Die Monopolstellung von ChatGPT im Büroalltag bröckelt. Laut DeskTime-Report gewinnt die Konkurrenz um Google Gemini und Claude 2026 deutlich an Boden.
Die Integration von Anwendungen der künstlichen Intelligenz in die alltäglichen Arbeitsabläufe globaler Büroumgebungen verzeichnet eine außergewöhnliche Beschleunigung. Empirische Daten zeigen, dass sich die Gesamtlaufzeit, die Angestellte mit der Nutzung von KI-Werkzeugen verbringen, zwischen den Jahren 2023 und 2024 zunächst nahezu verdreifacht hat. Dieser exponentielle Wachstumstrend setzte sich im Verlauf des Jahres 2025 in identischer Intensität fort.
Ein aktueller Untersuchungsbericht des Produktivitäts-Tracking-Dienstes DeskTime hat diese Entwicklung über einen Zeitraum von drei Jahren detailliert analysiert. Die Studie basiert auf den anonymisierten Nutzungsdaten von mehr als 50.000 Anwendern weltweit. Im Fokus der Auswertung standen dabei insbesondere sogenannte Power User, die mindestens 26 Stunden pro Jahr aktiv mit KI-Systemen interagieren. Die Ergebnisse offenbaren eine globale Verschiebung der Marktanteile und eine zunehmende Diversifizierung der genutzten Software-Schnittstellen innerhalb professioneller Workflows.
Der deutliche Einbruch des Monopols von ChatGPT
Die wichtigste Erkenntnis des Berichts betrifft den signifikanten Verlust der Marktpräsenz des bisherigen Branchenprimus OpenAI. Im Jahr 2023 kontrollierte die Anwendung ChatGPT noch einen Anteil von 99,91 Prozent der gesamten erfassten KI-Nutzungszeit in den untersuchten Unternehmen. Dieses nahezu absolute Monopol ist in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 stark eingebrochen. Der Anteil von ChatGPT an der gemessenen Gesamtlaufzeit sank laut DeskTime auf 74,71 Prozent.
Diese Erosion spiegelt sich auch im Verhalten der loyalen Nutzerschaft wider. Während im Jahr 2023 noch 100 Prozent der identifizierten Power User ausschließlich auf ChatGPT setzten, reduzierte sich dieser Wert bis zum Frühjahr 2026 auf 75,61 Prozent. Branchenanalysten vergleichen diesen rasanten Wandel mit historischen Verschiebungen im Softwaremarkt, wie sie etwa beim allmählichen Rückzug des Webbrowsers Firefox zugunsten neuerer Alternativen beobachtet werden konnten.
„Bei KI ist es oft schwierig, Hype von Realität zu trennen, daher hat sich DeskTime entschieden, zu untersuchen, was am heutigen Arbeitsplatz wirklich vor sich geht. Die Zahlen sind überzeugend… KI definiert die Arbeit grundlegend neu, und das Risiko, zurückzufallen, wächst exponentiell.“
Geschäftsführer von DeskTime, Artis Rozentals
Der Aufstieg von Google Gemini und Claude als Hauptkonkurrenten
Als stärkster Herausforderer im professionellen Produktivitätssektor hat sich die Plattform Google Gemini etabliert. Durch die Verknüpfung mit bestehenden Cloud-Arbeitsumgebungen gelang es dem System, bis zum Mai 2026 einen Anteil von 14,38 Prozent der gesamten im Büroalltag gemessenen KI-Nutzungszeit auf sich zu vereinen. Eine noch steilere Wachstumskurve verzeichnet das Modell Claude des Entwicklers Anthropic.
Claude sichert sich aktuell einen Nutzungsanteil von 8,56 Prozent und verzeichnet die dynamischste Aufwärtsentwicklung im laufenden Kalenderjahr. Beiden Konkurrenzsystemen gelingt es zunehmend, Mitarbeiter, die anfangs lediglich mit den Werkzeugen experimentierten, in regelmäßige und wiederkehrende Anwender zu verwandeln. Dieser Trend zur Verteilung der Aufgaben auf verschiedene spezialisierte Sprachmodelle verändert die Struktur der Software-Landschaft in Unternehmen nachhaltig, da Angestellte ihre Werkzeuge gezielt nach der jeweiligen Aufgabenstellung auswählen.
Stagnation von Microsoft Copilot und das Scheitern von Nischenwerkzeugen
Im Gegensatz zu der dynamischen Entwicklung von Gemini und Claude dokumentiert der Bericht für Microsoft Copilot eine überraschende Stagnation. Trotz der weitreichenden Verankerung von Microsoft-Produkten in der Unternehmensinfrastruktur verharre der Marktanteil von Copilot über mehrere Jahre hinweg konstant bei rund einem Prozent der gemessenen KI-Arbeitszeit. Weder ein signifikantes Wachstum noch ein vollständiger Einbruch lassen sich in diesem Segment der Büroumgebungen nachweisen.
Gleichzeitig scheitern kleinere, spezialisierte Alternativen und KI-Suchmaschinen wie Perplexity oder das europäische Modell Mistral weiterhin daran, einen messbaren Fußabdruck in den regulären Workflows der untersuchten Betriebe zu hinterlassen. Der Markt für professionelle KI-Assistenten entwickelt sich somit im Jahr 2026 zunehmend von einem Ein-Software-Monopol zu einem intensiven Dreikampf zwischen OpenAI, Google und Anthropic. Die Fachleute geben jedoch zu bedenken, dass die vorliegenden Daten von einem einzelnen Dienst stammen und je nach Branche, Unternehmensgröße und spezifischer Jobfunktion variieren können.
Konsequenzen für die IT-Governance und das IT-Risikomanagement
Die zunehmende Verteilung der KI-Nutzung auf unterschiedliche Anbieter stellt die übergeordnete IT-Governance und das strategische IT-Risikomanagement vor neue administrative Herausforderungen. Wenn Mitarbeiter eigenständig zwischen verschiedenen Sprachmodellen wechseln, um Texte zu verfassen, Programmiercodes zu prüfen oder Datenanalysen durchzuführen, erhöht sich die Komplexität der internen Compliance-Überwachung.
Das IT-Sicherheitsmanagement kann sich nicht mehr darauf beschränken, Richtlinien für eine einzige Plattform wie ChatGPT zu definieren. Es müssen umfassende Sicherheitsarchitekturen implementiert werden, welche die Datenströme zu allen genutzten externen Systemen lückenlos überwachen. Eine vorausschauende Governance erfordert die Durchsetzung zentral verwalteter Unternehmenslizenzen für alle führenden Plattformen, um den unkontrollierten Abfluss sensibler Firmeninformationen in ungeschützte Consumer-Versionen effektiv zu unterbinden und die Einhaltung gesetzlicher Datenschutzvorgaben im Jahr 2026 dauerhaft zu garantieren.