Über Suchmaschinen wie Google waren Hunderte freigegebene Chatverläufe des KI-Bot-Anbieters Anthropic öffentlich auffindbar.
Nutzer der Online-Plattform Reddit haben entdeckt, dass Hunderte von Chatverläufen des Sprachmodells Claude von Anthropic über öffentliche Suchmaschinen wie Google, Bing, Brave und DuckDuckGo aufrufbar waren. Betroffen waren Unterhaltungen, bei denen Anwender die integrierte Teilen-Funktion genutzt hatten, um einen Link zur Weitergabe zu erzeugen. Über gezielte Suchanfragen mit dem Befehl site:claude.ai/share konnten Dritte auf mehr als 200 Konversationen zugreifen, die auf mindestens 25 Ergebnisseiten aufgelistet waren.
Die freigelegten Inhalte umfassten neben privaten Anfragen auch vertrauliche Daten. Dazu gehörten Bewerbungsunterlagen mit Namen und Kontaktdaten, Entwürfe für Unternehmensblogs mit Projektdetails, Zugangsdaten zu Kryptowährungs-Wallets sowie Transkripte interner Forschungsgespräche aus dem Gesundheitswesen.
Stellungnahmen von Anthropic und Google
Eine Sprecherin des Herstellers Anthropic betonte, dass Nutzer die Kontrolle darüber behalten, ob und wann sie Konversationen teilen. Die erzeugten Verknüpfungen seien laut dem Unternehmen geschützt, solange sie nicht von den Nutzern selbst verbreitet werden. Die Sprecherin erklärte dazu:
„Sie sind nicht erratbar oder auffindbar, es sei denn, die Personen entscheiden sich selbst dafür, sie zu teilen. Wenn jemand eine Unterhaltung teilt, macht er diesen Inhalt öffentlich zugänglich, und wie andere öffentliche Webinhalte kann er von Drittanbieter-Diensten archiviert werden.“
Sprecherin von Anthropic
Google verwies darauf, dass die Verantwortung für die Indexierung bei den Betreibern der jeweiligen Webseiten liege. Ein Sprecher des Suchmaschinenkonzerns stellte klar:„Wir geben Website-Betreibern klare Kontrollen an die Hand, um zu entscheiden, ob Seiten gecrawlt oder indexiert werden können, und wir respektieren diese Anweisungen stets.“
Entfernung der Claude-Links und Vorgeschichte der Branche
Nach dem Bekanntwerden des Vorfalls wurden die entsprechenden Links aus den Suchergebnissen entfernt. Um das Indexieren zu verhindern, können Webseiten-Betreiber sogenannte Noindex-Tags im Quelltext hinterlegen oder Crawler über Steuerungsdateien blockieren.
Sicherheitsvorfälle dieser Art traten in der Vergangenheit bereits bei anderen Anbietern von KI-Systemen auf. Im Vorjahr wurden vergleichbare Suchmaschinen-Indexierungen bei freigegebenen Chatverläufen des Dienstes ChatGPT von OpenAI sowie bei der Anwendung Grok der Plattform X beobachtet.
(red)