Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Arbeit und Alltag, sondern zunehmend auch die Art, wie Menschen Nähe, Verständnis und Beziehungen erleben.
Eine aktuelle Untersuchung von Norton zeigt, dass die Vorstellung, mit einer KI zu daten oder sie zumindest als emotionalen Begleiter einzubeziehen, für viele Nutzerinnen und Nutzer von Online-Dating-Angeboten in Deutschland längst kein Randphänomen mehr ist.
Offenheit für KI-Partner wächst
Unter Menschen, die Dating-Apps nutzen, kann sich rund die Hälfte vorstellen, eine KI als potenzielles Gegenüber zu akzeptieren. Die Motive dafür sind vielfältig: Neugier spielt eine große Rolle, ebenso der Wunsch nach einem urteilsfreien Austausch oder der Versuch, den Stress klassischer Dates zu umgehen. Ein Teil der Befragten geht sogar noch weiter und kann sich vorstellen, eine KI stellvertretend zu virtuellen Treffen zu schicken oder ihr mehr emotionale Unterstützung zuzutrauen als einem menschlichen Partner.
Diese Entwicklung passt zu einem Umfeld, in dem digitale Partnersuche längst etabliert ist. Vor allem jüngere Generationen nutzen Dating-Apps selbstverständlich, was nicht nur neue Möglichkeiten eröffnet, sondern auch neue Risiken mit sich bringt.
Einsamkeit als Treiber digitaler Intimität
Ein zentraler Faktor für die wachsende Akzeptanz von KI im Beziehungsumfeld ist das verbreitete Gefühl von Einsamkeit. Ein großer Teil der Befragten gibt an, sich regelmäßig isoliert zu fühlen – besonders stark ausgeprägt ist dieses Empfinden bei jüngeren Altersgruppen. In dieser Situation erscheinen KI-Systeme für viele als niedrigschwellige Möglichkeit, Trost, Aufmerksamkeit oder Rat zu finden.
So würden zahlreiche Online-Dater bei Liebeskummer eher einen KI-Chatbot konsultieren als ihr persönliches Umfeld. Auch bei Beziehungstipps genießt KI bei manchen bereits mehr Vertrauen als Freunde oder Familie. Was zunächst als Unterstützung beginnt, kann dabei schnell eine emotionale Bindung erzeugen.
Wenn Unterstützung zur Beziehung wird
KI-Systeme sind darauf ausgelegt, empathisch zu reagieren, verfügbar zu sein und positives Feedback zu geben. Diese Eigenschaften begünstigen emotionale Nähe. Ein Teil der Nutzerinnen und Nutzer hält es daher für möglich, romantische Gefühle für einen Chatbot zu entwickeln oder sogar eine Beziehung mit einer KI einzugehen.
Parallel dazu ist KI bereits fest in den Alltag der digitalen Partnersuche integriert. Sie hilft beim Optimieren von Profilbildern, beim Formulieren von Nachrichten oder beim Überprüfen von Profilen. Damit wird sie zum stillen Begleiter vieler Dating-Erfahrungen.
Neue Chancen, neue Betrugsrisiken
Mit wachsender emotionaler Offenheit steigt jedoch auch die Verwundbarkeit. Ein erheblicher Teil der aktiven Dating-App-Nutzer berichtet von Betrugsversuchen oder verdächtigen Profilen. Besonders häufig sind Maschen, die auf emotionale Manipulation setzen und schließlich in Geldforderungen münden.
Die Kombination aus Einsamkeit, digitalem Vertrauen und KI-gestützter Kommunikation schafft ein Umfeld, das Betrüger gezielt ausnutzen. Social-Engineering-Angriffe gehören inzwischen zu den häufigsten Bedrohungen für Privatpersonen, und Dating-Plattformen sind dabei ein bevorzugtes Ziel.
Zwischen Vertrauen und Vorsicht
Viele Nutzer reagieren bereits mit Schutzmaßnahmen, etwa indem sie persönliche Informationen zurückhalten, Profile absichern oder zusätzliche Sicherheitsfunktionen nutzen. Dennoch zeigt die Entwicklung, dass KI im Dating-Kontext besondere Aufmerksamkeit erfordert. Sie kann unterstützen, trösten und helfen – ersetzt aber keine echte menschliche Beziehung.
Die Ergebnisse der Norton-Studie machen deutlich, dass digitale Intimität und technologische Nähe weiter zunehmen werden. Entscheidend wird sein, ein Gleichgewicht zu finden: zwischen Offenheit für neue Formen der Verbindung und einem bewussten Umgang mit Vertrauen, Daten und Emotionen in einer zunehmend digitalen Beziehungswelt.