Ein ERP-System ist wie ein Zahnrad im Getriebe – ein Zahnrad, das sich nahtlos in die IT-Landschaft einfügen muss.
Auf der ERP-Branchenveranstaltung microtech IMPACT wurde im September 2025 mit GraphQL eine Technologie vorgestellt, die genau das endlich möglich macht und die Art, wie über ERP-Schnittstellen gedacht wird, grundlegend verändert.
Vom Einzelsystem zum Teamplayer: Die neue Realität
Noch vor 20 Jahren war das ERP-System oft das zentrale, aber auch isolierte System in Unternehmen. Es erledigte seine Aufgaben zuverlässig, war aber kaum mit anderen Anwendungen vernetzbar. Heute ist das undenkbar. Moderne Unternehmen jonglieren mit Dutzenden spezialisierter Tools: CRM hier, Projektmanagement da, Lagerverwaltung dort. Die große Herausforderung: Diese Systeme müssen quasi miteinander sprechen. Nahtlos und in Echtzeit.
Genau hier lag bisher das Problem. Viele ERP-Hersteller boten Schnittstellen an, aber nur auf dem Papier. In der Praxis sah es allerdings anders aus. Die COM-Schnittstelle beispielsweise, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, funktionierte nur, wenn der Entwickler zufällig seit 20 Jahren damit arbeitete. Jüngere Entwickler schauten sich das an, schüttelten den Kopf und suchten nach Alternativen. IT-Administratoren, die eine Systemeinführung begleiteten, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen: Denn für 20.000 Euro ein System mit einer derart veralteten Schnittstellentechnologie einführen? Niemals.
GraphQL: Wenn Versprechen gehalten werden
Was macht GraphQL anders? Es ist modern, es ist schnell und es ist intuitiv. Aber das Entscheidende: Es funktioniert.
Der fundamentale Unterschied zu früher: Während bisherige Schnittstellen primär Daten transportierten und Businesslogik mühsam nachgerüstet werden musste, ist GraphQL von Anfang an als Businesslogik-Schnittstelle konzipiert. Sie kann nicht nur Daten abrufen, sondern versteht, was Anwender von einem ERP-System erwarten. Artikel anlegen, Vorgänge buchen, Prozesse anstoßen – alles ist möglich, genau so, wie es in der ERP-Oberfläche auch funktioniert.
Ein Partner berichtete nach der microtech IMPACT: “Wir haben unsere Software innerhalb von drei Wochen von COM auf GraphQL umgebaut. Die Performance-Gewinne, die microtech propagiert hat, werden tatsächlich eingehalten. Prozesse, die früher Minuten liefen, um ein paar tausend Adressen auszulesen, laufen jetzt in Sekunden.”
Von Minuten auf Sekunden. Das ist kein Marketing-Sprech. Das ist die Realität in Unternehmen, die bereits GraphQL nutzen.
Die Revolution beginnt beim Anwender
Das Revolutionäre an GraphQL ist, dass man kein Entwickler sein muss. Tools wie zum Beispiel n8n ermöglichen es auch versierten Anwendern, Daten aus dem ERP auszulesen, zu verarbeiten und zurückzuschreiben. Ohne eine Zeile Code zu schreiben. Ohne IT-Ticket. Ohne Wartezeit.
Ein Controller baut sich sein Dashboard: Zieht genau die KPIs, die er braucht. Aktuell. Ohne Excel-Export.
Die Logistik optimiert ihre Prozesse: Das Lagerverwaltungssystem spricht endlich mit dem ERP. Bestände synchronisieren sich automatisch.
Das Projektmanagement läuft rund: Projektzeiten fließen direkt ins ERP. Abrechnungen entstehen automatisch.
Diese Beispiele sind keine Zukunftsmusik. Sie passieren bei Unternehmen, die nun mit GraphQL arbeiten. Denn GraphQL liefert strukturierte Daten innerhalb von Millisekunden präzise gefiltert. Diese Genauigkeit bzw. die Möglichkeit immer nur das, was ich für den Anwendungsfall gerade brauche, zu tun, macht den Unterschied. Weniger Datenlast bedeutet schnellere Anwendungen. Schnellere Anwendungen bedeuten zufriedenere Nutzer. Und zufriedene Nutzer bedeuten produktivere Arbeit.
Wenn KI dazukommt: Das nächste Level
KI-Anwendungen brauchen strukturierte, saubere und aktuelle Daten. Und genau die liefert GraphQL – nicht als Datenberg, sondern punktgenau.
Szenario Bestandsoptimierung: Die KI analysiert Verkaufstrends. Über GraphQL fragt sie gezielt nach: Wie sieht der aktuelle Lagerbestand von Produkt X, wie sehen die Verkaufszahlen der letzten 90 Tage, offene Bestellungen und saisonale Muster etc. aus. Die KI erkennt Muster und prognostiziert Engpässe.
Szenario Kundenanalyse: Ihr Vertriebsteam nutzt ein KI-gestütztes CRM. Statt alle Kundendaten zu laden, zieht sich die KI die relevanten Daten aus dem ERP wie: Kaufhistorie, Zahlungsverhalten, Reklamationsquote, offene Posten. Daraus entstehen präzise Handlungsempfehlungen für den Vertrieb.
Szenario Preisgestaltung: Eine Pricing-KI beobachtet Marktpreise, Lagerbestände, Konkurrenzpreise und Nachfrage. Über GraphQL erhält sie Echtzeitdaten zu Kosten, Margen und Beständen. Die KI passt Preise dynamisch an, die Gewinn maximieren und gleichzeitig wettbewerbsfähig bleiben – ohne manuellen Eingriff.
Die unsichtbare Gefahr veralteter Schnittstellen
Unternehmen mit geschlossenen Systemen merken oft gar nicht, was ihnen entgeht. Sie denken, ihr ERP läuft. Stimmt. Aber während sie noch Daten manuell exportieren, hat die Konkurrenz bereits automatisiert. Während sie auf den nächtlichen Batch-Lauf warten, arbeiten andere in Echtzeit.
Auf der microtech IMPACT brachte es ein Partner auf den Punkt: “Früher dachte ich, ich komme an meine microtech-Daten nicht ran. Jetzt denke ich darüber nach, was ich alles damit machen kann.”
Das Ökosystem wächst
Nach der microtech IMPACT passierte dann etwas Bemerkenswertes: Software-Anbieter, die früher einen Bogen um ERP-Integrationen machten, kommen plötzlich auf microtech zu. “Lass uns über Partnerschaften sprechen”, heißt es. Warum? Weil GraphQL die technische Hürde eliminiert hat.
Produktinformationssysteme docken an. CRM-Lösungen synchronisieren sich. Spezialsoftware für einzelne Branchen integriert sich nahtlos. Ein Ökosystem entsteht, in dem das ERP endlich seine Rolle als Datendrehscheibe spielen kann.
Der Unterschied in der Praxis
Was bedeutet GraphQL konkret:
Performance und Echtzeitdaten: Tausende Datensätze werden in Sekunden statt Minuten verarbeitet. Es gibt keine Synchronisations-Verzögerungen. Was Sie abfragen, ist immer aktuell. Und das Beste: Alle können mit demselben Datenbestand arbeiten.
Zugänglichkeit: Mit Tools wie n8n können auch Nicht-Entwickler Integrationen bauen. Der Controller, der sein Dashboard selbst anpasst. Die Vertriebsassistenz, die Kundenreports automatisiert. Fachabteilungen können somit unabhängiger arbeiten. Und auch verschachtelte Daten wie Kundeninformationen mit zugehörigen Aufträgen können in einem Rutsch abgerufen werden.
Flexibilität: Neue Felder können hinzugefügt werden, ohne dass bestehende Integrationen zerbrechen. Ihre Schnittstelle wächst mit Ihren Anforderungen.
Der Blick nach vorn
Die Präsentation auf der microtech IMPACT war erst der Anfang. GraphQL wird noch sein volles Potenzial entfalten: Partner entwickeln Lösungen, die sich nahtlos integrieren. Kunden experimentieren mit Automatisierungen. Und das ERP? Wird endlich zu dem, was es sein sollte: Ein perfekt integriertes Zahnrad im Getriebe moderner Unternehmen.
Denn GraphQL ist mehr als eine Technologie, sie ist eine Philosophie. Daten müssen fließen, verbinden und miteinander arbeiten – und genau das macht GraphQL möglich. Die Frage ist nicht mehr, ob Sie moderne Schnittstellen brauchen. Die Frage ist, wie schnell Sie damit loslegen, bevor der Wettbewerb es tut.