Weil Scanner und Basisstation sich nicht authentifizieren, können Angreifer in Funkreichweite Tastatureingaben an Lagerrechner senden.
Neues Einfallstor für Hacker: Bluetooth-Barcode-Scanner

Sicherheitsforscher von Kaspersky haben einen Angriffsweg über drahtlose Barcode-Scanner beschrieben, wie sie in Lagerhallen, im Einzelhandel und in anderen Branchen eingesetzt werden. Ursache ist eine fehlende Authentifizierung zwischen dem Handscanner und seiner Basisstation, die per Bluetooth verbunden sind. Angreifer in Funkreichweite können darüber Eingaben an den Computer senden, an den die Basisstation angeschlossen ist. Entdeckt hat Kaspersky die Schwachstelle bei einem Scanner eines führenden Herstellers, das Angriffsmuster beobachteten die Forscher nach eigenen Angaben auch bei Geräten anderer Hersteller. Welche Hersteller und Modelle betroffen sind, nennt Kaspersky in der Mitteilung nicht.
Scanner simuliert Tastatur
In einer typischen Konfiguration überträgt der Handscanner erfasste Codes an die Basisstation, die sie an einen Computer oder ein Geschäftssystem weitergibt. Im beschriebenen Angriffsszenario ermittelt ein Angreifer zunächst die Adresse der Basisstation, etwa durch passives Mitlesen des Funkverkehrs. Anschließend sendet er über die Bluetooth-Verbindung simulierte Tastatureingaben. Die Basisstation leitet sie an den Computer weiter, der sie als legitime Aktionen eines Nutzers verarbeitet. So lassen sich laut Kaspersky Befehle bis hin zum Ausführen von Schadcode absetzen, ohne dass Beschäftigte etwas bemerken oder tun müssen.
Weiter ins Lagernetz
Welche Folgen ein Angriff hat, hängt laut Kaspersky von den Berechtigungen des betroffenen Computers und seinen Verbindungen zu anderen Systemen ab. Unter ungünstigen Umständen könnten Angreifer vom ersten Rechner aus weiter in die IT- und OT-Infrastruktur vordringen. Die Forscher halten vergleichbare Angriffe auch über andere vernetzte Lagergeräte wie mobile Datenterminals und Thermodrucker für möglich. Damit könnten auch Lagerverwaltungssysteme (Warehouse Management Systems, WMS) zum Ziel werden.
„Wie unsere Analyse zeigt, kann dafür bereits ein einzelner Barcode-Scanner ausreichen.”
Sergey Sidorov, Head of Industrial Security Services bei Kaspersky
Bluetooth abschalten, Netze trennen
Kaspersky empfiehlt, neue Geräte vor der Anbindung an das Unternehmensnetz auf ihre Sicherheit zu prüfen, nicht benötigte Bluetooth-Verbindungen abzuschalten und starke Authentifizierung einzusetzen. Netzwerke sollten so segmentiert werden, dass Verbindungen zwischen Geräten und kritischen Systemen auf das Nötige beschränkt sind. Nutzerkonten an Rechnern mit angeschlossenen Scannern sollten nur die Rechte erhalten, die für ihre Aufgaben erforderlich sind. Zudem rät Kaspersky zu regelmäßigen Angriffssimulationen unter realistischen Bedingungen. Die vollständige Analyse hat das Unternehmen auf seinem Blog Securelist veröffentlicht.
(red/Kaspersky)




