Dezentrales Git-Hosting-Netzwerk

Entire: Ex-GitHub-Chef startet Konkurrenzprodukt

Coding

GitHub kommt mit der Last durch KI-Agenten offenbar an seine Grenzen. Der früherer Firmenchef will es besser machen.

Thomas Dohmke leitete lange Zeit GitHub. Jetzt hat er mit seiner neuen Firma Entire ein eigenes Git-Hosting-Angebot vorgestellt. Die Idee dahinter: Klassische Plattformen wie GitHub sind für die heutige Praxis, in der KI-Agenten selbstständig Code schreiben und Repositories bearbeiten, schlicht nicht ausgelegt.

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Ein Name mit Botschaft

Der Firmenname Entire soll zugleich als Slogan funktionieren. Das Unternehmen spricht von einem „völlig neuen“ Netzwerk für Git-Hosting, basierend auf der über zwei Jahrzehnte alten Software Git. In einem Blogbeitrag argumentiert Dohmke, es gehe nicht darum, ob Git angesichts seiner enormen Verbreitung Bestand habe. Die eigentliche Frage sei, wie sich das Hosting von Git-Repositories in einer Zeit weiterentwickeln müsse, in der KI-Agenten den Großteil des Codes produzieren.

Tatsächlich ist Git selbst kaum gefährdet. Schätzungen zufolge setzen rund 94 Prozent aller Entwickler auf das System, es bleibt damit unangefochten die meistgenutzte Versionsverwaltung. Probleme bereitet vielmehr GitHub selbst, die von Microsoft betriebene Hosting-Plattform. Dort führt die stark gestiegene Zahl an Anfragen durch KI-Coding-Agenten inzwischen zu spürbaren Belastungen der Infrastruktur.

Dezentralisierung als Ausgangspunkt

Dohmke gibt selbst zu, dass die von Entire vorgeschlagene Lösung, nämlich Dezentralisierung, eigentlich seit jeher Teil des Git-Konzepts ist. Was Entire angehen will, sind also weniger Schwächen von Git als vielmehr die Art und Weise, wie Plattformen wie GitHub dieses Prinzip in der Praxis umgesetzt haben.

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Laut Dohmke war Git von Anfang an für dezentrale Nutzung gedacht. Jeder geklonte Datenbestand enthalte eine vollständige Kopie des Repositories inklusive Versionsgeschichte, wodurch sich Software auf viele verschiedene Server verteilen lasse, statt von einer zentralen Stelle abzuhängen. In der Praxis hätten die großen Hosting-Anbieter Entwickler aber überwiegend in zentralisierte Strukturen gedrängt. Das habe lange gut funktioniert, sei durch den Einsatz von Agenten aber an seine Grenzen gestoßen.

Wir sind der Überzeugung, dass Git-Hosting zu seinem ursprünglichen Versprechen zurückkehren muss: ein wirklich dezentrales Netzwerk, kein System, in dem die gesamte Software der Welt an einem einzigen Ort gespeichert ist. Und genau das haben wir geschaffen.

Thomas Dohmke

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So soll Entire.io arbeiten

Aktuell befindet sich Entire.io noch in einer Testphase mit Warteliste, zunächst für Nutzer in den USA, der EU und Australien. Entwickler können damit ihre öffentlichen oder privaten GitHub-Repositories spiegeln. Auf diese Weise entsteht eine Art Parallelumgebung, in der KI-Agenten arbeiten können, ohne dabei die eigentliche GitHub-Infrastruktur zu belasten, die für das reale Deployment gebraucht wird. Alternativ lässt sich auch komplett auf Branches setzen, die direkt bei Entire liegen.

Dazu kommt die Entire CLI, ein Kommandozeilenwerkzeug, das eng mit Git verzahnt ist und Sitzungen von KI-Agenten parallel zu den eigentlichen Commits dokumentiert. Nach Angaben des Unternehmens werden dabei Prompts, die Antworten der Agenten, Dateiänderungen und weiterer Kontext festgehalten. Ziel sei es, nicht nur nachzuvollziehen, welche Änderung vorgenommen wurde, sondern auch, aus welchem Grund.

Damit zeichnet sich auch ab, wie Entire Geld verdienen will: durch Git-Hosting kombiniert mit einer Art Protokollierung und Prüfung von Agenten-Entscheidungen, perspektivisch vermutlich ergänzt um die Verwertung der dabei gesammelten Daten.

Leistungsangaben im Vergleich zu Cursor Origin

Das Netzwerk von Entire soll auf hohe Skalierbarkeit, niedrige Latenzen, regionale Kontrolle über Inhalte und gute Verfügbarkeit ausgelegt sein. Damit soll es insbesondere der hohen Zahl gleichzeitiger Zugriffe gewachsen sein, die durch Agenten entstehen kann. Als Vergleich zieht das Unternehmen den im Vormonat vorgestellten Konkurrenten Cursor Origin heran, ein ebenfalls auf Agenten ausgerichtetes Produkt der Firma Cursor.

Nach eigenen Angaben schafft das Entire-Netzwerk 2,1 Millionen Push-Vorgänge pro Stunde sowie 570.000 Klon-Vorgänge pro Stunde. Für Cursor Origin nennt Entire dagegen 81.000 Pushes und 296.000 Klone pro Stunde.

Pläne für die Zukunft

Für die kommenden Monate kündigt Entire an, sein Netzwerk als Open Source zu veröffentlichen und Nutzern zu erlauben, es selbst zu hosten. Dohmke erklärte über den Kurznachrichtendienst X, man wolle den gesamten technischen Stack weiterentwickeln, mit dem Ziel eines offenen, dezentralen und unabhängigen Entwickler-Ökosystems, das sowohl für Agenten als auch für Menschen nutzbar sei.

(red)

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