Nach einer Messung belegt die in Windows 11 integrierte Wetter-App mehr als 1,2 Gigabyte Arbeitsspeicher, fünfmal so viel wie die native Wetter-App unter macOS.
Wie Windows Latest bei der Untersuchung feststellte, handelt es sich bei der Windows-Wetter-App technisch nicht um eine klassische native Windows-Anwendung, sondern um eine über Microsofts WebView2-Technologie eingebettete Version von MSN Weather. WebView2 bindet dabei Webinhalte über die Chromium-Engine des Edge-Browsers direkt in eine Windows-Anwendung ein. Im Task-Manager ließen sich der Untersuchung zufolge neun separate, Chromium-typische Unterprozesse unter dem Weather-Prozess erkennen. Die Wetter-App zeigt dabei nach Angaben von Windows Latest detaillierte Daten wie Live-Radarbilder, stündliche Aufschlüsselungen zu Wind und Niederschlag, den Luftqualitätsindex sowie amtliche Unwetterwarnungen, bezogen von Wetterdiensten wie Foreca und dem Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage.
Neben dem Speicherverbrauch fielen bei der Untersuchung zudem gesponserte Kacheln innerhalb der App auf, die optisch den eigentlichen Wetterkarten nachempfunden sind. Werbung in der Wetter-App ist dabei kein neues Phänomen: Bereits im Juni 2024 hatte Windows Latest über eine serverseitige Änderung berichtet, durch die MSN Weather erstmals mehrere angeheftete Werbeanzeigen einblendete.
Technische Einordnung des hohen Windows-Prozessaufkommens
Das Fachforum Windows Forum weist ergänzend darauf hin, dass Microsoft den zusätzlichen Speicher- und Startaufwand von WebView2 gegenüber Entwicklern selbst offen dokumentiert und dabei ausdrücklich empfiehlt, gemeinsame Umgebungen zu nutzen und redundante Komponenten zu vermeiden. Die beobachtete Zahl an Unterprozessen lasse sich technisch dadurch erklären, dass WebView2 für Inhalte wie MSN-eigene Daten, Werbung, Kartenmaterial und weitere separat geladene Ressourcen jeweils eigene Renderer- oder Hilfsprozesse anlegen kann, ein Verhalten, das dem Sicherheits- und Stabilitätskonzept von Chromium entspricht. Windows Forum betont zudem, dass die von Windows Latest gemessenen Werte bislang nicht unabhängig reproduziert oder verifiziert wurden.
Microsoft hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr bereits mehrere sogenannte Inbox-Apps wie Rechner, Kamera, Uhr, Media Player, Paint und Fotos überarbeitet, die Wetter-App zählte bislang nicht dazu. Rudy Huyn, bei Microsoft für die Entwicklung nativer Apps zuständig, hatte im März öffentlich angekündigt, künftig verstärkt vollständig native Windows-Anwendungen zu entwickeln, ob dies auch MSN-Anwendungen wie Weather einschließt, ist bislang offen. In einem aktuellen Insider-Blogbeitrag kündigte Microsoft zudem an, die Effizienz von WebView2 weiter zu optimieren.
(red)