Das Zielbild von SAP ist klar formuliert: Die neue Business Suite als eine integrierte Plattform für SAP-Kernanwendungen, Daten und Business AI mit einem Cloud-Enterprise-Resource-Planning (ERP) als Herzstück. Der Weg dorthin gestaltet sich aber für Anwender wie Partner alles andere als einfach. Eine Bestandsaufnahme des DSAG-Partnerbeirats.
Mit der SAP Business Suite will SAP die Stärken der Vergangenheit einer robusten, hochintegrierten Plattform in eine modulare Cloud-Umgebung überführen und so das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Eine aus Sicht der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) nachvollziehbare und begrü.enswerte Entscheidung. Denn feststeht: Der Weg führt früher oder später in die Cloud. Allerdings beginnt dieser für viele Unternehmen noch in der „alten Welt“.
Laut DSAG-Investitionsreport 2025 haben immer noch 51 Prozent der Befragten SAP ERP bzw. die „alte“ Business Suite im Einsatz. 42 Prozent nutzen S/4HANA-On-Premises, 33 Prozent S/4HANA in der Private Cloud und 13 Prozent in der Public Cloud. Das zeigt einerseits zwar, dass sich der Trend in die Cloud fortsetzt. Andererseits aber ebenso, dass zahlreiche Anwender dem Tempo von SAP nicht folgen können – und zurückhaltend agieren. Sie stehen vor einer aufwändigen Transformation, für die es von SAP eine konsistente und harmonisierte Architektur braucht, die auch hybride Szenarien erlaubt mit S/4HANA On-Premises oder SAP Cloud ERP Private in Kombination mit SAP Cloud ERP Public Edition – Stichwort Two-Tier.
Genauso braucht es ein hybrides und offenes Betriebsmodell, das sowohl die Private als auch die Public Cloud umfasst, klare Migrationspfade sowie transparente Lizenz- und Rabattmodelle. Vor allem benötigen Unternehmen Handlungsspielräume – zum Beispiel bei der Gestaltung individueller Roadmaps. Es gilt für den Software-Konzern, echte Anreize zu schaffen, den Anwendern oft einen schnellen, spürbaren Mehrwert zu geben und vor allem Planungs- und Investitionssicherheit, damit sie den Pfad tatsächlich einschlagen. Denn eine vollständige Systemumstellung ist für die meisten nur über Jahre möglich.
Partner in herausfordernder Mittler-Rolle
Was das für Partner bedeutet? Mit SAPs Cloud-Strategie gehen zahlreiche Produktumstellungen und -abkündigungen einher, die Auswirkungen auf das Partnergeschäft haben. Die Partner sind es, die als Reseller von SAP-Lösungen, als Berater oder Entwickler von Add-ons die Mittler-Rolle zwischen SAP und den Anwendern einnehmen. Sie sind es, die die Software bei den Kunden platzieren, implementieren, vertreiben sowie Erweiterungen, Integrationen und Anwendungen für SAP-Lösungen entwickeln. Somit haben sie die herausfordernde Aufgabe, den Spagat zwischen SAPs Cloud-Zielbild auf der einen und den Unternehmen, die noch längst nicht so weit sind, auf der anderen Seite zu meistern. Häufig sind Partner sogar beides: SAP-Anwender und Anbieter SAP-bezogener Dienstleistungen und Lösungen.
Transparenz über geplante Änderungen bzw. Neuausrichtung
Fakt ist: Die Strategie von SAP beeinflusst auch die Geschäftsmodelle der Partner. Die konkreten Auswirkungen auf die SAP-Partnerprogramme und damit auf die Rahmenbedingungen der Partner, sind für diese allerdings schwer abzuschätzen.
Das führt dazu, dass Partner erst verzögert in der Lage sind, ihre eigene Strategie anzupassen und notwendige interne Transformationen anzugehen. Um die Anwender weiterhin mit den benötigten Tools und Lösungen auf der Reise in die Cloud unterstützen zu können, ist es für Partner essenziell, von SAP frühzeitig und direkt über Änderungen rund um Technologien, Plattform, Anwendungen, Lizenzen, Zertifizierungen und Partner-Programme informiert zu werden. Sie brauchen Planungssicherheit. Hier gibt es an einigen Stellen noch Nachholbedarf, wie das Beispiel Classic ABAP-Add-ons zeigt. Die ursprünglichen Pläne der SAP wurden erst nach Gesprächen mit der DSAG angepasst und sind nun für einen Großteil der Partner leichter umsetzbar.
Vereinfachte Kommunikations- und Informationswege
Die Kommunikationskanäle von SAP sind generell komplex. Das Partnerportal, das für den Informationsaustausch zwischen Software-Konzern und Partnern zur Verfügung steht, ist mächtig, weil viele Fachbereiche vertreten sind, und dadurch unübersichtlich.
Das macht es gerade für kleine Beratungshäuser schwer, an die passenden Informationen zu kommen und kann Transformationsprozesse hemmen. Weitere Unterstützung in Form eines SAP-Partnermanagers erhalten die IT-Dienstleister erst ab einer gewissen Umsatzgröße. Abhilfe würden direkte Kommunikationswege schaffen, verfügbare Ansprechpartner und ein vereinfachter Zugang zu Informationen – für Partner aller Größen und Geschäftsmodelle.
Cloud als Chance begreifen
Der Weg in die Cloud ist unbestritten mit einigen Umstellungen und Herausforderungen gepflastert. Gleichzeitig tut sich damit aber auch für Partner ein enormes Wachstumsfeld auf. Die Nachfrage nach Expertise in der Implementierung, Betreuung und Optimierung von Software-as-a-Service (SaaS)-Lösungen wächst rasant. Darüber hinaus bietet das SAP-Ökosystem mit Tools wie Signavio, LeanIX oder Cloud ALM zahlreiche Möglichkeiten, Unternehmen aktiv bei ihrer Transformation zu begleiten. Dazu kommt das große Thema Künstliche Intelligenz (KI), das viele Potenziale bietet. Denn erst auf Cloud-basierten Architekturen ist KI sinnvoll und vor allem skalierbar.
Einfluss und Einsatz von KI
Dass die Relevanz von KI für Partner steigt, zeigt eine aktuelle DSAG-Umfrage. Sie lief im Zeitraum vom 02. bis 31. Juli 2025 und richtete sich an die Partner unter den DACH-Mitgliedern. 146 Personen meldeten sich zurück, davon erklärten 84 Prozent, KI für die berufliche Tätigkeit zu nutzen. Auch als Geschäftsfeld scheint sich KI schnell zu etablieren: 60 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass sie KI-Innovationen verstärkt gemeinsam mit Kunden entwickeln und 64 Prozent, dass sie ihr Unternehmen darauf ausrichten, zum strategischen KI-Transformationspartner zu werden.
Im direkten Zusammenspiel mit SAP zeigten sich allerdings Hürden. SAP integriert KI unter dem Oberbegriff „SAP Business AI“ zunehmend in ihre Geschäftsanwendungen. In diesem Zusammenhang wünschen sich die Teilnehmenden unter anderem mehr KI-Use-Cases und ein vereinfachtes Lizenzmodell. Es seien noch funktionale Gaps vorhanden und die Lösungen nicht ausgereift. Zugleich äußerten die Teilnehmenden die Erwartung, dass trotz der hohen Bedeutung von KI-Funktionen auch die Kernprodukte konsequent weiterentwickelt werden. Ebenso vermissen die Umfrageteilnehmenden KI-Szenarien in On-Premises-Systemen und für hybride Szenarien.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cloud und KI sicher kein Trend, sondern die Zukunft sind. Die Möglichkeiten, die sie bieten sind groß, die Herausforderungen, die damit für alle Beteiligten – Anwender, SAP und Partner – einhergehen, nicht von der Hand zu weisen. Klar ist aber: Wer bestehen will, muss diese annehmen und sich weiterentwickeln.
(cm/dsag)
| DSAG-Partnerbeirat |
| Der Partnerbeirat setzt sich für die Interessen der über 1.200 Partnerunternehmen innerhalb der DSAG ein. Dafür steht er im engen konstruktiv-kritischen Dialog mit SAP. Weitere Infos unter dsag.de/ueber-uns/partnerbeirat/ |