Gescheiterte Lizenzverhandlungen

Urheberrechtsverletzungen: CNN verklagt KI-Suchmaschine Perplexity

Perplexity AI
Bildquelle: rafapress / Shutterstock.com

Der US-Sender CNN wirft Perplexity vor, über 17.000 Artikel und Videos ohne Lizenz für seine Echtzeit-KI-Suchmaschine kopiert zu haben.

Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN hat eine umfassende Urheberrechtsklage gegen das künstliche Intelligenz-Startup Perplexity AI eingereicht. Die Klageschrift wurde beim zuständigen Bundesgericht für den südlichen Distrikt von New York hinterlegt. Der Medienkonzern wirft dem Technologieunternehmen vor, systematisch und ohne Erlaubnis tausende journalistische Inhalte kopiert und verbreitet zu haben, um die eigene KI-gestützte Suchmaschine zu betreiben.

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Laut der eingereichten Beschwerde umfasst das unberechtigte Material mehr als 17.000 einzelne Artikel, Video-Beiträge und Bilddateien, die von CNN-Journalisten produziert wurden. CNN macht geltend, dass Perplexity diese geschützten Werke nutzt, um für seine Nutzer direkte Antworten zu generieren, die mit der Originalberichterstattung identisch oder ihr substanziell ähnlich sind. Die Medienanstalt fordert Schadenersatz in nicht genannter Höhe sowie eine gerichtliche Verfügung, die Perplexity die unautorisierte Nutzung des geistigen Eigentums von CNN untersagt.

Technische Differenzierung von KI-Training und Live-Scraping

Der vorliegende Rechtsstreit unterscheidet sich in einem wesentlichen technischen Punkt von den bisherigen Urheberrechtsklagen gegen Entwickler großer Sprachmodelle. Während ältere Verfahren primär das historische Sammeln von Daten für das anfängliche Modelltraining thematisieren, zielt die Klage von CNN direkt auf die Echtzeit-Inferenz-Pipeline von Perplexity ab. Perplexity agiert als eine sogenannte Antwort-Maschine. Anstatt den Anwendern eine Liste mit Hyperlinks zu Originalquellen auszugeben, wie es klassische Suchmaschinen tun, durchsucht das System das Internet bei einer Benutzeranfrage in Echtzeit, liest die aktuellen Artikel aus und generiert eine ausformulierte Konversationsantwort.

CNN argumentiert, dass dieser Live-Scraping-Prozess Verleger um ihre wirtschaftliche Basis bringt, da Nutzer nicht mehr auf die Webseiten der Nachrichtenportale weitergeleitet werden. Dadurch entgehen den Medienhäusern Werbeeinnahmen, Abonnements und Reichweite, während KI-Unternehmen auf Basis dieser kostenintensiven Recherchen milliardenschwere Geschäftsmodelle aufbauen. Ein Sprecher von Perplexity wies die Anschuldigungen zurück. Der Kommunikationschef des Startups, Jesse Dwyer, erklärte in einer Stellungnahme zu dem Verfahren kurz, dass man Fakten nicht urheberrechtlich schützen könne.

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Gescheiterte Lizenzverhandlungen und angebliche Markenrechtsverstöße

Die Klageschrift enthüllt zudem Details über vorangegangene Interaktionen zwischen den beiden Parteien. Demnach versuchten CNN und Perplexity bereits im Oktober 2025, eine kommerzielle Partnerschaft auszuhandeln. Es wurde eine kurzfristige Rahmenvereinbarung geschlossen, die es Perplexity erlauben sollte, auf bestimmte Inhalte von CNN zuzugreifen. Die Verhandlungen über einen finalen Lizenzvertrag scheiterten jedoch im November 2025, da keine Einigung über die Nutzungsbeschränkungen der CNN-Inhalte in den KI-Antworten erzielt werden konnte. In der Folge blockierte CNN den Zugriff der automatisierten Web-Crawler von Perplexity auf seine Webseiten.

Trotz dieser expliziten Sperre und schriftlicher Unterlassungsaufforderungen im Dezember 2025 soll Perplexity die Inhalte weiterhin systematisch erfasst haben. Neben dem Vorwurf der Urheberrechtsverletzung wirft CNN dem Startup auch Markenrechtsverstöße vor. Wenn Nutzer die KI-Suchmaschine nach dem kostenpflichtigen Abonnement-Dienst Comet Plus von Perplexity fragen, behaupte der Chatbot fälschlicherweise, dass CNN Teil dieses Premium-Nachrichtenpakets sei. CNN betont, dass keine solche Partnerschaft existiert und Perplexity damit Verbraucher bewusst in die Irre führe, um vom öffentlichen Vertrauen in die Medienmarke CNN finanziell zu profitieren.

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Der wachsende juristische Druck auf Betreiber von KI-Suchmaschinen

Das Verfahren von CNN vergrößert die Welle an juristischen Auseinandersetzungen zwischen der klassischen Medienbranche und der KI-Industrie. Seit dem Durchbruch von Anwendungen wie ChatGPT Ende 2022 fordern Urheber zunehmend eine finanzielle Vergütung für die Nutzung ihrer Werke. Perplexity sieht sich in New York bereits mit ähnlichen Klagen von etablierten Publikationen wie der New York Times, Dow Jones, der Chicago Tribune und der Plattform Reddit konfrontiert.

Gleichzeitig verdeutlicht der Markt eine Spaltung der Verlagslandschaft. Während einige Medienhäuser den Klageweg wählen, entscheiden sich andere für das Schließen kommerzieller Lizenzvereinbarungen mit Technologieanbietern. Unternehmen wie Gannett, TIME, Le Monde und der Spiegel haben in den vergangenen Jahren Verträge mit Perplexity unterzeichnet, um eine kontrollierte Nutzung ihrer Inhalte gegen Bezahlung zu ermöglichen. CNN selbst betonte, nicht prinzipiell gegen künstliche Intelligenz zu sein, und verwies auf bestehende Partnerschaften mit anderen Technologieakteuren wie Meta Platforms.

Konsequenzen für die IT-Governance und das IT-Risikomanagement

Die zunehmenden Urheberrechtsstreitigkeiten rund um Echtzeit-KI-Suchmaschinen haben direkte Implikationen für die IT-Governance und das strategische IT-Risikomanagement in modernen Unternehmen im Jahr 2026. Wenn Organisationen KI-gestützte Recherche-Werkzeuge wie Perplexity in ihrer Unternehmensinfrastruktur einsetzen, entstehen signifikante Compliance- und Haftungsrisiken. Sollte ein Gericht feststellen, dass die von der Suchmaschine generierten Ausgaben auf illegal erlangtem urheberrechtlich geschütztem Material basieren, könnten auch Unternehmenskunden, die diese Daten in ihren geschäftlichen Berichten oder Produkten weiterverarbeiten, in rechtliche Mitleidenschaft gezogen werden.

Das IT-Sicherheitsmanagement muss daher im Rahmen der firmenweiten Governance klare Richtlinien für die Beschaffung und Nutzung von KI-Diensten definieren. Es gilt zu prüfen, ob die eingesetzten Tools über rechtlich abgesicherte Datenquellen verfügen oder ob das Risiko von Schutzrechtsverletzungen besteht. Zudem müssen Risikomanager Audits implementieren, um den Einsatz nicht autorisierter Such-Assistenten im Sinne einer Schatten-KI zu unterbinden, damit die rechtliche Integrität und die regulatorische Konformität der gesamten Organisation nachhaltig geschützt werden.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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