KI verändert das Geschäftsmodell

Warum kleine und mittlere Unternehmen klare KI-Verantwortung brauchen

KI-Agent

Deutsche Unternehmen behandeln Künstliche Intelligenz noch immer häufig als reines Technologiethema. Dabei verändert KI nicht nur die IT, sondern Prozesse, Rollen, Entscheidungswege und zunehmend auch das Geschäftsmodell.

Wer das Thema allein an den IT-Leiter delegiert, riskiert deshalb, die wirtschaftliche Dimension zu unterschätzen – und damit an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

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Wie viele Unternehmen beschäftigen aktuell einen Chief AI Officer? 

Wie verbreitet der CAIO tatsächlich ist, hängt stark von Definition, Stichprobe und Unternehmensgröße ab. Die IBM CEO Study 2026 kommt weltweit auf 76 % der befragten Organisationen mit einem CAIO, nach 26 % im Vorjahr. Eine im Februar 2026 von Cloudera durchgeführte deutsche Erhebung unter 250 IT-Entscheidern in Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern weist dagegen nur 14,8 % mit einem Chief AI Officer aus; bei 30,4 % liegt die Verantwortung für die Datenbereitschaft beim CIO oder CTO. Die Zahlen sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar. Sie zeigen aber, wie uneinheitlich Unternehmen KI-Verantwortung organisatorisch verankern. Für den Mittelstand ist die entscheidende Frage ohnehin nicht der Titel, sondern ob jemand Strategie, Budget, Datenzugang und wirtschaftlichen Erfolg von KI eindeutig verantwortet.

Der CAIO – keine Randnotiz

Ein CAIO – oder ein funktional vergleichbarer KI-Verantwortlicher – erledigt keine Nebenaufgabe am Rande. KI greift in Prozesse, Rollen, Datenrechte und Geschäftsmodelle ein. Ein IT-Leiter kann diese Verantwortung übernehmen, wenn er dafür ein klares Mandat, ausreichend Zeit und Budget erhält. Wird KI dagegen lediglich zusätzlich auf die bestehende IT-Verantwortung gepackt, konkurriert Transformation mit Betrieb, Sicherheit und Verfügbarkeit. Der Mittelstand braucht deshalb nicht zwingend einen Chief AI Officer. Er braucht aber jemanden, der für den wirtschaftlichen Erfolg und die Governance von KI verantwortlich ist.

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Ab wann ergibt eine eigene KI-Verantwortung im Unternehmen Sinn?

Kommen mehrere der folgenden Punkte zusammen, sollte die Geschäftsführung eine eindeutige KI-Verantwortung schaffen – intern, extern oder hybrid:

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  • drei oder mehr geschäftskritische KI-Anwendungen
  • Einsatz über mehrere Unternehmensbereiche hinweg
  • nennenswerte Investitions- und Betriebsbudgets
  • sensible oder regulatorisch relevante Daten
  • ein eigenes Daten-, KI- oder Automatisierungsteam
  • KI als Bestandteil des Produkts oder Geschäftsmodells

Meine Faustregel: Treffen mindestens drei dieser Kriterien zu und gibt es niemanden, der KI ungeteilt verantwortet, wird ein strategisches Thema faktisch nebenbei betrieben. Dass klare Verantwortung wirtschaftlich relevant ist, zeigt eine 2025 vom IBM Institute for Business Value gemeinsam mit der Dubai Future Foundation und Oxford Economics durchgeführte Studie: Organisationen mit CAIO erzielten im Schnitt einen um 10 % höheren ROI auf ihre KI-Ausgaben. In einem zentralen oder Hub-and-Spoke-Betriebsmodell lag der Vorteil bei bis zu 36 %. Beim Hub-and-Spoke-Modell definiert ein Kernbereich Strategie, Plattformen und Standards; dezentrale Einheiten setzen sie in ihren Fachbereichen um.

Der CAIO im Spiegel des EU AI Acts

Der EU AI Act schreibt weder einen CAIO noch eine bestimmte Governance-Struktur vor. Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen jedoch dazu, Maßnahmen zur Entwicklung ausreichender KI-Kompetenz bei den beteiligten Mitarbeitern und sonstigen Personen zu unterstützen. Für Unternehmen folgt daraus: Die gesetzlichen Pflichten müssen organisatorisch klar zugeordnet werden – der Titel der verantwortlichen Person ist zweitrangig.

Die eigene KI – sinnvoll oder Größenwahn?

Mit „eigener KI“ ist nicht gemeint, dass ein Mittelständler ein eigenes Foundation Model trainiert. Standardwerkzeuge wie Copilots oder KI-Assistenten können sich bereits in sehr kleinen Unternehmen rechnen. Interessanter wird es, wenn bestehende Modelle mit eigenen Daten, Prozessen und Schnittstellen zu einer unternehmensspezifischen Anwendungsschicht verbunden werden. Das lohnt sich besonders bei häufig wiederkehrenden, standardisierbaren Prozessen mit relevantem Kostenvolumen, wenn ausreichend rechtmäßig nutzbare Daten vorliegen und Standardsoftware den Prozess nicht zufriedenstellend abdeckt.

Voraussetzungen für eine eigene KI-Anwendung

Fünf Bedingungen schaffen die Basis für eine eigene Anwendungsschicht. Erstens muss Ordnung im Datenhaushalt herrschen: Ohne strukturierte, zugängliche, aktuelle und rechtlich nutzbare Daten verkümmert ein KI-Projekt zur Kosmetik. Zweitens müssen die zu automatisierenden Prozesse dokumentiert sein. Drittens sind die Rechte an internen sowie Kunden- und Lieferantendaten zu klären. Viertens braucht es belastbare Ausgangswerte für Kosten, Zeit und Qualität, damit der wirtschaftliche Effekt später messbar ist. Fünftens ist Führung gefragt. KI wird erst wirtschaftlich wirksam, wenn Personalaufwand sinkt, das Team mehr Leistung erbringt oder zusätzlicher Umsatz entsteht. Arbeitet die Sachbearbeitung 20 % schneller, aber niemand entscheidet, was mit den gewonnenen 20 % geschieht, entsteht statt einer Einsparung nur Entlastung. Das ist ein Führungsproblem – und einer der häufigsten Gründe, warum sich KI-Investitionen rechnerisch nicht einlösen.

Externe oder interne KI-Beauftragte

Wenn KI keine Nebenrolle mehr spielt, ein Mittelständler aber keine zusätzliche sechsstellige C-Level-Position schaffen will, kann ein externer KI-Verantwortlicher auf Zeit – häufig als Fractional CAIO bezeichnet – eine wirtschaftlich sinnvolle Übergangslösung sein. Wertschöpfung entsteht allerdings nur, wenn die Rolle Zugriff auf drei Hebel hat: Priorisierung und Standards, Budget sowie Datenzugang. Ohne diese Kompetenzen wird eine externe ebenso wie eine interne KI-Position zur Koordinationsstelle. In vielen Fällen ist deshalb eine Hybridform sinnvoll: Verantwortung, Priorisierung und Geschäftsverständnis bleiben intern; externe Spezialisten ergänzen Architektur, Implementierung, Sicherheit und Spezialwissen. Wichtig ist, Know-how einzukaufen, ohne Verantwortung auszulagern. Eine vertraglich vereinbarte Wissenstransferpflicht und der schrittweise Aufbau operativer Kompetenz im Unternehmen reduzieren die Abhängigkeit vom Dienstleister. Genau solche Abhängigkeiten können Käufer bei einem späteren Unternehmensverkauf mit einem Abschlag bewerten.

Amortisation und Nutzen

Im Arbeitsalltag kann KI Bearbeitungszeiten und Fehlerquoten senken, Entscheidungen und Angebote beschleunigen und vorhandenes Unternehmenswissen besser verfügbar machen. Das erleichtert auch den Erfahrungstransfer, bevor geburtenstarke Jahrgänge das Unternehmen verlassen. Gleichzeitig kann KI das Leistungsniveau erhöhen, ohne dass Personal proportional mitwachsen muss. Nach meiner Erfahrung sollten klar abgegrenzte Effizienzprojekte einen Business Case von 12 bis 24 Monaten erreichen. Strategische Anwendungen, die neue Produkte oder Geschäftsmodelle ermöglichen, dürfen einen längeren Horizont haben – müssen aber ebenfalls an klaren Meilensteinen gemessen werden.

Kohl

Helmut

Kohl

Inhaber und Geschäftsführer

Helmut Kohl Management GmbH

Helmut Kohl ist Inhaber und Geschäftsführer der Helmut Kohl Management GmbH. Die auf digitale Infrastruktur spezialisierte M&A-Boutique berät mittelständische Unternehmen bei Transaktionen und strategischer Unternehmensentwicklung. Der Diplom-Ingenieur blickt auf rund 40 Jahre Branchenerfahrung zurück.
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