Bei SAP landet ein großer Teil der Softwareentwicklung künftig direkt beim Vorstandsvorsitzenden. Ab dem 1. Juli trägt Christian Klein selbst die Verantwortung für mehrere Entwicklungseinheiten.
Konkret geht es um die Autonomous Suite, wie SAP das Kernstück seiner Geschäftssoftware inzwischen nennt, sowie um die Business AI Platform, die technische Basis, über die Kunden und IT-Dienstleister SAP-Systeme erweitern und mit Drittlösungen verbinden. Beide Bereiche verlieren dabei nicht ihre bisherigen operativen Leiter: Die Autonomous Suite bleibt bei Manoj Swaminathan, die Business AI Platform bei Technologiechef Philipp Herzig. Neu ist ausschließlich der Berichtsweg nach oben, der künftig nicht mehr über den Produktentwicklungschef, sondern direkt zu Klein führt.
Für den bisherigen Produktentwicklungschef Muhammad Alam läuft es damit auf einen Rückzug hinaus. Übrig bleibt ihm nur noch der deutlich kleinere Bereich Product Experience, der Konzernkreisen zufolge weniger als 2.000 Mitarbeiter umfasst. Alam wird SAP trotz eines eigentlich erst 2027 auslaufenden Vertrags verlassen. Eine Nachfolgeregelung für seine bisherige Rolle gibt es nach jetzigem Stand nicht, der Aufsichtsrat hat dazu nichts kommuniziert. SAP selbst wollte sich zu den Vorgängen bislang nicht äußern; bekannt wurden sie zunächst über einen Bericht des „Handelsblatts“.
KI als Treiber des Umbaus
Hintergrund der Neuordnung ist die KI-Strategie des Konzerns, unter der Devise „All in on AI“ seit Jahresbeginn Leitlinie bei SAP. Klein hält etwa für denkbar, dass in drei bis vier Jahren bei SAP niemand mehr im herkömmlichen Sinn Software programmiert, weil KI-Systeme diese Arbeit weitgehend übernehmen könnten.
Der jetzige Umbau ist zudem nicht der erste seiner Art. Schon zum 1. April hatte SAP den Vertrieb neu geordnet und Thomas Saueressig als neu geschaffenen Chief Customer Officer eingesetzt. SAP zieht wichtige operative Funktionen zunehmend auf Vorstandsebene zusammen, während gleichzeitig ein erfahrener Produktverantwortlicher ohne klare Nachfolge das Unternehmen verlässt.
(red)