und Infrastrukturen sind diese allerdings nicht agil genug, um im Wettbewerb zu bestehen und müssen sich neu erfinden. Um die Anforderungen der digital versierten Kunden zu erfüllen, sollten traditionelle Banken die neuen Player nicht als Konkurrenz ansehen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten sowie Synergien finden und nutzen. Auch für die FinTechs ergeben sich auf diese Weise Vorteile: Mit einem starken Partner im Rücken können sie sich auf die Bilanz, den regulatorischen Rahmen, die Größe und die geographische Präsenz der etablierten Banken stützen und mit neuen Ideen experimentieren.

Traditionelle Banken mit neuen Möglichkeiten

Etablierte, traditionelle Banken schließen sich mit FinTechs zusammen und bringen (sehr schnell) neue Angebote mit FinTech-Charakter auf den Markt. Die 150 Jahre alte Deutsche Bank gründete im Dezember 2019 ein neues Unternehmen namens „Breaking Wave”. Das Projekt soll traditionelle Einschränkungen in Sachen Prozesse, Kultur und Infrastruktur hinter sich lassen – allerdings mit dem finanziellen Polster und dem großen Kundenstamm der Mutter-Bank im Rücken.

Ziel ist es, die sogenannten „New Age“-Kunden mit speziellen Angeboten zu locken, etwa die Eröffnung eines Bankkontos innerhalb einer Minute per App, welche weitere nützliche Features wie Analysen oder Zahlungserinnerungen bieten. Diese Angebote sind darüber hinaus auch für neue Kundensegmente interessant, darunter Kunden aus ländlichen Gegenden oder Geschäftsführer kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Dieses Vorgehen ist nicht nur in Industrieländern gängig: Das Innovationstempo und -wachstum in China und Indien sind hoch und die entwickelten Märkte können dabei nur staunend zusehen. Die RBL – 1943 in Indien gegründet – versucht, sich selbst eine Art „Startup-Mentalität“ einzuflößen. Dafür kooperieren sie mit mehr als 1.000 FinTechs und verfügen über offene APIs, um neue Services anzubieten. Dazu gehören unter anderem Mikrokredite oder Unterstützung von kleinen Unternehmen bei der Beschaffung von Betriebsmittelkrediten basierend auf unbezahlten Rechnungen. Kunden der DBS Singapore können mit Sprachkommandos über ihr Smartphone zahlreiche Aktivitäten ausführen, etwa den nächsten Geldautomaten finden oder eine verlorene Kreditkarte melden. Die Bank nutzt dafür einen virtuellen Assistenten von Kasisto, eine KI-gestützte Plattform.

Gerade in diesen Wachstumsmärkten gibt es eine große Nachfrage nach Finanzdienstleistungen und Cross-Product-Selling – dies ist die ausgefeilten Methoden der FinTechs zurückzuführen, Technologie zur Erschließung bisher unangetasteter Märkte einzusetzen. Paytm startete in Indien beispielsweise eine mobile Guthaben-App und entwickelte diese zunächst in ein E-Wallet und letztlich in eine Lifestyle-App weiter. Kunden können über die Anwendung Finanzprodukte erwerben, Online-Zahlungen durchführen, Zugtickets kaufen, shoppen und vieles mehr – und all dies über ihre digitalen Endgeräte. WeChat verfolgte in China einem ähnlichen Konzept: Gestartet als Messaging-App, können Anwender der App mittlerweile fast ihren kompletten Alltag darüber organisieren und Services wie die Eröffnung eines Bankkontos oder den Abschluss einer Versicherung regeln.

Banken müssen digital denken

Motiviert durch den Erfolg im Fernen Osten und mit einem fast gesättigten FinTech-Markt in Deutschland im Rücken, betreibt die Deutsche Bank nun ihr erstes Innovationszentrum, genannt „Blue Water Fintech Space“ in Shanghai. Vor Ort entwickelt, beschleunigt ein Experten-Team für digitale Lösungen FinTech-Projekte, die sich auf die Bedürfnisse der Kunden und neue Geschäftsanforderungen konzentrieren.

Zusammenfassend ist es wichtig, dass die Banken und die Finanzbranche künftig Geschäftsmodelle verfolgen, die den Kunden und nicht etwa Produkte in den Vordergrund stellen. Darüber hinaus müssen sie in digitale Möglichkeiten wie Machine Learning, KI und Data Analytics investieren, um neue Anwendungsfälle zu schaffen sowie Kunden innovative Angebote zu unterbreiten.

Unabhängig davon, ob große traditionelle Bank oder FinTech: Das Denken und Arbeiten in Silos ist nicht mehr zeitgemäß. Es reicht nicht mehr aus, nur Produkte oder Services über die eigenen Kanäle oder ausgewählte Kunden zu verkaufen. Vielmehr sollten Banken in großen Dimensionen, kollaborativ und vor allem digital denken – das ist der neue Schlüssel zum Erfolg.

Ajay Vij, Senior Vice President and Industry Head
Ajay Vij
Senior Vice President and Industry Head, Infosys

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