Öffnet in einem neuen Tab
KI-Nutzung

Proton: Nutzer kündigen Abos wegen Sicherheitsbedenken

Nach einem Bericht von 404 Media über Druck zur KI-Nutzung und Sicherheitsbedenken kündigen Nutzer ihre Abos. Andy Yen nimmt die Re-Interviews zurück.

Proton: Nutzer kündigen Abos wegen Sicherheitsbedenken
Bildquelle: IB Photography / Shutterstock.com

Andy Yen, CEO des Schweizer Anbieters datenschutzorientierter Dienste Proton, hat eine Reihe nahezu unternehmensweiter sogenannter Re-Interviews abgesagt. Darin hätten Beschäftigte erklären sollen, wie sie KI bei ihrer Arbeit einsetzen. Laut sechs Beschäftigten bestand die Sorge, dass Mitarbeiter bei zu geringer KI-Nutzung ihre Stelle verlieren könnten. Die Absage erfolgte einen Tag, nachdem das US-Medium 404 Media über den Umgang von Proton mit KI berichtet hatte. Proton betreibt unter anderem den E-Mail-Dienst Proton Mail, Proton VPN und Proton Drive.

„Wir haben beschlossen, die Re-Interviews tatsächlich abzusagen”, sagte Yen laut einer Aufnahme einer rund zweistündigen Mitarbeiterversammlung, die 404 Media vorliegt. Die Entscheidung sei nach Gesprächen mit der Führungsebene und dem Verwaltungsrat gefallen. Die Kriterien zur KI-Nutzung sollen nun in die regulären Leistungsbeurteilungen einfließen. Stellen sollen laut Yen nicht wegen KI abgebaut werden.

Sicherheitsbedenken abgelehnt

404 Media stützte seinen ursprünglichen Bericht auf Gespräche mit acht aktuellen und einem früheren Proton-Beschäftigten. Demnach forderte Yen Entwickler auf, nicht länger jeden Code liebevoll von Hand zu schreiben, sondern mehr KI einzusetzen. Den Vorschlag eines Beschäftigten, neu geschriebenen Code vor der Veröffentlichung einem Penetrationstest zu unterziehen, soll Yen Ende August im Slack-Kanal für Sicherheit als „Bullshit und Verliererdenken” bezeichnet haben. Laut den Quellen habe sich eine Kultur entwickelt, in der Beschäftigte Sicherheitsbedenken nur ungern äußerten. Proton reagierte nicht auf eine Anfrage von 404 Media.

Anzeige

Nutzer kündigen Abonnements

Der Bericht löste unter Nutzern Kritik aus. Auf Reddit kündigten zahlreiche Nutzer an, ihre bezahlten Proton-Tarife zu beenden. Einige forderten Yens Rücktritt, um den Ruf des Unternehmens als datenschutzorientierter Anbieter zu wahren. Eine Antwort Yens auf Reddit wurde mehr als 1.200-mal negativ bewertet. Wie viele Nutzer tatsächlich gekündigt haben, ist nicht bekannt.

Proton gehört seit Juni 2024 mehrheitlich der gemeinnützigen Proton Foundation. Das Unternehmen bietet mit Lumo zudem einen eigenen KI-Assistenten an, dessen Chatverläufe verschlüsselt gespeichert und laut Proton nicht für das Training von KI-Modellen verwendet werden.

(red)

Anzeige
Anzeige