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Software Quality Days 2019
15.01.19 - 18.01.19
In Wien

CloudFest 2019
23.03.19 - 29.03.19
In Europa-Park, Rust

Blockchain Summit
25.03.19 - 26.03.19
In Frankfurt, Kap Europa

SMX München
02.04.19 - 03.04.19
In ICM – Internationales Congress Center München

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SERIE
Digitalisierung Welt

Klimawandel, Ressourcenvergeudung, Überbevölkerung, Hunger, Armut, Ungleichheit – der Zustand des Planeten und seiner Ökosysteme ist denkbar schlecht. Die Zukunftsaussichten der Menschheit insgesamt sind düster. Doch die Digitalisierung und der technologische Fortschritt eröffnen noch gerade rechtzeitig die Chance, die gravierenden Probleme der Welt ein für alle Mal zu lösen.

Binnen der nächsten 100 Jahre müsse die Menschheit in der Lage sein, den Planeten Erde zu verlassen. Diese Mahnung stammt von einem der klügsten Köpfe der Neuzeit, dem kürzlich verstorbenen Astrophysiker Stephen Hawking. Er war sich sicher, dass nur so das Überleben der Spezies Mensch zu sichern sei. Ein neuer Planet, ein neues Zuhause für die Menschheit? Bei dieser Frage vermischen sich ernsthafte Wissenschaft und Science-Fiction. Die Menschen, trotz erneuter Anstrengungen, das Weltall zu erobern, sind von weitreichenden Expeditionen ins All, geschweige denn der Besiedlung anderer Welten noch weit, weit entfernt. In der kurzen Zeitspanne, die wahrscheinlich bleibt, bis die Biosphäre der Erde ins Chaos stürzt, erscheint intergalaktischer Kolonialismus nicht als ernsthafte Option. 

"Selbstverständlich müssen die Menschen befähigt werden, sich in einer Welt der Daten, Algorithmen, Netze und Roboter zurechtzufinden und zu behaupten."

Karl-Heinz Land

Gleichwohl verbrauchen die Menschen – in Industriestaaten durch ihren Konsum- rausch, in den Entwicklungsländern durch ihren Nachholbedarf – mehr Ressourcen, als die Natur erneuern kann. Der WWF warnt regelmäßig: Eigentlich brauchen wir einen zweiten Planeten. Würde jeder Mensch auf der Erde so viel konsumieren wie wir Deutschen, wäre sogar ein dritter Planet vonnöten. Und die US-Amerikaner benehmen sich so, als hätten sie gleich fünf Erden zu Verfügung. Gleichzeitig verhungern nach wie vor hunderte Millionen Menschen jedes Jahr. Der Klimawandel bedroht die ohnehin begrenzten Möglichkeiten, im Afrika südlich der Sahara Lebensmittel zu produzieren. Die Wasserversorgung ist in vielen Gebieten schlecht, die Qualität des Wassers erbärmlich. Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 nimmt die Ungleichheit nicht etwa ab, sondern in solchem Ausmaß zu, dass selbst der Internationale Währungsfond (IWF), einer der Gralshüter des Kapitalismus, vor den Auswirkungen warnt. Armut bleibt eines der Hauptprobleme der Welt. Die gefeierten Klimaziele von Paris sind bereits wieder in weite Ferne gerückt. Nicht einmal Deutschland, das sich für seine Energiewende feiern lässt, erreicht seine eigenen Vorgaben. Und so lange ein bevölkerungsreiches Land wie Indien darauf setzt, hunderte Millionen Menschen mit Hilfe der Stromerzeugung durch Steinkohle aus der Armut zu führen, lässt sich der Ausstoß schädlicher Klima- gase auch nicht reduzieren.

Der zweite Planet ist digital

Egal wohin man schaut – prozentuale Verbesserungen der Situation der Menschen und begrüßenswerte, erfolgreiche Projekte zur Rettung der Umwelt reichen nicht aus, um die Perspektiven gravierend zu verbessern. Die Menschheit braucht einen neuen Plan, ein Konzept, um wirklich disruptive, durchschlagende Wendungen zum Guten zu erreichen. Sie muss sich selbst wieder in die „Grenzen des Wachstums“ verweisen, die der Club of Rome bereits Anfang der 1970er-Jahre aufzeigte. Und diesen Plan gibt es. Ich nenne ihn „Erde 5.0“. Der zweite Planet liegt nicht draußen im All, sondern zu unseren Füßen. Der zweite Planet ist digital.

Die Digitalisierung mit ihrer exponentiellen Leistungszunahme ist der Schlüssel zu einer lebenswerten Zukunft für bald schon elf oder mehr Milliarden Menschen auf der Welt. Sie ermöglicht ein sozial und wirtschaftlich gerechteres Miteinander und reduziert den Verbrauch an Ressourcen deutlich. Wir erleben derzeit, wie der exponentielle Faktor der Digitalisierung greift und sich ein neuer Chancenraum er- öffnet. Eine Innovation folgt auf die nächste, nicht nur in der digitalen Welt, sondern auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen und in der Grundlagenforschung. Künstliche Intelligenz durchdringt mehr und mehr alle Systeme, sorgt für Voraussicht und Effizienz. Die Blockchain bringt Sicherheit und Vertrauen in die Netze und in die Transaktionen. Mit dem Inter- net der Dinge, das in Wahrheit eher ein „Internet der Services“ ist, entsteht ein engmaschiges Geflecht, das potentiell allen Menschen Zugang zu Information, Bildung, Kapital, Medizin und Produktionsmitteln geben kann. Das Internet der Dinge ist die neue Infrastruktur des Wohlstands. Robotik und der 3D-Druck – eine der Schlüsseltechnologien der Zukunft – entwickeln sich rasant.

In vielen staatlicher Entwicklungsgesellschaften und großen wie kleinen Nicht-Regierung-Organisationen (NGOs) kommen diese Technologien bereits zum Einsatz. In großartigen Projekten wird ausprobiert und gezeigt, wie der Regenwald geschützt werden kann, wie sich die landwirtschaftliche Produktion in der dritten Welt steigern und verbessern lässt, wie Gesundheitsdienstleistungen selbst in entlegenste Gegenden gelangen und wie der Bildungsstandard gesteigert wer- den kann. Aber die großen, wesentlichen Zusammenhänge in der digitalisierten Welt werden geflissentlich übersehen oder negiert.

WIR MÜSSEN DIESE DIGITALE ZUKUNFT PROVOZIEREN, WENN WIR SIE MÖCHTEN.

Dabei besteht kein Zweifel: Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Was vernetzt werden kann, wird vernetzt. Was automatisiert werden kann, wird automatisiert. Deshalb werden im Zuge der Digitalisierung nicht nur die Zugänge zu den Wohlstandsfaktoren demokratisiert, sondern es kommt auch zu einem Effekt, der in den gesellschaftlichen Debatten noch geflissentlich übersehen wird: Dematerialisierung.


Lesen Sie auch die anderen Beiträge der Serie „Dematerialisierung“:

Teil 1: Dematerialisierung - Die Neuverteilung der Welt

Teil 2: Dematerialisierung - Die neue Infrastruktur des Wohlstands

Teil 3: Dematerialisierung - Willkommen, KI!

Teil 4: Dematerialisierung: Blockchain – das Betriebssystem der vernetzten Welt
Teil 5: Dematerialisierung: Sharing Economy - Teilen ist das neue Haben
Teil 6: Dematerialisierung: Die Digitalisierung rauscht noch an den Bilanzen vorbei
Teil 7: Dematerialisierung: Liberté, Egalité, Agilité
Teil 8: Dematerialisierung: Die Zukunft der Datengesellschaft
Teil 9: Dematerialisierung: Deutschland, bitte aufwachen!
Teil 10: Dematerialisierung: Erde 5.0 - Die Zukunft Provozieren


Megatrend Dematerialisierung

Produkt für Produkt verwandelt sich in Software, in eine App, in eine Anwendung im Internet. Und mit jedem physischen Produkt, das in Bits und Bytes übergeht, verschwinden Fabriken, Maschinen, Arbeitsplätze. In Deutschland schließen tau- sende Bankfilialen, und in der Automobilindustrie stehen zigtausende Jobs auf der Kippe. Das ist „Dematerialisierung live“. 

Durch den Trend zur Share Economy wer- den solche Effekte noch weiter verstärkt. Wenn Teilen das neue Haben ist, werden weniger Konsumgüter produziert. Die Dematerialisierung sorgt dafür, dass der alte Traum der Umweltschutzbewegung, nämlich eine Reduzierung der Stoffströme um Faktoren und nicht um ein paar Prozent, endlich Wirklichkeit wird. Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass die Arbeit verschwinden wird. Wenn Roboter sich ihre eigenen Maschinen bauen, künstliche Intelligenzen Software schreiben und die Produktionssysteme der Zukunft vollautomatisiert laufen, ohne dass sie den Menschen benötigen, dann sehen wir den Beginn der fünften industriellen Revolution. Cyberphysische und autarke Technologien werden diese Phase bestimmen und für enorme Produktionsschübe sorgen.

Leider sind viele Staaten – wie Deutschland – und internationale Organisationen auf diesem Auge noch völlig blind. Das gilt auch für die Vereinten Nationen (UN), die mit den Sustainable Development Goals (SDG) ein ambitioniertes Entwicklungsprogramm aufgelegt haben. Bis 2030 wollen sie Hunger und Armut besiegen, den Gesundheits- und Bildungsstandard der Menschen deutlich steigern, für Arbeit und zunehmenden Wohlstand in den Entwicklungsländern sorgen, die Ungleichheit be- kämpfen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen durchsetzen. Einmal abgesehen davon, dass diese Ziele in nur elf bis zwölf Jahren nicht zu erreichen sein werden, lassen sie die Chancen und Risiken der fortschreitenden Digitalisierung völlig außer Acht. Die Grundannahmen der SDGs – Wirtschaftswachstum und deutlich mehr Arbeit – werden nicht eintreten. Die auch „Agenda 2030“ genannte Initiative ist zum Scheitern verurteilt.

Die Zukunft provozieren

Die Entscheider auf internationaler wie nationaler Ebene müssen umdenken und sich auf ein „digitales Mindset“ besinnen. Und zwar jetzt. Dabei geht es natürlich um Technologie. Wohlstand in den Industrienationen und Entwicklung in der Dritten Welt hängen künftig davon ab, in- wieweit die Menschen, die Unternehmen und auch die Verwaltungen mit der neu- en Infrastruktur des Wohlstands verbunden sind. Deshalb ist auch die Forderung berechtigt, den Zugang zum Internet als Menschenrecht durchzusetzen. Aber es wäre kurzsichtig, wenn sich die Debatten um die Zukunft auf digitale Technologien zu begrenzen. Diese gilt es zu verstehen und zu beherrschen, denn sie werden als Matrixfunktion alle Bereiche des Lebens durchdringen. Die entscheidenden Themen sind jedoch andere: Statt ständig gut gemeinte, aber leere Versprechungen zu Arbeit und Wohlstand abzugeben, müssen – im internationalen Verbund wie national – neue gesellschaftliche Konsense gefunden und Visionen für das Zusammenleben entwickelt werden. Der Kapitalismus, so er denn überleben soll und will, braucht ein Update. Das bedingungslose Grundeinkommen ist sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den (noch) wohlhabenden Industriestaaten längst zu einer ernstzunehmenden Option gereift.

Aber es wird nicht damit getan sein, mittels Grundeinkommen den Menschen eine neue wirtschaftliche Grundlage zu geben. Die Wirtschaft muss ihre Zielsysteme verändern. An die Stelle des „Share- holder Value“ tritt der Social Societal Impact (TSI), der den positiven Wertbeitrag eines Unternehmens zur Gesellschaft misst. Und damit nicht genug: Dieser betriebswirtschaftliche Wert fordert eine Entsprechung auf volkswirtschaftlicher Ebene. Das gängige „Bruttoinlandsprodukt“ misst einfach nicht die sozialen und öko- logischen Effekte der Wirtschaftsleistung.

Gleichzeitig bedarf es grundlegender ethischer Debatten über die Integrität und Identität der Menschen in der Ära der Künstlichen Intelligenz. Und selbstverständlich müssen die Menschen befähigt werden, sich in einer Welt der Daten, Algorithmen, Netze und Roboter zurechtzufinden und zu behaupten. Anders und vereinfacht gesagt: Das Bildungswesen muss davon abrücken, vor allem Wissen zu vermitteln. Wenn es im Sinne des Transhumanismus schon nicht mehr abwegig erscheint, das Gehirn mit Rechnern und künstlichen Speichern zu verbinden, dann wird Wissen zweitrangig. Entscheidend werden die Kompetenzen und das persönliche Potenzial, aus der „Infosphäre“„ das Beste für sich herauszuholen.

Wir müssen diese digitale Zukunft provozieren, wenn wir sie möchten. Aber bleibt uns eine Wahl, wenn wir die Ökosysteme retten und den Menschen auf einem über- bevölkerten Planeten ein gutes Leben er- möglichen möchten? Haben wir nicht die Pflicht, nach 200 Jahren Kapitalismus, Raubbau und menschlichen wie sozialen Katastrophen das Ruder um 180 Grad herumzuwerfen? Einfach wird es nicht, angesichts der globalen Kriege und Bürgerkriege, der Lautstärke von Populisten und Despoten, die gesellschaftlichen Fort- schritt stoppen und zurückdrehen. Aber es ist möglich. Mit meinem neuen Buch „Erde 5.0 – Die Zukunft provozieren“ möchte ich dazu nicht nur einen Impuls geben, sondern möglichst viele Menschen ermutigen, mit der Arbeit zu beginnen. Deshalb ist Erde 5.0 nicht nur ein Buch, sondern eine Initiative. Auf der Website www.erde50.de können Sie sich über die Entwicklung, den Fortschritt, aber auch die zu erwartenden Rückschritte auf dem Weg zu einer gerechteren, lebenswerteren, zukunftsfähigen Welt auf dem Laufenden halten, mit mir diskutieren und Ihre Ge- danken dazu geben. Ich freue mich auf Feedback und Debatte.

Mit dieser Vision für eine bessere Welt endet meine zehnteilige Serie zur „Neuverteilung der Welt“ in der Zeitschrift „it management“ und auf it-daily.net. Vielen Dank für Ihre Zeit, Ihr Interesse und Ihre Rückmeldungen!

Karl-Heinz LandLassen Sie uns die Zukunft provozieren,

Ihr Karl-Heinz Land

Digital Evangelist und Gründer der Strategie- und Transformationsberatung neuland sowie Sprecher der Initiative Deutschland Digital (IDD)

www.neuland.digital
 

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