Die drei staatlichen Mobilfunkanbieter Chinas führen monatliche Abonnementpläne für KI-Tokens ein. Tarife für Verbraucher starten ab 1,40 US-Dollar.
Die drei großen staatlich unterstützten Telekommunikationsunternehmen Chinas haben mit der Einführung von kommerziellen Abonnementplänen begonnen, bei denen die Nutzung von künstlicher Intelligenz über monatliche Kontingente abgerechnet wird. Das Abrechnungsmodell orientiert sich direkt an den etablierten Strukturen von Mobilfunkdatentarifen. Anstelle von pauschalen Software-Abonnements erwerben Kunden hierbei sogenannte Tokens, die als Grundeinheit für die Verarbeitung von Daten durch große Sprachmodelle dienen.
Dieser Schritt betrifft sowohl Privatkunden als auch Softwareentwickler und gewerbliche Unternehmen. Branchenexperten sehen in dieser Umstellung einen grundlegenden Wandel bei der weltweiten Vermarktung und Verteilung von Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz. Die Anbieter China Telecom, China Mobile und China Unicom testen das Verfahren derzeit in verschiedenen Regionen und Tarifstufen, um die Technologie als alltägliche Infrastrukturleistung zu etablieren.
Sechs Abo-Modelle zwischen 10 und 150 Millionen Token pro Monat
Die Ausgestaltung der Tarife variiert je nach Anbieter und Zielgruppe, orientiert sich jedoch an festen Volumenkomponenten. China Telecom hat im Zuge einer Testphase sechs unterschiedliche Abonnementpläne vorgestellt. Für individuelle Endverbraucher beginnt das Einstiegssegment bei einer Gebühr von 1,40 US-Dollar pro Monat, wofür ein Kontingent von 10 Millionen Tokens zur Verfügung gestellt wird. Diese Einheiten werden von den KI-Modellen verbraucht, um Texte zu analysieren, Bilddaten zu verarbeiten oder Eingabeaufforderungen zu beantworten. Für intensivere Nutzung im Privatkundensegment reicht das Angebot bis zu einer Premium-Stufe, die für monatlich 6,90 US-Dollar ein Datenvolumen von 80 Millionen Tokens umfasst.
Für professionelle Anwendungsbereiche wie die Softwareentwicklung oder den Betrieb in Unternehmen wurden separate Großkunden-Pakete aufgelegt. Das oberste Tarifsegment im Unternehmenseinsatz schlägt mit monatlichen Kosten von bis zu 41,50 US-Dollar zu Buche und beinhaltet ein festes Budget von 150 Millionen Tokens. Parallel dazu erproben die beiden Konkurrenten China Mobile und China Unicom ähnliche Abrechnungsmodelle auf regionaler Ebene. China Unicom hat entsprechende Token-Abonnements exklusiv für Kunden in der Metropole Shanghai freigeschaltet. China Mobile wiederum verteilt die Angebote über mehrere Provinzen hinweg. In der Provinz Jilin bietet das Unternehmen beispielsweise ein Paket an, das für eine monatliche Gebühr von 2,21 US-Dollar ein Volumen von 7,5 Millionen Tokens bereitstellt.
KI-Rechenleistung wird Kerninfrastruktur von China Telecom
Die Motivation hinter der Einführung dieser Tarife geht weit über den reinen Verkauf von Zusatzleistungen hinaus. Der Vorstandsvorsitzende von China Telecom, Ke Ruiwen, bezeichnete das operative Geschäft mit Tokens offiziell als den zentralen strategischen Schwerpunkt des Unternehmens. Dies verdeutlicht, dass die Mobilfunkbetreiber die Bereitstellung von KI-Rechenleistung nicht mehr als reine Software-Ergänzung betrachten, sondern als fundamentale Kerninfrastruktur des Telekommunikationssektors definieren. Das Ziel der Anbieter ist es, sich als primäre Distributoren für den Zugang zu künstlicher Intelligenz zu positionieren.
Die Wachstumserwartungen der drei staatlichen Konzerne für die nahe Zukunft sind hoch angesetzt. Bis zum vierten Quartal des Jahres 2026 planen die Betreiber, die Akzeptanz dieser neuartigen Token-Modelle auf insgesamt 200 Millionen private Verbraucherkonten auszuweiten. Im gewerblichen Sektor wird für denselben Zeitraum eine Verbreitung auf rund 5 Millionen Geschäftskundenkonten angestrebt. Durch die schiere Masse an Mobilfunkkunden in China soll die Technologie innerhalb weniger Monate Einzug in den Massenmarkt halten.
Zugang zu KI-Modellen über eine Schnittstelle
Das technologische Konzept sieht vor, den Zugang zu verschiedenen KI-Modellen über eine einzige Schnittstelle zu vereinheitlichen. Die Mobilfunkbetreiber agieren hierbei als Aggregatoren. Sie bündeln die klassische Netzwerkkonnektivität, die hauseigene Cloud-Infrastruktur und den direkten Zugriff auf unterschiedliche Sprachmodelle in einer einzigen monatlichen Abonnementgebühr. Für den Endanwender entfällt dadurch die Notwendigkeit, separate Verträge mit verschiedenen KI-Entwicklern oder Plattformbetreibern abzuschließen.
Durch diese Standardisierung wird die Nutzung künstlicher Intelligenz in ein einfaches Versorgungsprodukt umgewandelt, vergleichbar mit Strom, Wasser oder dem klassischen Datenvolumen im Mobilfunknetz. Die Betreiber setzen darauf, dass diese Vereinfachung die Hemmschwelle für die breite Bevölkerung massiv senkt. So wie die Telekommunikationskonzerne vor Jahren die Nutzung des mobilen Internets durch standardisierte Pauschaltarife und Datenpakete für die breite Masse normalisiert haben, soll nun das identische Prinzip auf den Konsum von maschinellen Rechenleistungen angewendet werden. Die Verwaltung der Tokens erfolgt direkt über das bestehende Kundenkonto des Mobilfunkvertrags.
Neue Wachstumsfelder in Telekommunikationsbranche nötig
Die Entwicklungen auf dem chinesischen Markt könnten als Vorbote für eine grundlegende Transformation der globalen Telekommunikationsbranche dienen. Netzbetreiber weltweit stehen seit Jahren vor der Herausforderung, neue Wachstumsfelder außerhalb der reinen Bereitstellung von Breitband- und Mobilfunkverbindungen zu erschließen. Da die reinen Verbindungstarife starker Konkurrenz und sinkenden Margen unterliegen, suchen Unternehmen international nach wiederkehrenden Umsatzquellen im digitalen Ökosystem.
Das Experimentieren mit Token-Modellen liefert einen konkreten Ansatzpunkt für die Frage, ob der direkte Verbrauch von KI-Ressourcen als eigenständiges, wiederkehrendes Abonnementmodell im Telekommunikationssektor etabliert werden kann. Sollten die ambitionierten Nutzerzahlen in China bis Ende 2026 erreicht werden, ist davon auszugehen, dass auch Betreiber in anderen Weltregionen ähnliche Partnerships mit KI-Entwicklern eingehen werden, um privat oder geschäftlich genutzte Rechenzeitpakete direkt an ihre Endkunden zu vertreiben.