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Blockchain

Standards, Normen und gesetzliche Rahmenbedingungen sind wichtige Voraussetzungen, um Vertrauen in eine innovative Technologie zu schaffen. Seit Anfang 2017 wird eine Blockchain-Norm entwickelt (Bildquelle Maaark, Pixabay).

Bevor Unternehmen neue Technologien verwenden, müssen Standards für Investitions- und Rechtssicherheit sorgen. Allerdings: Wenn eine innovative Technologie für eine spürbare Marktdisruption sorgt, kann es sich kein Manager erlauben, auf den Abschluss eines Normierungsverfahrens oder eine begleitende Gesetzgebung zu warten. 

Vor einer vergleichbaren Herausforderung stehen heute viele Entscheider, die sich mit der Blockchain-Technologie beschäftigen.

Standards, Normen und gesetzliche Rahmenbedingungen sind wichtige Voraussetzungen, um Vertrauen in eine neue Technologie zu schaffen. So entsteht die notwendige Investitionssicherheit für neue Marktteilnehmer. Soweit die klassische Variante, die in der heutigen Welt allerdings kaum noch funktioniert. Vielmehr führt das hohe Innovationstempo dazu, dass mit immer neuen Geschäftsmodellen bestehende Märkte aufgebrochen werden: Der Fahrdienstleister Uber kämpft gegen Taxiunternehmer, die Versandapotheke DocMorris versuchte sich gegen das Verbot des Arzneimittelversandhandels in Deutschland durchzusetzen und Tesla schickt semi-autonome Fahrzeuge mit Autopilot auf die Straße, obwohl Fragen zu Standards und Vorschriften in vielen Ländern noch zu klären sind.

Lesen Sie auch die anderen Beiträge der Serie "Innovationstreiber Blockchain":

Teil 1: Blockchain bringt Veränderung - Mit Sicherheit handeln
Teil 2: Die stille Revolution - Welche Branchen profitieren von Blockchain?
Teil 3: Wie viel Regulierung und Standards verträgt die neue Technologie?

Ein ähnliches Veränderungspotenzial bietet die Blockchain-Technologie: Der Mechanismus hinter Blockchain erlaubt den sicheren Handel von Werten im Internet, ohne dass hierfür eine zentrale Vermittlungsinstanz notwendig ist. Bekanntestes Anwendungsbeispiel ist die Kryptowährung Bitcoin, die als Zahlungsmittel vollständig ohne Banken auskommt. Obwohl noch nie eine Grundsatzentscheidung über die Gültigkeit von rein blockchain-basierenden Transaktionen getroffen wurde, setzen viele Unternehmen bereits auf diese Technologie.

Wer hat Angst vor Veränderung?

Anfang 2017 veröffentlichten die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der IT-Dienstleister Materna die Ergebnisse einer Online-Befragung unter deutschen Unternehmen zu Blockchain. Fast 70 Prozent der Befragten ordnen die Technologie als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ für ihre Branche ein. Sechs von zehn Unternehmen sehen einen großen Nutzen für ihre Kunden. Jedoch gibt es am Markt noch Unsicherheiten zu den Rahmenbedingungen, denn knapp über 60 Prozent sehen das Fehlen von Standards als ein Nachteil an.

Auch ohne Norm erfolgreich: ITIL

Wie sich neue Methoden auch ohne Standardisierung durchsetzen, zeigt sich an ITIL (IT Infrastructure Library). Dieser Leitfaden zur Implementierung von IT-Prozessen wird heute in vielen IT-Organisationen verwendet, obwohl dazu nie eine formale Norm definiert wurde. Darüber hinaus entwickelt die Community im Open Source-Bereich immer wieder gemeinsam die bestmögliche Lösung in einem evolutionären Prozess. Häufig sind hierbei auch große Unternehmen im Hintergrund involviert, die die Marktentwicklung unterstützen und so dazu beitragen, dass sich ein De-facto-Standard etabliert.

Wo steht der Blockchain-Standard?

Der formale Prozess einer Standardisierung durchläuft bis zu sechs Stufen, vom erstmaligen Vorschlag über die Bearbeitung, einer Umfrage bzw. Diskussion bis zur Veröffentlichung der Norm. Die geplante Blockchain-Standardisierung steht noch ganz am Anfang: Die internationale ISO-Arbeitsgruppe wurde im Jahr 2016 gegründet und Anfang 2017 fand die konstituierende Sitzung statt. Unter der Bezeichnung „ISO TC 307 Blockchain and Electronic Distributed Ledger“ sollen verbindliche Standards entstehen. Auch die DIN in Deutschland startet in 2017 mit einem entsprechenden Gremium, um sich mit eigenen Vorschlägen in diesen Prozess einzubringen.

Auf die Beteiligten wartet eine Menge Arbeit: So ist zunächst eine einheitliche Terminologie bzw. Ontologie aller bei Blockchain verwendeten Verfahren, Methoden und Technologien notwendig. Darüber hinaus sind APIs und Schnittstellen zur „echten“ Welt zu entwickeln, damit Anwender reale Werte in einer Blockchain als Token definieren können. Auch die Smart Contracts, über die zusätzliche Business-Regeln für Transaktionen hinterlegt werden können, müssen interoperabel sein, also mit unterschiedlichen Implementierungen einer Blockchain-Lösung arbeiten. Bei Ethereum – einer weiteren erfolgreichen Blockchain-Anwendung – gibt es hierfür den ERC20 Token-Standard, der festlegt, wie viele und welche Funktionen bzw. Smart Contracts auf einem Token ausgeführt werden können. Hier hat sich durch die Community bereits ein De-facto-Standard etabliert.

Ab wann ist Blockchain eine Blockchain

Ganz profan ist aber auch festzulegen, ab wann sich eine Lösung überhaupt mit dem Begriff Blockchain schmücken darf: Welche Software-Komponenten definieren also eine Blockchain-Lösung und wie können Unternehmen prüfen, ob es sich nicht nur um eine P2P-Datenbank handelt. So wirbt das IOTA-Framework – ein distributed Ledger-Konzept für das Internet der Dinge – zwar mit Blockchain-Technologie, wird aber von Experten gerne als eine Blockchain ohne Blöcke und ohne Chain bezeichnet.


Webinar
Blockchain: Nur (r)eine Technologie – wann macht sie wirklich Sinn?

Blockchain

Ist Blockchain Trend oder aber Wegbereiter für neue „Killer-Anwendungen, die die Zukunft vorantreiben? Diese Frage können Sie sich nach dem Webinar beantworten. Anhand eines Use Cases zeigt Lumir Boureanu, eurodata tec GmbH, die Vor- und Nachteile von Blockchain.
Das kostenlose Live-Webinar findet am Freittag, 24. November 2017, von 11 bis 12 Uhr statt. 

Info & Anmeldung


Ein weiteres Thema für die Standardisierung ist der Datenschutz: Bei einer für alle Teilnehmer einsehbaren Transaktionshistorie sind unter Umständen zusätzliche Mechanismen notwendig, um personenspezifische Daten aus der einsehbaren Blockchain zu eliminieren. Für den Unternehmenseinsatz ist darüber hinaus die Haftungsfrage zu definieren. Bei Transaktionsgeschäften übernimmt die zentrale Instanz üblicherweise die Haftung, also bei einer Überweisung wäre dies die Bank. Auch bei Paypal, Airbnb oder Uber übernimmt die Plattform die Haftung. Dieser „Man in the Middle“ entfällt bei einer Blockchain-basierten Transaktion. Für Unternehmen ist dies eine Situation, für die eine Lösung gefunden werden muss. Ein Beispiel hierfür ist das bei Hyperledger-Systemen implementierte Rollenkonzept: Dies erlaubt eine zentrale Regulatorrolle, auch wenn dies dann keine Blockchain mehr im klassischen Sinne ist.

Fazit

Die Standardisierung von Blockchain ist sicher wichtig, jedoch sollten Unternehmen mit Projekten nicht warten, bis eine entsprechende ISO-Norm oder ein Gerichtsurteil die Gültigkeit von Blockchain-Transaktionen bestätigt hat. Allerdings werden für den Enterprise-Einsatz andere Verfahren benötigt, als in dem klassischen Blockchain-Konzept enthalten sind.

Aus Sicht von Materna sind Standards für die Blockchain-Entwicklung derzeit nicht die entscheidende Herausforderung. Viel wichtiger sind Organisationen und Arbeitsgruppen, die aktiv eine Umsetzung sinnvoller Projekte begleiten und dadurch ein funktionsfähiges Ökosystem schaffen, durch das ganz automatisch Vertrauen und Investitionssicherheit in die Blockchain-Technologie entsteht.

Guido Weiland
Guido Weiland, Leiter Innovation Center, Materna

 

 

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