Erstmals seit zwei Jahrzehnten sinken die Studierendenzahlen in der Informatik an US-Hochschulen. Dies zeigen Daten der Stanford University.
Erstmals seit rund zwei Jahrzehnten ist der Anteil der Informatik-Einschreibungen an US-amerikanischen Hochschulen im Studienjahr 2025/26 gesunken. Dies geht aus einer Untersuchung von Jacob Light hervor, einem Ökonomen an der Hoover Institution der Stanford University. Die Analyse basiert auf einem Datensatz von mehr als 50 Millionen Kursabschnitten aus den Jahren seit 1996 an 1.019 US-Colleges und Universitäten. Nach einer langjährigen Phase starken Wachstums zeigt sich damit eine Kehrtwende in den Studierendenzahlen. In den vergangenen zehn Jahren hatte sich die Zahl der Bachelor-Abschlüsse in Informatik- und Informationswissenschaften in den USA von rund 56.000 im Jahr 2014 auf etwa 122.000 im Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Jacob Light fasste die Befunde in seiner Veröffentlichung folgendermaßen zusammen:
„Die bemerkenswerteste jüngste Entwicklung ist die Abflachung und Umkehrung des Trends beim Anteil der Informatik-Einschreibungen. Im Studienjahr 2025/26 ging der Anteil der Informatik-Einschreibungen zum ersten Mal seit rund zwei Jahrzehnten zurück, was eine Phase anhaltenden und ungewöhnlich schnellen Wachstums unterbrach.“
Jacob Light, Ökonom an der Hoover Institution der Stanford University
Mögliche Ursachen und Abgrenzung von KI-Einflüssen
Obwohl der zeitliche Rückgang mit der Verbreitung generativer KI-Werkzeuge zusammenfällt, betont der Autor, dass die Daten keinen direkten Ursachenzusammenhang mit künstlicher Intelligenz belegen. Für die gesunkene Nachfrage kommen laut der Studie verschiedene Erklärungsansätze infrage, darunter veränderte Anforderungen in der Lehre, geänderte Erwartungen an die Einkommensaussichten oder allgemeine Schwächen auf dem Arbeitsmarkt für Technologieberufe.
Zu den möglichen Einflussfaktoren äußerte sich Light: „Der Rückgang könnte Veränderungen in der Bildungsproduktionsfunktion widerspiegeln, da generative KI die Art und Weise verändert, wie Studierende Studienleistungen erbringen, Veränderungen in den Erwartungen der Studierenden an den Ertrag von Informatikkenntnissen, Reaktionen auf Arbeitsmarktbedingungen, die ihrerseits teilweise die KI-Nutzung widerspiegeln, eine breitere Schwäche auf dem Arbeitsmarkt für Technologie unabhängig von KI oder andere gleichzeitige Verschiebungen in der Nachfrage der Studierenden. Daher betrachte ich die Einschreibungsmuster als beschreibende Evidenz und nicht als Schätzung des kausalen Effekts von ChatGPT oder KI-Exposition auf die studentische Nachfrage.“
Vergleichende Zahlen des National Student Clearinghouse
Die Beobachtungen der Stanford-Untersuchung decken sich mit Erhebungen des National Student Clearinghouse Research Center. Dessen Bericht für den Herbst 2025 weist für vierjährige US-Colleges einen Rückgang der Informatik-Erstsemester im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent aus. Die Gesamtzahl der eingeschriebenen Studierenden in diesen Fachbereichen sank dabei von rund 659.700 im Jahr 2024 auf 606.100 im Jahr 2025. Trotz dieses Rückgangs liegt das Gesamtniveau weiterhin deutlich über dem Wert des Jahres 2022 mit damals 574.333 Studierenden.
(red)