Ein ausgefallener Datenkreis und ein durchtrenntes Verizon-Backup-Kabel haben am Montag mehr als 7.000 Flüge im Nordosten der USA verzögert oder gestrichen.
Am Montag kam es im Nordosten der USA zu einem mehr als achtstündigen Kommunikationsausfall der US-Luftfahrtbehörde FAA. Die Behörde verhängte an fünf großen Flughäfen der Region rollende Ground Stops, betroffen waren unter anderem die Flughäfen Philadelphia, Newark, Teterboro, JFK, LaGuardia, Westchester County und Boston Logan.
Ausfall an zentraler FAA-Anlage in Philadelphia
Ausgangspunkt war der Ausfall eines primären Datenkreises in der Anlage Philadelphia TRACON, die den Flugverkehr im gesamten Nordosten der USA koordiniert. FAA-Chef Bryan Bedford erklärte auf einer Pressekonferenz:
„Das ist einer der alten L3-Verizon-Kreise, die Teil unseres Ersatzplans für veraltete Technik sind. Leider ist dieser Kreis heute ausgefallen, und als auf das Backup umgeschaltet werden sollte, haben wir festgestellt, dass die Backup-Glasfaser einen Bruch hatte.“
Bryan Bedford, FAA-Chef
Bedford betonte, der eingehende Flugverkehr werde erst wieder aufgenommen, sobald die Sicherheit des Luftraums gewährleistet sei. Die Reparatur des Glasfaserbruchs sollte demnach ursprünglich 13 Stunden dauern, konnte letztlich aber rund vier Stunden früher abgeschlossen werden.
Ersatzkabel ebenfalls beschädigt
Das für den Ausfall vorgesehene Backup-System der FAA leitet den Datenverkehr im Störungsfall über ein zweites Glasfaserkabel um. Dieses Ersatzkabel, das dem Anbieter Verizon gehört, war jedoch durch Bauarbeiten in New Jersey durchtrennt worden. US-Verkehrsminister Sean Duffy machte zunächst den Bahnbetreiber Amtrak dafür verantwortlich, korrigierte sich später jedoch: Verantwortlich war eine Baufirma des New Jersey Transit, die in der Nähe einer Amtrak-Bahnstrecke arbeitete. Verizon erklärte, das eigene Kabel habe bis zum Zeitpunkt der Beschädigung einwandfrei funktioniert, weshalb das Unternehmen keine Verantwortung für den Vorfall trage.
Newark am stärksten betroffen
Landesweit waren nach FAA-Angaben mehr als 7.000 Flüge von Verspätungen oder Annullierungen betroffen, allein zwischen den Flughäfen JFK, LaGuardia und Newark waren es rund 1.400. Nach Daten von Flightradar24 landete zwischen 9:38 Uhr und 17:22 Uhr Ortszeit kein einziger kommerzieller Flug in Newark. Bis 17:30 Uhr wurden 107 für Newark vorgesehene Flüge zu 34 anderen Flughäfen umgeleitet, wodurch 25 Fluggesellschaften betroffen waren.
United Airlines verzeichnete mit 70 Umleitungen die meisten Fälle, gefolgt von Dulles International in Virginia mit 19 und JFK mit 12 umgeleiteten Flügen. Die Fluggesellschaften Lufthansa und Swiss strichen ihre Atlantikflüge nach Newark für die Dauer des Ausfalls vollständig, teilweise wurden bereits gestartete Maschinen zur Umkehr aufgefordert. United strich zudem sämtliche verbliebenen Inlandsflüge nach Newark für den restlichen Tag, um internationale Abflüge zu priorisieren.
KI-System zur Verkehrssteuerung ausgerechnet an diesem Tag getestet
Der Ausfall ereignete sich just an dem Tag, an dem die FAA erstmals ihr neues, 875 Millionen US-Dollar teures System SMART (Strategic Management of Airspace, Routes, and Trajectories) testete. Das KI-gestützte System soll durch die Auswertung von Wetterdaten, Flugplänen, Flughafenkapazitäten und Luftraumbeschränkungen Verkehrsströme vorhersagen und Probleme frühzeitig erkennen, um Verspätungen und Annullierungen künftig zu verringern. Laut FAA soll das System zudem die Arbeitsbelastung der Fluglotsen senken und langfristig zu niedrigeren Reisepreisen beitragen.
(red)