Elon Musks Raumfahrtunternehmen hat bei der US-Kommunikationsbehörde FCC Pläne für bis zu eine Million Satelliten eingereicht, die als orbitale Rechenzentren fungieren sollen. Die ambitionierte Vision: KI-Rechenleistung kostengünstig aus dem All bereitstellen.
SpaceX will nach eigenen Angaben “eine Konstellation von Satelliten mit beispielloser Rechenkapazität betreiben, um fortschrittliche KI-Modelle und die darauf basierenden Anwendungen zu ermöglichen”. Die geplanten Satelliten sollen in Höhen zwischen 500 und 2.000 Kilometern operieren, wobei verschiedene Cluster in 50-Kilometer-Intervallen für unterschiedliche Workloads und Latenzanforderungen ausgelegt sind.
Anbindung über Starlink-Netzwerk
Das vorgeschlagene “SpaceX Orbital Data Center System” soll über hochbandbreitige optische Verbindungen an die bestehende Starlink-Konstellation angebunden werden, die dann per Laser-Mesh-Netzwerk mit Bodenstationen kommuniziert. Aktuelle Starlink-Satelliten verfügen über drei Laser mit bis zu 200 Gbit/s, eine kommende Generation soll 1 Tbit/s unterstützen.
Sonnenkraft statt Batterien
Je nach Orbitalebene sollen die Systeme mehr als 99 Prozent der Zeit solarbetrieben arbeiten, was den Bedarf an Batterien minimiert. Bahnen mit mehr Sonneneinstrahlung sind für konstante Rechenlasten vorgesehen, während niedrigere Neigungswinkel Lastspitzen abdecken sollen. Die Wärmeabfuhr erfolgt über Strahlungskühlung, die Betriebsdauer liegt bei etwa fünf Jahren.
“Orbitale Rechenzentren sind der effizienteste Weg, um die beschleunigte Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu decken”, heißt es in der Einreichung. SpaceX verweist auf die steigenden Energieanforderungen terrestrischer Anlagen und argumentiert, dass der Betrieb im All von den Beschränkungen irdischer Infrastruktur befreit sei.
Starship als Schlüsseltechnologie
Entscheidend für die Umsetzung ist die noch in der Entwicklung befindliche Starship-Rakete, die deutlich größere Nutzlasten transportieren kann. SpaceX rechnet vor: Sobald Starship voll wiederverwendbar ist und eine Million Tonnen Satelliten pro Jahr mit je 100 Kilowatt Rechenleistung pro Tonne ins All bringt, könnten jährlich 100 Gigawatt KI-Rechenkapazität hinzugefügt werden.
Keine konkreten Zeitpläne
Konkrete Zeitangaben fehlen in der Einreichung. SpaceX bat um Verzicht auf die üblichen FCC-Meilensteinvorgaben, die normalerweise verlangen, dass die Hälfte einer Konstellation innerhalb von sechs Jahren und das komplette System innerhalb von neun Jahren nach Genehmigung eingesetzt wird.
Die Genehmigung ist keineswegs sicher. Das Vorhaben würde eine dramatische Steigerung gegenüber den heute rund 14.000 aktiven Satelliten im Orbit bedeuten, von denen viele bereits zu Starlink gehören. SpaceX verfügt derzeit über Lizenzen für maximal 19.400 Satelliten. Mit einer Million Satelliten wäre dies die mit Abstand größte Megakonstellation, die je das Antragsverfahren erreicht hat.