Cyberangriffe gehören für kleine und mittlere Unternehmen in Europa inzwischen zum Geschäftsalltag.
Eine aktuelle Untersuchung von Kaspersky zeigt, dass 90 Prozent der befragten KMU im vergangenen Jahr mindestens einen Sicherheitsvorfall erlebt haben – und fehlendes Fachwissen dabei häufiger als unzureichende Sicherheitstechnologie als Schwachstelle genannt wird.
Phishing bleibt häufigster Angriffsweg
Die Bedrohungslage ist breit gefächert. Lediglich zehn Prozent der europäischen KMU gaben an, im vergangenen Jahr keinen Cybervorfall erlebt zu haben. Besonders häufig wurden Phishing-Angriffe genannt, die auf 23 Prozent der Unternehmen entfielen.
Daneben spielen zunehmend technologisch anspruchsvollere Angriffsmethoden eine Rolle. 18 Prozent der Befragten berichteten von Angriffen, bei denen Schwachstellen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz ausgenutzt wurden. Jeweils 15 Prozent waren von Angriffen über Software-Schwachstellen, Business Email Compromise, Supply-Chain-Attacken oder Deepfakes betroffen.
Damit verändert sich auch das Risikoprofil mittelständischer Unternehmen. Cyberkriminelle können neue Technologien nutzen, um Angriffe schneller zu skalieren und überzeugender zu gestalten.
Nicht die Technik allein entscheidet
Interessant ist, dass die Unternehmen die Ursache erfolgreicher Angriffe nicht in erster Linie bei fehlenden Sicherheitsprodukten sehen. 24 Prozent betrachten unzureichende Fachkenntnisse bei IT- und IT-Sicherheitsteams als wichtigen Risikofaktor.
Weitere 22 Prozent nennen Schwächen bei der IT-Sicherheitsführung beziehungsweise ein zu geringes Engagement der Beschäftigten bei Sicherheitsmaßnahmen. 21 Prozent sehen ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein als Problem. Fehlende geeignete Sicherheitslösungen werden dagegen nur von 16 Prozent als wesentlicher Faktor genannt.
Für KMU bedeutet das: Selbst moderne Schutztechnologien können ihre Wirkung verlieren, wenn das notwendige Know-how, klare Zuständigkeiten oder eine etablierte Sicherheitskultur fehlen.
Mehr Geld für Cybersecurity
Die Unternehmen reagieren auf die wachsenden Risiken mit zusätzlichen Investitionen. Laut Kaspersky haben 74 Prozent der befragten KMU ihr Cybersicherheitsbudget in diesem Jahr erhöht.
Besonders häufig fließt das zusätzliche Geld in Personal. 36 Prozent wollen ihre IT- und Sicherheitsteams ausbauen. 35 Prozent investieren in den Schutz von Remote- und hybriden Arbeitsumgebungen. Ebenfalls 34 Prozent nehmen ihre Cloud- und Hybrid-Infrastrukturen ins Visier.
Auch Weiterbildung gewinnt an Bedeutung: 34 Prozent der Unternehmen stellen zusätzliche Mittel für IT-Sicherheitsschulungen bereit. Rund ein Drittel, nämlich 32 Prozent, plant zudem den Einsatz umfassenderer Sicherheitsplattformen wie XDR, NDR oder SIEM.
Parallel dazu wollen 65 Prozent ihre bestehenden Sicherheitsfunktionen weiterentwickeln.
Fachkräftemangel erschwert den Ausbau
Der Aufbau zusätzlicher Sicherheitsstrukturen stößt allerdings auf ein bekanntes Problem: qualifizierte IT- und Security-Fachkräfte sind knapp. Genau hier sieht Sören Kohls, Head of Channel DACH bei Kaspersky, eine besondere Herausforderung für wachsende Unternehmen.
„Hochentwickelte Angriffe können fragmentierte Abwehrmechanismen leicht umgehen. Um sie wirksam abzuwehren, braucht es deshalb sowohl fortschrittliche Technologien als auch erfahrene Teams“, erklärt Kohls. Gleichzeitig müssten Sicherheitslösungen einfacher zu betreiben sein, damit Unternehmen nicht für jedes zusätzliche Werkzeug hochspezialisierte Fachkräfte benötigen.
Die Konsequenz ist ein zunehmender Druck zur Automatisierung. Sicherheitsplattformen sollen mehr Aufgaben übernehmen, zentral verwaltbar sein und möglichst wenig zusätzlichen administrativen Aufwand erzeugen.
KI verändert auch die Bedrohungslandschaft
Nicht nur Unternehmen setzen zunehmend auf KI. Auch Angreifer verwenden entsprechende Technologien, um ihre Kampagnen effizienter und komplexer zu gestalten.
Maximiliano Allo, Director bei Custom IT, verweist insbesondere auf den Schutz von Zugangsdaten. Gestohlene oder kompromittierte Anmeldedaten können als Ausgangspunkt für gezielte Angriffe dienen und im schlimmsten Fall Geschäftsprozesse lahmlegen oder Datendiebstahl ermöglichen.
Damit bleibt neben der technischen Absicherung auch die Sensibilisierung der Beschäftigten entscheidend. Gerade Phishing, Deepfakes und Vishing können darauf ausgelegt sein, menschliche Entscheidungen zu manipulieren.
Sicherheitsmaßnahmen müssen zum Unternehmen passen
Für mittelständische Unternehmen ergibt sich daraus kein Bedarf nach möglichst vielen einzelnen Sicherheitstools, sondern nach einer abgestimmten Sicherheitsstrategie. Dazu gehören unter anderem konsequente Zugriffsregeln für Unternehmensressourcen und Cloud-Dienste. Nicht mehr benötigte Berechtigungen sollten zeitnah entfernt werden.
Auch regelmäßige Backups gehören zur grundlegenden Absicherung. Sie können dazu beitragen, kritische Daten nach einem Ransomware-Angriff oder einem anderen Sicherheitsvorfall wiederherzustellen.
Darüber hinaus sollten Unternehmen klare und verständliche Sicherheitsregeln etablieren. Dazu zählen Vorgaben für Passwörter, das Surfen im Internet und den Umgang mit verdächtigen Nachrichten. Neue Software sollte möglichst nur nach Freigabe durch die IT installiert werden.
Mitarbeiter bleiben ein zentraler Schutzfaktor
Technische Schutzmaßnahmen können ihre Wirkung nur dann vollständig entfalten, wenn Beschäftigte Bedrohungen erkennen und richtig reagieren. Regelmäßige Schulungen sollten deshalb nicht nur klassische Phishing-Mails behandeln, sondern auch moderne Betrugsformen wie Deepfakes oder Vishing.
Gleichzeitig müssen Sicherheitslösungen zur Größe und zum Reifegrad eines Unternehmens passen. Für kleinere Organisationen kann eine möglichst zentral verwaltbare Plattform sinnvoller sein als eine Vielzahl einzelner Produkte. Unternehmen mit größeren IT-Teams können dagegen stärker auf erweiterte Erkennungs- und Reaktionsfunktionen setzen.
Auch der Schutz der E-Mail-Kommunikation bleibt ein wichtiger Baustein, da Phishing, Business Email Compromise und Rechnungsbetrug häufig über diesen Weg beginnen.
Die Ergebnisse der Kaspersky-Studie machen deutlich, dass Cybersecurity für KMU längst nicht mehr nur eine Frage der richtigen Software ist. Personal, Know-how, Sicherheitsbewusstsein und belastbare Prozesse sind ebenso entscheidend wie technische Schutzmechanismen.
Mit der zunehmenden Nutzung von Cloud-Diensten, hybriden Arbeitsmodellen und KI wächst die Angriffsfläche weiter. Für mittelständische Unternehmen wird es deshalb immer wichtiger, Sicherheitsmaßnahmen so aufzubauen, dass sie nicht nur aktuelle Bedrohungen abwehren, sondern auch mit der eigenen digitalen Entwicklung Schritt halten.
(red/Kaspersky)