Europäische Strafverfolgungsbehörden stehen laut einer aktuellen Untersuchung von Cognyte vor wachsenden Herausforderungen bei der Auswertung und Verknüpfung von Daten.
Während die Menge verfügbarer Informationen stetig zunimmt, fehlt es vielerorts an modernen Analysefähigkeiten und integrierten Systemen, um daraus schnell ein verwertbares Lagebild zu erstellen. Gleichzeitig verschärft sich die Sicherheitslage durch die zunehmende Zusammenarbeit zwischen organisierter Kriminalität und terroristischen Gruppen.
Für den „2026 European Law Enforcement Outlook“ befragte das Technologieunternehmen Cognyte 200 Fachkräfte aus europäischen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden. Im Fokus standen dabei Themen wie Datenanalyse, operative Ermittlungen und digitale Bedrohungen.
Mehr Daten, aber fehlender Zusammenhang
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Mehr als die Hälfte der befragten Behörden sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen. Moderne Ermittlungen umfassen heute Kommunikationsdaten, digitale Forensik, offene Quellen und internationale Informationen, die häufig isoliert voneinander vorliegen.
65 Prozent der Befragten berichten von steigenden Fallzahlen. Gleichzeitig wird die Ermittlungsarbeit komplexer, da sich Fälle über mehrere Länder, Plattformen und Systeme erstrecken. Hinzu kommt, dass pro Fall immer mehr Datenquellen berücksichtigt werden müssen. Nach Angaben der Studie verlieren Ermittler im Durchschnitt rund ein Viertel ihrer Arbeitszeit, weil geeignete Analysewerkzeuge oder automatisierte Prozesse fehlen.
Besonders deutlich wird der Nachholbedarf bei Technologien wie Videoanalyse, digitaler Forensik und der Auswertung öffentlich zugänglicher Informationen aus dem Internet. Viele Behörden verfügen hier laut Untersuchung noch nicht über ausreichende technische Möglichkeiten.
Torsten Oelze von Cognyte erklärt, dass Behörden zwar Zugriff auf enorme Datenmengen hätten, deren Potenzial aber häufig ungenutzt bleibe. Entscheidend sei die Fähigkeit, Informationen aus unterschiedlichen Quellen intelligent miteinander zu verknüpfen und daraus in Echtzeit operative Erkenntnisse abzuleiten.
Kriminalität und Terrorismus arbeiten enger zusammen
Neben den technologischen Herausforderungen verändert sich laut Studie auch die Struktur krimineller Netzwerke. Rund 69 Prozent der Befragten beobachten eine stärkere Zusammenarbeit zwischen organisierter Kriminalität und terroristischen Organisationen.
Dabei greifen Terrorgruppen zunehmend auf bestehende Infrastrukturen der organisierten Kriminalität zurück. Genannt werden unter anderem Schmuggelrouten, Geldwäsche-Netzwerke oder logistische Unterstützung bei Angriffen. Durch diese Kooperationen entstehen grenzüberschreitende Strukturen, die Ermittlungen deutlich komplizierter machen.
Die Studie verweist darauf, dass dadurch auch die Anforderungen an die Zusammenarbeit zwischen Behörden steigen. Nationale und internationale Ermittlungsstellen, Nachrichtendienste und Finanzermittler müssten enger kooperieren, um komplexe Bedrohungslagen schneller erkennen zu können.
SIGINT stößt an Grenzen
Besonders schwierig gestaltet sich laut der Untersuchung die Auswertung von Kommunikationsdaten, auch bekannt als SIGINT. Nahezu alle Befragten geben an, dass es in den vergangenen Jahren deutlich komplizierter geworden sei, aus Kommunikationsdaten verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen.
Verschlüsselte Messenger-Dienste, alternative Kommunikationswege und fragmentierte Datenquellen erschweren die Analyse erheblich. Viele Behörden sehen zudem Defizite bei Spezialwissen in Bereichen wie Kryptofinanzierung oder digitaler Forensik.
Mehr als die Hälfte der Befragten bewertet deshalb den Ausbau digitalforensischer Fähigkeiten als hohe Priorität. Moderne Ermittlungsansätze setzen zunehmend auf die Kombination verschiedener Analyseformen – etwa klassische Kommunikationsüberwachung, Open-Source-Intelligence und KI-gestützte Auswertung.
Laut Cognyte wird künftig weniger der Zugang zu Daten das Hauptproblem sein, sondern vielmehr die Fähigkeit, diese schnell auszuwerten, zu verbinden und daraus konkrete operative Maßnahmen abzuleiten.