Bitdefender warnt: Betrüger nutzen Googles Early-Access-Programm, um Warnungen anderer Nutzer zu verhindern.
Die Sicherheitsforscher von Bitdefender Labs warnen davor, dass Cyberkriminelle zunehmend das Early-Access-Programm von Google Play für betrügerische Zwecke ausnutzen. Über das Programm können Entwicklerinnen und Entwickler eigentlich noch nicht fertiggestellte Apps vorab veröffentlichen und Rückmeldungen von Nutzenden einholen. Google blendet dafür öffentliche Bewertungen und Kommentare bei Early-Access-Apps aus – ein Schutz, der eigentlich verhindern soll, dass seriöse Entwickler wegen vorübergehender Fehler schlecht bewertet werden. Genau diesen Schutz nutzen Bitdefender zufolge auch Betrüger aus, da Betroffene öffentlich nicht vor aggressiver Werbung, ausbleibenden Auszahlungen oder überzogenen Berechtigungsanfragen warnen können.
Tausende verdächtige Apps identifiziert
Bei einer Analyse installierter Google-Play-Apps identifizierten die Bitdefender Labs nach eigenen Angaben mehrere Tausend Early-Access-Anwendungen mit auffälligen Mustern, darunter mutmaßlich gefälschte Casino- und Belohnungs-Apps, mutmaßliche Markenrechtsverstöße sowie potenziell irreführende Dienstprogramme. Viele dieser Apps würden aggressiv über TikTok, Facebook und andere soziale Netzwerke beworben, teils mit per KI erzeugten Deepfake-Videos vermeintlicher prominenter Fürsprecher. Als Köder dienten unter anderem angebliche Online-Casinos, digitale Spielautomaten sowie Gelegenheitsspiele wie Chicken Road oder Ice Fishing, die finanzielle Belohnungen, PayPal-Auszahlungen, Kryptowährungs-Erträge, Gutscheine, Freispiele oder Jackpots versprechen. Auch vermeintliche Nutz-Apps wie PDF-Reader, QR-Scanner oder Smartphone-Finder tauchten in diesem Kontext auf.

Bekannte Marken als Tarnung
Als weiteres Muster beschreibt Bitdefender Apps, die sich bekannter Marken bedienen, etwa in Anlehnung an das Spiel Grand Theft Auto. In einem dokumentierten Fall wurde eine solche App mehr als eine Million Mal heruntergeladen, ohne eine einzige öffentliche Bewertung – aus Sicht der Forscher ein Warnsignal, da dies typisch für dauerhaft im Early-Access-Status verbleibende Apps sei. Nach einer Indexierung durch Google änderten die Betreiber laut Bitdefender in mehreren Fällen rasch den App-Namen.

Auch Glücksspielregeln umgangen
Bitdefender weist zudem darauf hin, dass Anbieter solcher Apps über den Early-Access-Status auch strengere Vorgaben für reguläre Glücksspiel-Apps umgehen könnten, etwa erforderliche Lizenzen, Geofencing, Altersprüfungen oder andere regulatorische Auflagen. Bitdefender hat Google eigenen Angaben zufolge über die Ergebnisse informiert; das Unternehmen habe bestätigt, den Sachverhalt zu prüfen.
(red/Bitdefender)