Massenhafte Fake-Registrierungen

Schwarzmarkt für gestohlene KI-Zugänge wächst rasant

künstliche Intelligenz, KI, Cyber Security

Okta warnt vor einem florierenden Schwarzmarkt für gestohlene und missbräuchlich erschlichene Zugänge zu KI-Modellen wie Claude oder Gemini.

Das Sicherheitsteam Okta Threat Intelligence (OTI) warnt vor einer deutlichen Zunahme von Cyberkriminalität rund um den Zugang zu leistungsstarken KI-Modellen. Mit steigender Nachfrage nach sogenannten Frontier-Modellen und wachsenden Token-Kosten hat sich laut den Forschenden ein eigener Schwarzmarkt gebildet, auf dem gestohlene oder erschlichene KI-Zugänge mit Preisnachlässen von 70 bis 90 Prozent gegenüber regulären Abo-Preisen angeboten werden. In einem dokumentierten Fall soll einem Unternehmen dadurch eine Rechnung für nicht autorisierte KI-Nutzung in Höhe von fast einer Million US-Dollar entstanden sein.

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Gestohlene Sitzungen umgehen die Anmeldung komplett

Ein von OTI beschriebenes Angriffsmuster ist die Übernahme bestehender KI-Konten mittels Infostealer-Schadsoftware und sogenanntem Token-Hijacking. Dabei stehlen Angreifer Session-Tokens und API-Keys direkt aus den Browsern der Opfer und benötigen dafür keine klassischen Passwörter. Werden diese Tokens anschließend über spezielle Anti-Detect-Browser und Proxy-Netzwerke eingespielt, lassen sich Login-Bildschirm und Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) vollständig umgehen.

Wie groß das Ausmaß ist, zeigte laut OTI die Auswertung eines rund sieben Gigabyte großen Infostealer-Datensatzes vom 2. August 2026 mit Logs von 5.871 infizierten Rechnern aus 162 Ländern, der tausende gültige Session-Tokens großer Tech- und KI-Anbieter wie Google, Microsoft, Anthropic und Amazon enthielt. Zudem fanden sich tausende JSON Web Tokens, von denen fast 18 Prozent unverschlüsselt personenbezogene Daten wie Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen enthielten – Material, das sich laut OTI für weitere Phishing- und Social-Engineering-Angriffe eignet.

Schwarzmarkt: Anbieter wie Poison Claude sehen jeden Prompt mit

Auf dem Graumarkt bewerben Dienste wie Poison Claude oder Ecomagent.in unlimitierte Tokens zu einem Bruchteil des offiziellen Preises. Laut Berichten von Okta und weiteren Sicherheitsforschenden finanzieren sich solche Anbieter, indem sie mittels Bot-Netzwerken massenhaft falsche Konten registrieren und darüber Start-up-Guthaben von Cloud-Anbietern abgreifen – etwa das Bonusguthaben von bis zu 100 US-Dollar, das Amazon Web Services für neue Bedrock-Konten gewährt. Kunden von Poison Claude erhalten dafür einen API-Schlüssel, über den ihre Anfragen durch die Infrastruktur des Anbieters an Anthropic weitergeleitet werden.

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Da die Anfragen dabei über die Server des Betreibers laufen, kann dieser nach Einschätzung von Sicherheitsforschenden grundsätzlich alle Prompts der Kundschaft einsehen – ein erhebliches Datenschutzrisiko für alle, die vertrauliche Informationen wie Quellcode oder Dokumente über solche Dienste verarbeiten. Zur Einordnung nennt Okta die offiziellen Start-up-Programme der Anbieter selbst: Google biete Start-ups bis zu 350.000 US-Dollar, Anthropic bis zu 100.000 US-Dollar an kostenlosen Guthaben an – Beträge, die auf dem Graumarkt offenbar auch durch massenhafte Fake-Registrierungen abgeschöpft werden.

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Massenhafte Fake-Registrierungen

In einem weiteren von OTI dokumentierten Fall registrierte ein Akteur bei einem KI-Video-Anbieter innerhalb eines Monats über 105.000 Mal automatisiert neue Konten, ausgehend von lediglich 251 IP-Adressen. Da dabei häufig Wegwerf-E-Mail-Adressen sowie populäre chinesische E-Mail-Dienste genutzt wurden, hält es OTI für wahrscheinlich, dass auf diesem Weg auch Nutzerinnen und Nutzer aus China regionale Sperren für US-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini umgehen.

Empfehlungen von Okta

OTI empfiehlt betroffenen Unternehmen unter anderem ein kontinuierliches Session-Monitoring, das Sitzungen laufend auf Kontextänderungen prüft und bei Wiederverwendung von Tokens Alarm schlägt, ergänzt um Universal-Logout-Funktionen zum sofortigen, applikationsübergreifenden Beenden kompromittierter Sitzungen. Zudem sollten API-Keys strikt limitiert und per IP-Allowlisting eingeschränkt werden. Als wirksamste Maßnahme gegen automatisierte Fake-Registrierungen nennt Okta phishingresistente Anmeldeverfahren wie Passkeys, da diese sich anders als Passwörter oder API-Keys nicht in großem Stil abgreifen, teilen oder automatisiert bereitstellen lassen. Arkadiusz Krowczynski, Principal Product Acceleration Specialist bei Okta, erklärte dazu:

„Diese Sicherheitsforschung unterstreicht unsere firmenweite Annahme, dass die Zukunft der Cybersicherheit zu einem großen Teil aus der Identitätssicherheit bestehen wird, denn je mehr KI-Modelle und KI-Agenten ausgerollt und eingesetzt werden, desto wichtiger wird es, den Zugriff zu verwalten – sowohl die Zugriffsrechte der Nutzer hin zu den Modellen, als auch jene der Modelle selbst.“

Arkadiusz Krowczynski, Principal Product Acceleration Specialist bei Okta

(red/Okta Threat Intelligence)

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