Eine Lawfare-Untersuchung zeigt, dass Elon Musks KI-Enzyklopädie Grokipedia seit dem 24. April keinen einzigen Artikel mehr verändert hat.
Grokipedia war im Oktober 2025 mit rund 885.000 von der KI Grok verfassten Artikeln gestartet und wuchs seither auf mehr als sechs Millionen Einträge. Nutzer können dabei Korrekturen vorschlagen, die eigentlich von Grok selbst geprüft und innerhalb weniger Minuten angenommen oder abgelehnt werden sollen. Die Forscher Renée DiResta und Ronald Robertson fanden bei der Auswertung von 34.519 Seiten mit mindestens einem Änderungsvorschlag insgesamt 225.496 vorgeschlagene Bearbeitungen, von denen 13.002 unbearbeitet im Status „in Prüfung“ feststecken, teils seit mehr als sechs Wochen. Als Testfall reichten die Forscher selbst eine einfache, sachlich korrekte Aktualisierung zum Börsengang von SpaceX im Juni ein, die trotz vorheriger Meldung durch andere Nutzer bislang nicht übernommen wurde.
Lawfare erklärte dazu, man wisse nicht, ob xAI derzeit an einer größeren Überarbeitung arbeite oder das Projekt schlicht aufgegeben habe. xAI reagierte nach Angaben mehrerer Medien nicht auf entsprechende Presseanfragen, auch Musk selbst hat sich seit Februar nicht mehr öffentlich zu Grokipedia geäußert, nachdem er das Projekt zuvor wiederholt als deutliche Verbesserung gegenüber Wikipedia beworben hatte.
Mögliche Folgen von Grokipedia für andere KI-Systeme
Die Forscher warnen, dass ein derart eingefrorenes Nachschlagewerk veraltete oder falsche Fakten in andere Systeme einspeisen könne, die Menschen inzwischen anstelle einer klassischen Suche nutzen, da Grokipedia-Seiten bereits von anderen KI-Modellen als Quelle herangezogen werden. Anders als bei Wikipedia, wo Freiwillige täglich rund eine Viertelmillion Änderungen öffentlich nachvollziehbar vornehmen, lasse sich bei Grokipedia derzeit niemand außerhalb von xAI erkennen, wer für die eingereichten Vorschläge zuständig ist oder ob überhaupt noch jemand daran arbeitet. Für Personen mit unzutreffenden Grokipedia-Biografien bedeutet der Stillstand zudem, dass sich entsprechende Fehler derzeit auch über die eigentlich vorgesehene Korrekturfunktion nicht mehr beheben lassen.
(red)