WebRTC oder SIP: Welches ist die beste Lösung für Ihr Unternehmen?

Ein Modewort ist „Multichannel-Kommunikation“ schon seit Jahren. Zum alten Hut ist es allerdings nicht geworden, denn die Zahl der Kommunikationskanäle steigt permanent. Immer häufiger wird auf diesen Kanälen in Echtzeit kommuniziert – ein Trend, der zum Teil der Not geschuldet ist.

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Denn während der Corona-Pandemie führten die Unternehmen durchschnittlich 3,5 neue Kommunikationskanäle ein. In einem Drittel der Fälle wurden erstmalig Sprachdialogsysteme und Live-Chats eingesetzt. Echtzeitkommunikation (Real-Time Communications = RTC) über mehrere Kanäle ist aber auch deshalb beliebter geworden, weil WebRTC und Session Initiation Protocol (SIP) die Implementierung deutlich erleichtern.
Je länger die Liste der genutzten RTC-Kanäle in Ihrem Unternehmen wird, desto dringlicher ist die Integration einer Technologie, die diese Kanäle unterstützt. Und hier kommen SIP und WebRTC ins Spiel.

Das ist SIP

Zunächst die ältere Technologie: SIP ist ein textbasiertes Signalisierungsprotokoll für die Live-Kommunikation im Netz, das in den 1990er Jahren aufkam. Es ermöglichte den Nutzern, sich per Computer miteinander zu unterhalten. Außerdem schuf SIP die Voraussetzungen für die spätere Entwicklung der VoIP-Technologie (Voice over Internet Protocol). Heute unterstützt SIP die Kommunikation über verschiedene Endgerättypen und Apps.

Vereinfacht gesagt ist SIP ein Computercode, der eine Kommunikationssitzung aufbaut, das Signal während der gesamten Unterhaltung steuert und beim Schließen der Sitzung die Verbindung beendet. SIP-Trunking-Anbieter (Trunking = Bündelung mehrerer Kanäle) stellen eine medienunabhängige Multiuser-Plattform bereit, mit der interne Kommunikationstools entwickelt und externe integriert werden können. Moderne SIP-Trunking-Lösungen sind sowohl mit neueren IP-Netzwerken als auch mit älteren Systemen kompatibel. Sie gestatten es, über klassische Tischtelefone internetbasierte Anrufe zu tätigen und zu empfangen. Kurzum: Mit SIP-Trunking lässt sich Voice-, Daten- und Videokommunikation digital zusammenführen.

So funktioniert SIP

SIP baut ein internetbasiertes RTC-Gespräch auf, steuert es und beendet es, indem Datenpakete zwischen zwei Geräten hin- und hergeschickt werden. Dabei handelt SIP aus, wer mit wem kommunizieren möchte, welche Technologie verwendet werden soll und welche Anforderungen das Gerät des Empfängers erfüllen muss, um den Anruf entgegenzunehmen.

Nimmt der Empfänger das Gespräch an, wird eine SIP-Antwortnachricht mit einem Datenpaket versendet, das die Kommunikationsvoraussetzungen des Empfängers mitteilt. Wenn beide Parteien die richtigen Daten in ausreichender Menge versenden, kann eine Verbindung hergestellt und ein Gespräch geführt werden.

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Vor- und Nachteile von SIP

SIP ist formatunabhängig. Deshalb ermöglicht diese Technologie jede Form von Echtzeitkommunikation auf Endgeräten mit Internetanschluss oder (via SIP-Trunking) sogar auf klassischen Telefonen. Da SIP verschiedene Endgeräte identifizieren und ihre Kommunikationsfunktionen miteinander koppeln kann, können hier innerhalb eines Kanals mehrere Medientypen nebeneinander genutzt werden. Aus diesem Grund wird SIP häufig in VoIP-Lösungen wie Unified-Communications- und Contact-Center-Plattformen eingesetzt.

SIP-basierte VoIP- und Videokonferenzlösungen kosten zwar in der Regel weniger als traditionelle Telefonanschlüsse, erfordern aber ein spezielles Equipment und eine besondere Software. Auch eine leistungsfähige Internetverbindung ist für „echte“ Echtzeitinteraktionen notwendig.

Das ist WebRTC

Lange Zeit war SIP das am häufigsten verwendete Verfahren zum Aufbau einer RTC-Verbindung. Doch mittlerweile ist auch WebRTC (Web Real-Time Communication) immer populärer geworden.

WebRTC ist ein offen standardisiertes Protokoll von Google, das die Echtzeitkommunikation zwischen Webbrowsern und Endgeräten ermöglicht. Ihm ist es zu verdanken, dass Voice- und Videokommunikation auf Webseiten auch ohne Plugins möglich ist. WebRTC lässt sich zudem auch ohne Browser in eine Anwendung integrieren.

Nach seiner Veröffentlichung vor etwa zehn Jahren verbreitete sich der Standard bei Webentwicklern relativ schnell. Doch erst 2021 wurde WebRTC durch das World Wide Web Consortium und die Internet Engineering Task Force zum Webstandard erklärt. Aktuell ist er für alle gängigen Webbrowser verfügbar.

So funktioniert WebRTC

WebRTC besteht aus mehreren APIs, mit denen der Browser auf Endgeräte wie Mikrofone oder Kameras zuzugreifen kann. Der Standard lässt auch die Versendung verschiedener Datentypen zu, wie Audiodaten, Videodaten, Signale, Texte, Bilder und Dateien.

WebRTC ist eine Open-Source-Plattform (ein offener Standard) und kann somit kostenfrei für eigene Websites oder Apps verwendet werden. So lässt sich beispielsweise eine Click-to-Call-Funktionalität in Websites oder Social-Media-Seiten einbinden. Auf diese Weise können Kunden vom Browser aus einen Sprach- oder Videoanruf starten, der auf dem Gerät des Anbieters eingeht.

Doch nicht nur Kommunikationssysteme, auch andere Anwendungen mit Echtzeit-Datenaustausch wie etwa Online-Gaming, virtuelle Events oder das Internet der Dinge werden von WebRTC unterstützt.

Vor- und Nachteile von WebRTC

Da WebRTC bereits in Browser und Business-Anwendungen eingebaut ist, entfallen die Anschaffungskosten. Auch Software-Downloads oder von der IT-Abteilung zu verwaltende Hardware gibt es nicht. Business-Apps und Kommunikationsplattformen, die WebRTC-Technologie nutzen, sind tendenziell günstiger, flexibler, skalierbarer und nutzerfreundlicher als SIP-basierte Lösungen. Das macht sie auch für kleinere Unternehmen mit geringen IT-Ressourcen erschwinglich.

Doch WebRTC hat seine Grenzen. Anwendungen, die damit arbeiten, brauchen meist viel Arbeitsspeicher – was vor allem bei älteren und langsameren Geräten ein Problem darstellt. Außerdem ist WebRTC nicht mit älteren, analogen Technologien kompatibel.

Diese Lösung passt zu Ihrem Unternehmen

Als WebRTC an Fahrt aufnahm, sagten einige Experten voraus, dass diese Technologie SIP verdrängen würde. Doch für beide Lösungen wächst der Markt weiter. Der Grund: Jede von ihnen hat ihre Vor- und Nachteile. Manche Unternehmen führen sogar beide Standards in ihrem Kommunikationstechnologie-Stack.

Doch welcher ist der richtige für Sie? Das hängt von den aktuellen technischen Voraussetzungen und den künftigen Bedürfnissen Ihres Unternehmens ab. Wenn Sie bereits in SIP investiert haben und damit zufrieden sind, ist eine WebRTC-basierte Kommunikation vielleicht gar nicht notwendig. Mit der richtigen Kommunikationsplattform werden Sie neue Kommunikationsfunktionen weiter nutzen und Business-Software integrieren können. Möchten Sie auch künftig mit alten Technologien wie Tischtelefonen und Telefonanlagen arbeiten, müssen Sie sie mit SIP-Trunking an digitale Kanäle anbinden.

Wenn Sie Ihren Technologie-Stack aber komplett neu zusammenstellen möchten, Ihr Team nur über digitale Kanäle kommuniziert und alle Mitarbeiter relativ neue Endgeräte besitzen, ist WebRTC günstiger und weniger komplex als SIP. Darüber hinaus hat WebRTC Dinge zu bieten, die SIP fehlen – zum Beispiel die Möglichkeit, Kommunikationskanäle in Ihre Website oder in Anwendungen einzubetten.

Fazit

Beide Protokolle, SIP und WebRTC, eignen sich als Basis für die Echtzeitkommunikation. Doch für was Sie sich auch entscheiden: Wichtig ist es, mehr als eine Kommunikationsoption zu haben. Sie sollten die Möglichkeit haben, die stetig wachsende Zahl an Kommunikationskanälen zu nutzen – von Voice und Video bis hin zu Live-Chat und Social Media. Um diese Vielfalt umsetzen zu können, haben Sie zwei Optionen: Entweder suchen Sie sich Ihre Apps einzeln zusammen und binden sie in Ihren Kommunikations-Stack ein. Oder Sie investieren in eine robuste Unified-Communications-Plattform, die diese Apps bereits beinhaltet – und setzen SIP oder WebRTC je nach den aktuellen Anforderungen ein.

Sanjay Macwan

Vonage -

CIO und CISO

Sanjay Macwan kam 2018 als Senior Vice President für den Bereich Enterprise Engineering and Networks zu Vonage. 2019 wurde Sanjay Macwan darüber hinaus zum Chief Information Security Officer ernannt. In dieser Funktion ist er für die Sicherheit der globalen Serviceinfrastruktur zuständig.
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