Auf dem Open Source Summit Europe zeigte sich der Linux-Erfinder offener für KI-Werkzeuge. Halluzinierte Fehlerberichte bleiben für ihn ein Problem.
Torvalds nennt KI eine „Einstiegsdroge” fürs Programmieren

Linux-Erfinder Linus Torvalds nutzt KI-Werkzeuge inzwischen selbst, vor allem für Aufgaben, die nicht zu seinen Stärken gehören. Das sagte er auf dem Open Source Summit Europe. Vibe Coding, also das Programmieren über Anweisungen an KI-Modelle, sei laut Torvalds ein wunderbarer Weg, Freude am Programmieren zu finden, da Einsteiger damit Dinge umsetzen könnten, die ihnen sonst schwerfallen würden. Er möge die Vorstellung von KI als „Einstiegsdroge”, berichtet ZDNET.
Benutzeroberfläche für ein Hobbyprojekt
Als Beispiel nannte Torvalds eine Benutzeroberfläche für einen kleinen Bildschirm, die er selbst in C für einen Mikrocontroller geschrieben hatte. Sie habe ausgesehen wie aus den 1980er-Jahren. Er selbst programmiere jedoch Kernel und kein Java. Ein erster einfacher Prompt an eine KI habe ein schlechtes Ergebnis geliefert. Erst als er auf seine eigene Umsetzung in C verwies, sei das Ergebnis brauchbar gewesen.
Torvalds hatte KI 2024 noch als „90 Prozent Marketing und 10 Prozent Realität” bezeichnet, zugleich aber erwartet, dass die Technologie die Welt in den folgenden fünf Jahren verändern werde. Im Juli 2026 erklärte er, Linux sei kein Anti-KI-Projekt. Mitwirkenden, die das ablehnten, riet er, das Projekt zu verlassen oder einen eigenen Fork zu starten.
Halluzinierte Fehlerberichte kosten Zeit
Bereits im Juni hatte Torvalds auf dem Open Source Summit in Mumbai erklärt, große Sprachmodelle brächten der Linux-Kernel-Community derzeit mehr Produktivität, als sie kosteten. Seit Anfang 2026 erzeugten sie weniger unbrauchbare Ergebnisse, könnten aber weiterhin viele Ressourcen binden.
„Es kostet Entwickler viele Ressourcen, weil man Fehlerberichte bekommt, die völlig plausibel aussehen, und es kann ziemlich viel Aufwand kosten herauszufinden, dass es nur eine Halluzination war”, sagte Torvalds. KI liefere zunehmend gute Fehlerberichte, die meisten erforderten aber mehr als nur ein Sprachmodell.
Im September hatte Kernel-Entwickler Sasha Levin vorgeschlagen, eine Datei AGENTS.md in den Linux-Kernel aufzunehmen, die KI-Agenten auf die Regeln für Patches hinweist. Anfang Oktober setzte Google sein Prämienprogramm für Open-Source-Schwachstellen wegen einer Flut ungültiger automatisierter Meldungen aus.
(red)




