Satelliteninfrastruktur

Deutsches Starlink? Bundeswehr will “Fritzboxen im All”

Satellitengestützte Kommunikation

Die Bundeswehr plant den Aufbau einer eigenen Satellitenkonstellation zur Vernetzung ihrer Streitkräfte. Rheinmetall und OHB prüfen offenbar eine gemeinsame Bewerbung für das Milliardenprojekt, das als deutsche Alternative zu Starlink konzipiert ist.

Rheinmetall und der Bremer Raumfahrtkonzern OHB führen Gespräche über eine mögliche Kooperation bei einem geplanten Satellitensystem für die Bundeswehr, wie die Financial Times und das Handelsblatt berichten. Die Verhandlungen befinden sich demnach in einem frühen Stadium.

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Ausschreibung möglicherweise im Februar

Das Projekt könnte einen Wert von bis zu zehn Milliarden Euro erreichen. Laut Handelsblatt ist eine Ausschreibung bereits im Februar möglich, auch Airbus gilt als potenzieller Bewerber. Das Verteidigungsministerium äußerte sich nicht zu Details und verwies auf die übliche Praxis, Beschaffungsvorhaben erst nach parlamentarischer Befassung zu kommunizieren.

Ziel sei aber laut Medienberichten der Aufbau einer Satelliteninfrastruktur bis 2029, die militärische Einheiten wie Panzer, Schiffe und Soldaten miteinander vernetzt.

Für Rheinmetall fügt sich das Vorhaben in die strategische Planung ein. Der Konzern hat angekündigt, künftig acht bis zehn Milliarden Euro aus dem Digitalisierungsbereich zu erwirtschaften, zu dem auch Satellitentechnologie gehört. Aktuell besteht bereits eine Partnerschaft mit dem finnischen Satellitenhersteller Iceye. Mit OHB könnte eine vergleichbare Zusammenarbeit entstehen.

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Parallel positioniert sich Airbus: Der Konzern hat Ende 2025 mit Thales und Leonardo die Zusammenlegung ihrer Satellitensparten bis 2027 vereinbart. Leonardo wiederum kooperiert mit Rheinmetall im Panzerbereich.

“Fliegende Fritzboxen im All”

Generalmajor Armin Fleischmann, verantwortlich für den Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, erläuterte gegenüber dem Handelsblatt das Konzept. Er sprach von “fliegenden Fritzboxen im All”, eine Umschreibung für technisch überschaubare, aber hochsichere Systeme mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die Waffensysteme, Sensoren und Kommandostellen in Echtzeit verbinden.

Der geografische Schwerpunkt liege auf der NATO-Ostflanke. Fleischmann verwies auf Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg: Moderne Aufklärung erkenne Truppenbewegungen und Angriffe binnen Minuten. Ohne eigene satellitengestützte Kapazitäten büße die Bundeswehr im Konfliktfall Reaktionsgeschwindigkeit ein.

Bei der Umsetzung setzt Fleischmann auf heimische Unternehmen und Start-ups. Er betonte deutsche Stärken im Maschinenbau. Das System soll zudem die Interoperabilität mit NATO-Partnern gewährleisten.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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