Ein neues KI-System analysiert Netzhautbilder und sagt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen voraus. Routineuntersuchungen beim Augenarzt könnten künftig auch Herzvorsorge sein. Die Software CLAiR liefert schnelle und präzise Ergebnisse.
Netzhautbilder als Schlüssel für Herzgesundheit
Michael V. McConnell, Mediziner an der Stanford University, hat zusammen mit seinem Forschungsteam die KI-Software CLAiR entwickelt, die anhand von Netzhautbildern erkennen kann, ob Patienten ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden haben. Dadurch könnten mehr Menschen ihre individuelle Gefährdung kennen und frühzeitig vorsorgen. Die Ergebnisse wurden kürzlich auf der American College of Cardiology’s Annual Scientific Session vorgestellt.
Automatisierte Mustererkennung in Blutgefäßen
Bisher wurden Netzhautbilder vor allem genutzt, um Erkrankungen wie Diabetes zu beurteilen. CLAiR automatisiert die Analyse und erkennt Muster in den Blutgefäßen, die mit Herzkrankheiten zusammenhängen. Das System ermöglicht eine routinemäßige Vorsorge, die bisher aufgrund des hohen Aufwands kaum umsetzbar war.
Studie bestätigt hohe Genauigkeit
Für die Untersuchung wurden 874 Menschen im Alter von 40 bis 75 Jahren ohne Arteriosklerose und ohne lipidsenkende Medikamente ausgewählt. Mit Standardkameras, wie sie in Augenarztpraxen üblich sind, fertigten die Forscher Netzhautbilder an. CLAiR wertete diese aus und identifizierte Personen, deren Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall in den nächsten zehn Jahren bei mindestens 7,5 Prozent lag. Dieser Wert entspricht dem Schwellenwert, ab dem üblicherweise Statine zur Cholesterinsenkung empfohlen werden.
Parallel wurden die Teilnehmer nach herkömmlichen Verfahren untersucht. Die KI-Ergebnisse stimmten zu über 90 Prozent mit den konventionellen Methoden überein.
Schnelle Auswertung mit minimalem Aufwand
Die Bildaufnahme dauert etwa fünf Minuten, der CLAiR-Algorithmus liefert das Ergebnis in rund 30 Sekunden. Dadurch lässt sich der Zeitplan in einer Augenarztpraxis kaum beeinträchtigen, der Patient profitiert jedoch von einem echten Mehrwert. Einschränkungen gibt es bei Schwangeren und Menschen mit fortgeschrittenen Augenerkrankungen, deren Netzhaut atypische Muster aufweist. CLAiR ist bereits von der US-Zulassungsbehörde FDA zugelassen.
(vp/pressetext.redaktion)