Eine Chrome-Erweiterung, die Google im Januar 2026 wegen des Diebstahls von KI-Chatverläufen aus dem eigenen Store entfernt hatte, ist zurückgekehrt.
Die Erweiterung mit dem Namen „AI Sidebar with DeepSeek, ChatGPT, Claude and more“ wirbt für sich als KI-Assistent für Chrome. Das Sicherheitsunternehmen OX Security hatte sie im Dezember 2025 zusammen mit einer zweiten, ähnlichen Erweiterung dabei ertappt, Gesprächsinhalte aus ChatGPT- und DeepSeek-Sitzungen auszulesen und an externe Server zu übermitteln. Vor ihrer damaligen Entfernung hatte allein diese Erweiterung mehr als 300.000 Installationen und eine Bewertung von 4,6 Sternen im Chrome Web Store gesammelt, zusammen mit einer zweiten betroffenen Erweiterung waren laut Berichten mehr als 900.000 Nutzer betroffen.
Das schädliche Verhalten verschwand danach zunächst aus neueren Versionen, die Datenschutzerklärung der Erweiterung verweist inzwischen sogar auf den früheren Vorfall. Die Erleichterung war jedoch nur vorübergehend: Seit August 2026 ist die Erweiterung wieder aktiv im Chrome Web Store gelistet, und nach Angaben von Netskope erhalten Firmen-Endgeräte derzeit erneut Updates mit einer schädlichen Nutzlast, wenn auch mit einer anderen Art von Schadfunktion als zuvor.
Kommissionen durch manipulierte Update- und Deinstallations-Ereignisse
Die zwischen dem 20. und 31. Juli 2026 verteilte Version 1.7.2.0 enthielt laut Netskope zunächst unauffällige, saubere Funktionalität, offenbar um eine vertrauenswürdig wirkende Update-Historie aufzubauen. Rund zwei Wochen später folgte Version 1.7.3.0 mit einer von Netskope als chirurgisch präzise beschriebenen, nur 21 Zeilen umfassenden Ergänzung in einer einzelnen Skriptdatei. Diese Ergänzung baut ein Provisionsmodell rund um Update- und Deinstallations-Ereignisse auf: Meldet Chrome, dass die Erweiterung aktualisiert wurde, öffnet ein Service Worker im Vordergrund einen Affiliate-Link, der über einen URL-Verkürzer zu einer Plattform für KI-generierte Videos mit einem öffentlichen Partnerprogramm führt. Da der Auslöser laut Code-Kommentaren bewusst an ein Update statt an die Erstinstallation geknüpft ist, generiert jede künftige Version eine neue Provision, statt nur eine einmalige Auszahlung auszulösen.
Beim Deinstallieren nutzt der Code eine Besonderheit von Chrome aus, wonach nur die zuletzt registrierte Deinstallations-URL tatsächlich ausgelöst wird: Die Betreiber überschreiben die eigentlich legitime URL fünf Sekunden nach deren Laden, sodass auch Nutzer, die die Erweiterung entfernen, beim Verlassen noch eine Provision auslösen. Als Verantwortlicher findet sich in den Dateien der Erweiterung selbst ein Unternehmen namens Extchange.com, dessen Domain im Februar 2024 ohne öffentliche Registrierungsangaben angemeldet wurde. Im Chrome Web Store selbst wird als Entwicklername fälschlich DeepSeek AI angegeben.
Netskope warnt vor größerem Missbrauchspotenzial desselben Kanals
Netskope erklärte, die Version 1.7.3.0 beim Eintreffen auf Firmen-Endgeräten über Googles eigenes Content Delivery Network erkannt und blockiert zu haben, unter der Erkennung Trojan.GenericFCA.Script.37952. Das Unternehmen meldete die Erweiterung an den Chrome Web Store, bevor es seine Erkenntnisse veröffentlichte, und rät betroffenen Organisationen zur Entfernung der Erweiterung. Das eigentliche Partnerprogramm-Schema selbst stuft Netskope als vergleichsweise risikoarm ein, warnt jedoch ausdrücklich davor, dass derselbe Verbreitungsweg beim nächsten Mal ebenso gut eine deutlich schädlichere Nutzlast transportieren könnte.
(red)