Liebe, Likes und Lügen

So nutzen Cyberkriminelle unsere Emotionen zur Manipulation

Valentinstag, Love Scam

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Arbeitswelt und Kommunikation, sondern zunehmend auch persönliche Beziehungen.

Der aktuelle Norton Insights Report zur sogenannten künstlichen Intimität zeigt, dass sich viele Menschen in Deutschland emotionale Nähe zu digitalen Systemen vorstellen können – und dass diese Entwicklung zugleich neue Risiken im Online-Dating mit sich bringt.

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Zwischen Nähe und neuer Verletzlichkeit

Mit der wachsenden Verbreitung von Chatbots und dialogfähigen KI-Systemen verschiebt sich auch der Umgang mit Beziehungen im digitalen Raum. Systeme, die jederzeit erreichbar sind, empathisch reagieren und Aufmerksamkeit vermitteln, können emotionale Bindungen entstehen lassen. Für manche wird KI damit zu einer Art Gesprächspartner oder emotionalen Bezugspunkt.

Diese neue Form digitaler Nähe eröffnet zwar Möglichkeiten für Austausch und Unterstützung, macht Nutzerinnen und Nutzer aber auch anfälliger für Manipulation. Genau hier setzen Cyberkriminelle an: Mithilfe von KI lassen sich täuschend echte Profile, glaubwürdige Identitäten und emotional wirkende Kommunikationsmuster erzeugen. Betrugsformen wie Romance Scams, Love Bombing oder gefälschte Dating-Profile gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.

Betrug im Dating-Alltag weit verbreitet

Die im Norton-Bericht erhobenen Daten zeigen, wie präsent solche Risiken bereits sind. Viele Nutzerinnen und Nutzer von Online-Dating-Plattformen berichten, regelmäßig auf verdächtige Profile zu stoßen. Ein spürbarer Anteil wurde schon Ziel konkreter Betrugsversuche, und nicht wenige wurden bereits zu Geldzahlungen aufgefordert.

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Damit verschiebt sich das Ziel von Cyberangriffen zunehmend: Nicht mehr nur Zugangsdaten oder Bankinformationen stehen im Fokus, sondern Vertrauen, emotionale Bindung und persönliche Nähe. Laut Norton-Experten nutzen Betrüger gezielt menschliche Bedürfnisse nach Sicherheit, Zuwendung und Beziehung aus, um Manipulationen vorzubereiten.

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Safer Internet Day rückt Aufklärung in den Mittelpunkt

Vor diesem Hintergrund gewinnt digitale Aufklärung weiter an Bedeutung. Initiativen wie der Safer Internet Day stellen Fragen nach Vertrauen, Sicherheit und Medienkompetenz bewusst in den Mittelpunkt. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, Chancen digitaler Kommunikation zu nutzen, ohne dabei emotionale oder finanzielle Risiken zu übersehen.

Gerade im Online-Dating zeigt sich, wie eng technologische Entwicklung und persönliche Sicherheit inzwischen miteinander verknüpft sind. Bewusster Umgang mit Informationen, kritisches Hinterfragen von zu schneller Nähe und ein grundlegendes Verständnis digitaler Risiken werden zu wichtigen Schutzfaktoren.

Worauf Nutzerinnen und Nutzer achten sollten

Ein reflektierter Umgang mit digitaler Romantik beginnt bei einfachen Grundregeln. Übertriebene Komplimente, sehr schnelle emotionale Bindung oder Druck zu Geheimhaltung und Geldzahlungen gelten als typische Warnsignale. Ebenso sollten persönliche Daten wie Adresse, Arbeitsplatz oder finanzielle Informationen nicht leichtfertig geteilt werden.

Auch technische Schutzmaßnahmen bleiben relevant. Sichere Passwörter, Schutzsoftware und ein grundsätzlich wachsames Verhalten im Netz gehören heute ebenso zur Selbstfürsorge wie emotionale Grenzen im digitalen Kontakt.

Digitale Nähe bewusst gestalten

Künstliche Intelligenz kann Kommunikation erleichtern, Trost spenden oder neue Formen des Austauschs ermöglichen. Sie ersetzt jedoch weder menschliche Beziehungen noch die Notwendigkeit von Vorsicht und Selbstschutz. Entscheidend ist daher ein bewusster Umgang mit digitalen Technologien – sowohl emotional als auch sicherheitstechnisch.

Wenn Vertrauen, Aufmerksamkeit und Medienkompetenz zusammenspielen, kann digitale Nähe bereichern, ohne zur Gefahr zu werden. Genau darin liegt die zentrale Herausforderung einer vernetzten Zukunft, in der Gefühle und Technologien immer enger miteinander verwoben sind.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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