Ein Google-DeepMind-Ingenieur hat mit Gem einen Browser vorgestellt, der Websites nicht lädt, sondern bei jedem Aufruf komplett neu von einer KI erzeugen lässt.
Der DeepMind-Ingenieur Vidy Thatte veröffentlichte am 22. Juli auf der Plattform X einen ersten Ausschnitt seines Projekts und stellte wenige Tage später einen Testflight-Link für iPhone-Nutzer bereit. Statt eine Webseite wie üblich vom zugehörigen Server abzurufen, übergibt der Browser Gem jede eingegebene URL an Googles Modell Gemini 3.5 Flash-Lite und lässt daraus in Echtzeit eine eigene Version der Seite erzeugen. Bei einer real existierenden Adresse entsteht so eine vom Modell interpretierte Nachbildung statt der tatsächlichen Seite, bei einer nicht existierenden Adresse erfindet Gemini kurzerhand eine passende Website. Thattes Begründung: Bei einem derart schnellen und günstigen Modell wie Gemini 3.5 Flash-Lite bestehe praktisch kein praktischer Unterschied mehr zwischen dem Laden einer bestehenden und dem Erzeugen einer komplett neuen Seite.
Da es sich um ein privates Nebenprojekt und keine vollständige, offizielle Anwendung handelt, bringt Gem keinen eigenen Gemini-Zugang mit. Nutzer müssen einen eigenen, mit ihrem Google-Konto verknüpften API-Schlüssel hinterlegen, über den sämtliche Nutzung abgerechnet wird. Ein kostenloser Schlüssel lässt sich über Google AI Studio erstellen, laut Testberichten sind dessen Freikontingente jedoch bereits nach wenigen Minuten Nutzung aufgebraucht.
With gemini 3.5 flash lite, there’s almost no difference between loading a website and generating a new one on the fly.
— vidy (@vidythatte) July 22, 2026
I built a little browser that treats every url as a prompt and generates a site from scratch.
who wants the testflight? pic.twitter.com/fWIKSyD1GZ
Bis zu zwei Dutzend visuelle Varianten von Gem pro Seite
Zu den getesteten Funktionen gehört unter anderem, eine bereits generierte Seite auf Wunsch in einem von rund zwei Dutzend unterschiedlichen visuellen Stilen neu darstellen zu lassen, etwa als Comicheft, im Look von Windows 95 oder als reines Terminal. Nach Berichten des Fachmagazins XDA Developers blieben dabei etwa Überschriften eines Nachrichtenartikels erhalten, während der eigentliche Fließtext vollständig neu vom Modell erzeugt wurde. Bei der Eingabe einer bewusst nicht existierenden Adresse, dem eigenen Namen des Testers, erzeugte Gem laut demselben Bericht innerhalb weniger Sekunden eine überzeugend wirkende, aber frei erfundene Portfolio-Seite, deren verlinktes LinkedIn-Profil ebenfalls keine reale Seite war, sondern eine von Gemini komplett neu erfundene Nachbildung samt frei erfundener Followerzahl und Angaben.
Ein vergleichbares Konzept hatte Google DeepMind bereits im März in Form einer offiziellen, im Google AI Studio verfügbaren Demonstration mit dem Vorgängermodell Gemini 3.1 Flash-Lite gezeigt. Gem selbst steht bislang nur in eingeschränktem Umfang über Apples Testflight-Dienst für Vorabversionen zur Verfügung.
(red)