Ausfälle von IT-Systemen entwickeln sich für Unternehmen weltweit zu einem milliardenschweren Problem.
Eine neue Studie des Cisco-Unternehmens Splunk zeigt, dass ungeplante Downtime inzwischen deutlich höhere wirtschaftliche Schäden verursacht als noch vor wenigen Jahren.
Gemeinsam mit Oxford Economics untersuchte Splunk die Auswirkungen von Systemausfällen auf große Unternehmen. Demnach summieren sich die jährlichen Kosten ungeplanter Ausfälle bei den Global-2000-Unternehmen mittlerweile auf rund 600 Milliarden US-Dollar – etwa 50 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.
Deutsche Unternehmen unter dem EMEA-Durchschnitt
Auch deutsche Unternehmen bleiben von den steigenden Belastungen nicht verschont. Laut der Untersuchung entstehen hierzulande durchschnittliche Kosten von 295 Millionen US-Dollar pro Unternehmen und Jahr durch ungeplante Ausfälle. Damit liegt Deutschland zwar unter dem EMEA-Durchschnitt von 354 Millionen US-Dollar, die wirtschaftlichen Folgen bleiben jedoch erheblich.
Besonders stark wirken sich Umsatzverluste aus. Allein in Deutschland entstehen dadurch jährlich durchschnittlich 89 Millionen US-Dollar Schaden pro Unternehmen. Im Vergleich zu 2024 hat sich dieser Wert nahezu verdoppelt.
Ausfälle treffen längst nicht mehr nur die IT
Die Studie macht deutlich, dass Systemausfälle heute weitreichende Folgen für Unternehmen haben. Neben direkten finanziellen Schäden geraten zunehmend auch Markenimage, Kundenbeziehungen und regulatorische Anforderungen unter Druck.
Viele Technologieverantwortliche sehen inzwischen die Offenlegung von Datenschutzverletzungen als besonders schwerwiegende Konsequenz eines Ausfalls. Hinzu kommen hohe Kosten durch Bußgelder, steigende Support-Aufwände und negative Auswirkungen auf den Börsenwert.
Im Durchschnitt verursachen Ausfälle mittlerweile Kosten von rund 15.000 US-Dollar pro Minute. Gleichzeitig berichten viele Unternehmen von spürbaren Kursverlusten an der Börse nach größeren Vorfällen.
Kunden bemerken Probleme oft zuerst
Die Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Ein Großteil der befragten Unternehmen gab an, bereits Kunden durch Ausfälle verloren zu haben. Besonders kritisch: In vielen Fällen werden Probleme zuerst von Kunden entdeckt und nicht von den internen IT-Teams.
Zudem benötigen Marketing- und Support-Abteilungen nach größeren Vorfällen häufig Wochen oder sogar Monate, um das Vertrauen von Kunden wiederherzustellen.
Ein weiteres Problem besteht laut Splunk darin, dass Sicherheitsvorfälle oft zunächst als reine IT-Störungen interpretiert werden. Dadurch könnten Angreifer wertvolle Zeit gewinnen, bevor Unternehmen die eigentliche Ursache erkennen.
Hinzu kommt die wachsende Abhängigkeit von SaaS-Diensten und Drittanbieter-Anwendungen. Sicherheitsbedingte Ausfälle im Zusammenhang mit externen Plattformen haben laut der Studie deutlich zugenommen.
Viele Unternehmen kämpfen außerdem weiterhin mit veralteten Infrastrukturen und Systemen, die sich nur schwer oder gar nicht mehr patchen lassen.
KI soll Resilienz verbessern
Um Ausfälle schneller zu erkennen und zu beheben, investieren Unternehmen zunehmend in KI-gestützte Lösungen. Durchschnittlich fließen laut Studie jährlich rund 24,5 Millionen US-Dollar in KI-Werkzeuge zur Prävention und Analyse von Ausfällen.
Vor allem Unternehmen mit fortgeschrittenen KI-gestützten Analyse- und Triage-Systemen schneiden bei Resilienz und Kundenbindung deutlich besser ab. Sie melden seltener Datenschutzverletzungen und verlieren weniger Kunden durch Ausfälle.
Allerdings bringt der verstärkte Einsatz von KI auch neue Risiken mit sich. Viele Befragte befürchten unvorhersehbares Verhalten autonomer KI-Systeme. Laut der Studie haben bereits alle befragten Unternehmen in irgendeiner Form Ausfälle erlebt, die mit KI-Systemen zusammenhingen.
Transparenz und Automatisierung gewinnen an Bedeutung
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass Unternehmen ihre Investitionen zunehmend auf Observability, Automatisierung und Sicherheitsüberwachung konzentrieren. Ziel ist es, komplexe IT-Abhängigkeiten besser sichtbar zu machen und Fehler frühzeitig zu erkennen.
Besonders wichtig bleibt dabei die Reduzierung menschlicher Fehler, die laut Studie weiterhin zu den häufigsten Ursachen ungeplanter Ausfälle gehören.
Kamal Hathi, Senior Vice President und General Manager bei Splunk, betont, dass Ausfälle zwar nie vollständig vermeidbar seien. Entscheidend sei jedoch, Systeme so aufzubauen, dass sie auch unter hoher Belastung stabil bleiben und Unternehmen im Ernstfall schnell reagieren können.