Öffnet in einem neuen Tab
Seit 2018 bekannt

Broadcom-Lücke: Router per WLAN ohne Passwort angreifbar

Ein Fehler in Broadcoms alter WPS-Software betrifft Router von TP-Link, Netgear, ZTE und anderen. Broadcom kennt ihn laut Forscher seit 2018.

Broadcom-Lücke: Router per WLAN ohne Passwort angreifbar
Bildquelle: Poetra.RH /Shutterstock.com

Der belgische Sicherheitsforscher Quentin Kaiser hat eine Schwachstelle in älterer WLAN-Software des Chipherstellers Broadcom offengelegt, über die sich Router aus der Nähe übernehmen lassen. Angreifer benötigen dafür weder das WLAN-Passwort noch Zugang zum Netzwerk, sondern müssen sich lediglich in Funkreichweite befinden. Vorgestellt hat Kaiser die Lücke auf der Sicherheitskonferenz Hexacon in Paris. Betroffen sind nach seinen Angaben Router von Herstellern wie Cisco, TP-Link, Netgear, Nokia und ZTE, die Internetanbieter weltweit an ihre Kunden ausgeben.

Speicherfehler in der WPS-Software

Ursache ist ein Fehler bei der Speicherverwaltung in Broadcoms Software für WiFi Protected Setup (WPS), der laut Kaiser auf etwa 2010 zurückgeht. Mit einer Folge manipulierter WPS-Verbindungsnachrichten bringen Angreifer den Router dazu, mehr Daten zusammenzusetzen, als sein Speicher sicher aufnehmen kann. Dadurch lassen sich Teile des Speichers überschreiben, Informationen auslesen oder Schadcode ausführen und so die Kontrolle über das Gerät übernehmen. Das Deaktivieren von WPS behebt die Lücke laut Kaiser nicht zwingend.

„Diese Art von Schwachstellen ist perfekt für Bedrohungsakteure, die Nearest-Neighbor-Angriffe oder die Kompromittierung von Hotelnetzwerken schätzen.”
Quentin Kaiser, Sicherheitsforscher

Der Angriff funktioniere auch über größere Entfernungen, als die Position der Antennen in seinem Demonstrationsvideo nahelege. Eine konkrete Reichweite nannte er nicht.

Anzeige

1,5 Millionen Router allein in Belgien

Kaiser schätzt, dass allein in Belgien rund 1,5 Millionen Router betroffen sind, darunter 850.000 des Anbieters Proximus, 500.000 des Kabelnetzbetreibers VOO und 210.000 von Orange Belgium. Er selbst bezeichnet die Zahlen als Überschlagsrechnung. In Spanien sind drei ältere Modelle des Anbieters Movistar betroffen, die von Askey, MitraStar und Comtrend gefertigt wurden. Auch der Router ZTE F680 v4, den unter anderem der spanische Anbieter MasMovil sowie Provider in Vietnam, Ägypten und Moldau ausgeben, ist verwundbar. Wie viele Geräte weltweit betroffen sind und ob Router deutscher Anbieter darunter sind, geht aus der Analyse nicht hervor.

Keine CVE, keine Patches

Laut Kaiser ist Broadcom das Problem seit 2018 bekannt. Das Unternehmen habe jedoch keine CVE-Kennung vergeben und die Lücke nicht öffentlich gemacht, da die betroffene Software veraltet sei und außerhalb des Supportzeitraums liege. In neueren Versionen hat Broadcom die verwundbare Komponente ersetzt. Die von Kaiser untersuchten Geräte waren am 15. Oktober noch nicht gepatcht. Eine Stellungnahme von Broadcom liegt bislang nicht vor.

Kaiser hat auf GitHub ein kostenloses Werkzeug veröffentlicht, mit dem sich betroffene Geräte erkennen lassen. Es enthält ein Skript für einen WLAN-Scan und eine YARA-Regel, die Router-Firmware auf Muster der fehlerhaften Software prüft. Besitzer sollten sich bei ihrem Internetanbieter oder dem Hersteller nach Firmware-Updates erkundigen und nicht mehr unterstützte Router ersetzen. Gefunden hat Kaiser die Lücke nach eigenen Angaben mithilfe des KI-Agenten Codex von OpenAI, der ihm bei der Analyse der Firmware und der Entwicklung der Exploits Monate an Arbeit erspart habe.

(red)

Anzeige
Anzeige