Was Behörden und Sicherheitsforscher seit Jahren als schlechte Idee bezeichnen, hat der Schweizer Rüstungskonzern RUAG dennoch getan: Nach dem Diebstahl sensibler Daten durch die Akira-Gruppe hat das Unternehmen gezahlt. Nun gibt es Kritik aus der Politik.
Im November 2025 wurde die US-amerikanische RUAG-Tochter Mecanex Opfer eines Angriffs durch die Ransomware-Gruppe Akira. Die Täter kopierten nach eigenen Angaben etwa 24 Gigabyte Firmendaten und machten den Vorfall auf ihrem Darknet-Auftritt publik. Unter den gestohlenen Unterlagen sollen sich Beschäftigtendaten wie Sozialversicherungsnummern und Ausweiskopien befinden, aber auch Militärdokumente, Verträge und Anleitungen zum Umgang mit Sprengstoff.
Verwaltungsratspräsident gesteht Zahlung ein
Im SRF-Samstagsgespräch räumte Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli die Zahlung dann öffentlich ein.
„Wir haben bezahlt, einen kleinen Betrag zum Glück, und haben alle Daten zurückbekommen.“
Jürg Rötheli, Verwaltungsratspräsident RUAG, im SRF-Samstagsgespräch
Rötheli zufolge wurden sowohl interne Gremien als auch US-Rechtsexperten in die Entscheidung einbezogen. Das Verteidigungsdepartement VBS teilte mit, man sei vorab nicht konsultiert worden.
SVP-Nationalrat Mauro Tuena, der selbst ein IT-Unternehmen führt, sieht in der Entscheidung ein fatales Zeichen: Akira wisse jetzt, dass beim Schweizer Bund Geld zu holen sei. RUAG widerspricht dieser Einschätzung und argumentiert, durch die Rückgabe der Daten den Gesamtschaden gering gehalten zu haben.
Warum Experten von Zahlungen abraten
Das Kernproblem aus Sicht von Sicherheitsforschern ist struktureller Natur: Jede gezahlte Summe bestätigt Ransomware als lukratives Geschäftsmodell und zieht weitere Angriffe nach sich. Dazu kommt, dass eine Zahlung keine belastbare Garantie bietet. Laut dem Hiscox Cyber Readiness Report können 64 Prozent der betroffenen Unternehmen ihre Daten nach einer Lösegeldzahlung nicht oder nur teilweise retten. Gestohlene Daten können trotzdem weiterverkauft oder zu einem späteren Zeitpunkt erneut als Druckmittel genutzt werden.
(red)