Immer mehr Menschen in Deutschland werden mit täuschend echten KI-generierten Bildern, Videos und Stimmen konfrontiert.
Deepfake-Betrug nimmt deutlich zu

Laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage wurden neun Prozent der Internetnutzer innerhalb eines Jahres durch solche Deepfakes getäuscht. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei drei Prozent. Insgesamt waren 64 Prozent der Befragten von Cyberkriminalität betroffen.
Schadsoftware bleibt die häufigste Bedrohung
Trotz der zunehmenden Bedeutung von KI-gestützten Betrugsmaschen dominieren weiterhin bekannte Angriffsmethoden. Bei 32 Prozent der Befragten wurden Computer oder Smartphones mit Schadsoftware infiziert. 29 Prozent erlebten Betrug beim Online-Einkauf, 21 Prozent waren von Phishing über E-Mails, Nachrichten oder Telefon betroffen.
Bei 14 Prozent wurden Zugangsdaten zu Online-Diensten ausgespäht. Neun Prozent berichteten von Identitätsmissbrauch im Internet, sechs Prozent von gestohlenen und missbrauchten Konto- oder Kreditkartendaten. Auch gefälschte QR-Codes kommen zum Einsatz: Fünf Prozent der Befragten wurden darüber auf betrügerische Webseiten gelockt. Ransomware-Angriffe betrafen drei Prozent.
Darüber hinaus berichteten sechs Prozent von sexueller Belästigung im Internet und vier Prozent von Bedrohungen. Die Zahlen zeigen, dass Cyberkriminalität sowohl technische Angriffe als auch Betrug und persönliche Übergriffe umfasst.
Deepfakes machen Betrug glaubwürdiger
KI-generierte Stimmen und Videos eröffnen Kriminellen neue Möglichkeiten, Vertrauen auszunutzen. Denkbar sind beispielsweise fingierte Notrufe vermeintlicher Angehöriger oder manipulierte Videos, in denen Führungskräfte dringende Anweisungen geben. Auch gefälschte Werbeclips mit bekannten Persönlichkeiten können für Anlagebetrug eingesetzt werden.
Susanne Dehmel aus der Geschäftsleitung des Digitalverbands Bitkom warnt vor der zunehmenden Glaubwürdigkeit solcher Methoden: „Cyberkriminelle nutzen alle technischen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Und Künstliche Intelligenz macht Betrug leichter und glaubwürdiger.“
Bei ungewöhnlichen Anrufen oder dringenden Zahlungsaufforderungen empfiehlt Dehmel, die Angaben über einen zweiten Kommunikationsweg zu überprüfen, bevor Geld überwiesen oder vertrauliche Informationen weitergegeben werden.
Finanzielle Schäden treffen viele Betroffene
Die Folgen der Angriffe sind häufig auch finanzieller Natur. 58 Prozent der Opfer erlitten nach eigenen Angaben einen persönlichen finanziellen Schaden. Bei weiteren fünf Prozent übernahmen Händler, Banken oder Versicherungen die Kosten. Im Durchschnitt belief sich der Schaden auf 233 Euro.
Ein wichtiger Angriffspunkt sind digitale Identitäten. Wer Zugriff auf ein E-Mail-Konto erhält, kann möglicherweise weitere Dienste übernehmen, Bestellungen im Namen des Opfers aufgeben oder dessen Kontakte täuschen. Bitkom rät deshalb zu individuellen, starken Passwörtern und zusätzlichen Schutzmaßnahmen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys.
Viele Betroffene verzichten auf eine Anzeige
Nach einem Cyberangriff versuchen viele Menschen zunächst, selbst für mehr Sicherheit zu sorgen. 45 Prozent änderten Passwörter oder andere Sicherheitsinformationen. 17 Prozent löschten oder kündigten den betroffenen Account. 42 Prozent tauschten sich mit Freunden oder Angehörigen über den Vorfall aus.
Eine Strafanzeige erstatteten dagegen nur 19 Prozent der Betroffenen. Im Vorjahr waren es noch 26 Prozent. 18 Prozent unternahmen überhaupt nichts. An das betroffene Unternehmen wandten sich 36 Prozent, an Behörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik 13 Prozent.
Auch die Rückmeldungen nach einer Anzeige fallen unterschiedlich aus. Bei 22 Prozent wurde das Verfahren eingestellt, 27 Prozent sahen keinen erkennbaren Nutzen. In sechs Prozent der Fälle erhielten Betroffene ihr Geld oder ihre Daten zurück. Nur zwei Prozent berichteten, dass der Fall aufgeklärt wurde.
Dehmel fordert deshalb bessere Voraussetzungen für die Strafverfolgung. Nicht angezeigte Vorfälle fehlten im Lagebild, während Täter ohne konsequente Verfolgung weitere Angriffe durchführen könnten.

Unsicherheit über Anlaufstellen bleibt groß
Mehr als die Hälfte der Internetnutzer weiß laut Bitkom nicht, an wen sie sich nach einem Cyberangriff wenden kann. Dieser Anteil liegt unverändert bei 54 Prozent. Gleichzeitig erwarten viele Menschen ein stärkeres Vorgehen gegen digitale Kriminalität: 87 Prozent wünschen sich mehr Polizeipräsenz im Internet, 86 Prozent höhere Strafen für Cyberstraftaten.
Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Befragung von 1.126 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland, die Bitkom im Vorfeld der IT-Sicherheitsmesse it-sa veröffentlicht hat. Sie verdeutlichen, dass neben technischen Schutzmaßnahmen auch verständliche Meldewege und eine wirksame Strafverfolgung wichtig bleiben.
(red/Bitkom)





