Metas persönlicher KI-Agent Muse ist an die Spitze der App-Store-Charts geklettert, während Amazon dem Assistenten den Zugriff auf seine Plattform sperrt.
Metas neuer persönlicher KI-Agent Muse hat ChatGPT am Freitag von Platz eins der kostenlosen iOS-Apps in den USA verdrängt und lag laut CNBC auch am Montagabend weiterhin vorn. Gleichzeitig hat Amazon dem Assistenten den Zugriff auf seine Einkaufsplattform gesperrt.
Nach Angaben des Analysedienstes Sensor Tower kommt Muse seit seinem Start vor weniger als zwei Wochen auf mehr als 2,5 Millionen Downloads und liegt damit vor Diensten wie ChatGPT, Polymarket und Kalshi sowie vor konkurrierenden KI-Apps wie Anthropics Claude und SpaceXAIs Grok, aber auch vor Metas eigener, älterer Meta-AI-App. Bernstein-Analyst Stacy Rasgon sagte gegenüber CNBC, agentenbasierte KI-Anwendungen hätten bislang kaum für normale Verbraucher funktioniert, Muse und vergleichbare Agenten zeigten nun aber Potenzial für eine breitere Nutzung. Die positive Stimmung rund um den Start spiegelte sich auch am Aktienmarkt wider: Die Meta-Aktie legte am Montag um mehr als 11 Prozent zu.
Was Muse leisten soll
Meta bewirbt Muse als persönlichen Assistenten, der Aufgaben im Internet im Auftrag der Nutzer erledigt, etwa das Ausfüllen von Online-Formularen oder das Organisieren von E-Mail-Postfächern. Der Agent läuft in einer eigenen virtuellen Maschine in Metas Cloud-Infrastruktur mit integriertem, für Nutzer sichtbarem Browser. Für sensible Aktionen wie den Versand einer E-Mail oder einen Kauf holt Muse laut Meta vorab eine Bestätigung ein; ein separates System namens Sentinel muss zudem jede an das Internet gesendete Aktion freigeben.
Amazon sperrt den Zugriff
Amazon hat Muse inzwischen vom Einkauf auf seiner Plattform ausgeschlossen, nachdem der Versuch gescheitert war, Meta zu einem freiwilligen Verzicht auf die Anbindung an Amazon zu bewegen. Seit Sonntagabend erhalten Nutzer, die über Muse bei Amazon einkaufen wollen, die Meldung, der fortgesetzte Zugriff durch einen nicht autorisierten KI-Agenten verstoße gegen die Amazon-Nutzungsbedingungen, denen die Kunden zugestimmt hätten. Ein Amazon-Sprecher erklärte dazu:
„Wir halten es für recht eindeutig, dass Drittanbieter-Anwendungen, die anbieten, im Namen von Kunden bei anderen Unternehmen einzukaufen, offen agieren und die Entscheidungen der jeweiligen Anbieter respektieren sollten, ob sie daran teilnehmen wollen oder nicht.“
Amazon-Sprecher
Nach Darstellung von Amazon hatte Meta das Unternehmen nicht darüber informiert, dass Muse auch auf den eigenen Onlineshop zugreifen würde. Der Agent gebe sich beim Browsen zudem nicht als solcher zu erkennen und erfasse und speichere offenbar Kundenanmeldedaten, was aus Sicht von Amazon Datenschutz- und Sicherheitsrisiken berge. Muse könne, sofern ein Nutzer entsprechend auffordere, auch auf Kontoseiten und Bestellhistorien zugreifen; da sich der Agent nicht zu erkennen gebe, bewege sich damit ein nicht offengelegter Dritter durch Kundenkonten, verarbeite Transaktionen und sensible Daten, ohne dass Amazon davon Kenntnis habe oder dem zugestimmt habe.
Amazon erklärte, man stehe inzwischen in direktem Austausch mit Meta; zu einem möglichen rechtlichen Vorgehen wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Für Amazon steht dabei viel auf dem Spiel: Neben dem Kerngeschäft mit dem eigenen Onlinehandel erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 68 Milliarden US-Dollar Werbeeinnahmen, ein Geschäft, das davon abhängt, dass Nutzer die Amazon-Seiten durchstöbern und dort beworbene Produkte sehen.
Rechtlicher Hintergrund: Der Fall Perplexity
Amazon geht bereits seit einem Jahr gegen fremde KI-Agenten auf der eigenen Plattform vor, unter anderem mit einer Klage gegen Perplexity wegen dessen Comet-Browser sowie mit Zugriffssperren für Einkaufsagenten von Google und OpenAI. Im März erwirkte Amazon zunächst eine einstweilige Verfügung gegen Perplexity, verlor diese jedoch am 4. August, als das Berufungsgericht des neunten Bezirks entschied, dass rechtlich nicht das KI-Unternehmen, sondern der Nutzer selbst auf die Computersysteme von Amazon zugreife. Einen Antrag von Amazon auf erneute Verhandlung lehnte das Gericht am 10. September ab. Offen blieb dabei jedoch der Weg über Vertrags- und Nutzungsbedingungen, auf den sich Amazon nun im Fall Muse stützt.
Shopify kooperiert stattdessen mit Meta
Anders als Amazon setzt der E-Commerce-Anbieter Shopify auf Zusammenarbeit statt Blockade. Shopify-Chef Tobias Lütke kündigte am Montag eine Partnerschaft mit Meta an, die es Muse künftig ermöglichen soll, Bestellungen direkt in Shopify-Onlineshops abzuschließen.
(red)