Primärspeicher – zwischen All-Flash und hybrid

Primary-Storage bleibt das Herz der Datenspeicherung vom Rechenzentrum bis zum Netzwerkrand, wenn es um geringe Latenz und hohe IO-Zugriffsraten geht. Dabei müssen Unternehmen nicht nur zwischen hybriden und All-Flash-Systemen entscheiden. Je nach Anforderung bekommen die An- und Verbindung der Systeme größere Relevanz. Eine kurze Übersicht.

Primary-Storage bleibt das Herz der Datenspeicherung vom Rechenzentrum bis zum Netzwerkrand, wenn es um geringe Latenz und hohe IO-Zugriffsraten geht - hybrid oder All-Flash (via Canva Pro).

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Primärspeicher umfasst Anbieter, die dedizierte Produkte oder Produktlinien für Solid-State-Arrays (SSAs) oder Hybrid-Speicher-Arrays (oder beides) und Software-defined-Storage-Software (SDS) anbieten. Wobei SDS auf handelsüblicher Standard-Hardware vor Ort oder in der öffentlichen Cloud ausgeführt werden kann.

Dabei sieht es für die Zukunft des Primärspeichers gar nicht so rosig aus, folgt man dem »2021 Magic Quadrant for Primary Storage« der Analysten von Gartner. Bis 2025 sollen mehr als 40 Prozent der lokalen IT-Speicher durch Managed-Storage-as-a-Service ersetzt werden. Mehr als 70 Prozent der Enterprise-Speicherkapazität werden demnach als verbrauchsbasierte Angebote bereitgestellt, was einer Steigerung von knapp 40 Prozent im Jahr 2021 entspricht. Der Anteil von NVMe-oF (Nonvolatile Memory Express over Fabrics) soll bis 2025 rund 30 Prozent des Primärspeichers ausmachen.

Flash und AFA treiben den Markt

Die Gartner-Kollegen von IDC sahen den gesamten Primärspeicher-Markt aber bis Mitte des Jahres noch im Wachstum, mit Unterschieden. Flash erwies sich als starker Wachstumstreiber im EMEA-Speichermarkt, wobei das AFA-Segment (All-Flash-Arrays) ein gesundes Wachstum von 7,8 Prozent im Jahresvergleich verzeichnete und fast 45 Prozent der neu verkauften Systeme verbuchte. Hybride Flash-Arrays wuchsen um 2,2 Prozent und sind insgesamt im Markt mit nun 37 Prozent immer noch stark vertreten. Der Absatz reiner HDD-Arrays ging um 4,4 Prozent zurück.

»Da zur Sicherstellung der Geschäftskontinuität in den meisten EMEA-Volkswirtschaften Kontingenz nicht länger Priorität hat, konzentrieren Unternehmen ihre Investitionen in die Infrastruktur neu, um die steigenden Anforderungen an Skalierbarkeit, Zugriff auf Daten in Echtzeit und die Edge-to-Cloud-Bereitstellungen zu unterstützen«, kommentiert Silvia Cosso, Associate Research Director, Storage Systems bei IDC Western Europe. »Vor diesem Hintergrund vergrößern NVMe, Flash, Hyperkonvergenz und Software-definierte Architekturen ihre Präsenz in europäischen Rechenzentren stetig, was durch die zunehmende Einführung von OPEX-basierten Verbrauchsmodellen verstärkt wird.«

Performance-Spezialist für native Speicherdienste

Der Hauptzweck eines primären Speicherprodukts besteht darin, Reaktionszeiten und IOPS-sensitive strukturierte Daten-Workloads zu unterstützen. Typische Anwendungsfälle umfassen also nach wie vor geschäftskritische Workloads wie IBM DB2, Microsoft SQL, Exchange und SharePoint, Oracle-Datenbanken und -Anwendungen, SAP HANA und intern entwickelte Transaktions-Anwendungen. Weitere Szenarien sind die Anwendungskonsolidierung, die Unterstützung virtueller Umgebungen, die Bereitstellung von persistentem Speicher für Container-Umgebungen und der Cloud-IT-Betrieb.

Zu den Kernfunktionen der Produkte im Primärspeichermarkt gehört die Unterstützung für native Datendienste, die die Kapazitätsauslastung schonen, vor Datenverlust schützen und die Wiederherstellung durch lokale und Remote-Replikation verbessern. Die Architektur kann da für Scale-up- oder Scale-out-Modelle konzipiert sein. Ersteres skaliert durch horizontale Erweiterung in einem Stack, zweites durch Ergänzung weiterer Systeme.

Zu den zusätzlichen primären Speicherfunktionen gehören SDS-Dienste für lokale Speicher- oder Cloud-Plattformen, das in branchenübliche Server-Hardware oder spezialisierte proprietäre Hardware als skalierbare, disaggregierte Rechen- und Speicherarchitektur integriert ist.

Schnittstellen- und Protokollwandel

Künstliche Intelligenz für den IT-Betrieb (AIOps)-Funktionen für betriebliche Anforderungen, wie Kostenoptimierung und Kapazitätsmanagement, proaktiver Support, Workload-Simulation und -Platzierung, prognostizierte Wachstumsraten und/oder Asset-Management-Strategien.

Block-basierte Host-Schnittstellen wie Fibre-Channel (FC) und SCSI oder dateibasiert wie NFS (Network File System) und SMB (Server Message Block) oder eine Kombination aus Block-and-File-Protokollen werden genutzt.

Neue Maßstäbe für FC-Geschwindigkeiten bieten dabei nicht nur neue NVMe-oF-Speicher. Im zweiten Halbjahr haben nahezu alle relevanten Hersteller ihre Unterstützung für NVMe/TCP angekündigt. Dies schafft nicht die volle Geschwindigkeit einer Fibre-Fabric, nutzt jedoch TCP über herkömmliche Ethernet-Verbindungen zum Host, was einer deutlichen Kosteneinsparung gleichkommt.

Auch Intel Optane-Speicher ist eine kommende Beschleunigungslösung für Plattformen, die zwischen dem Prozessor und langsameren Datenspeichern (SATA-HDD, SSHD, SSD) installiert ist, wodurch der Computer in der Lage ist, häufig verwendete Daten und Programme näher am Prozessor zu speichern.

Magic Quadrant 2021: Markt und Anbieter

Gartner Magic Quadrant für Primärspeicher 2021 (Grafik: Gartner)Gartner Magic Quadrant für Primärspeicher 2021 (Grafik: Gartner)

Viel Bewegung gibt es im besagten »2021 Magic Quadrant for Primary Storage« der Marktforscher von Gartner nicht. Von den 13 geführte Anbietern befinden sich acht im Leader-Quadranten. Es sind dieselben wie im Jahr zuvor. Oracle wurde von den Analysten nicht mehr berücksichtigt. Mit Zadara gibt es einen Neuzugang. Fujitsu wird vom Herausforderer zum Nischenplayer.

Die Prognosen wurden bereits genannt. Nützlich würde uns erscheinen, wenn die Analysten eine konsistente Terminologie und Prognosezeiträume verwenden würden, um Vergleiche anstellen zu können. Das tun sie aber teilweise nicht. Jedenfalls lautete die Aussage im Report 2020, dass »bis 2025 mehr als 50 Prozent der Unternehmen auf Betriebskosten (Opex) basierende Speicherverbrauchs-Modelle übergehen« und »bis 2023 mindestens 20 Prozent der Unternehmen Cloud-Speicherverwaltungs-Tools nutzen, um lokale Speicherplattformen direkt in die öffentliche Cloud für Backup- und Disaster Recovery-Anwendungsfälle zu integrieren«. Inwiefern »SaaS« und »verbrauchsbasierte Angebote« (Report 2021) nun mit »Opex-Modellen« und »Cloud« (Report 2020) abgleichbar sind, bleibt etwas nebulös.

Der Magic Quadrant wird wie immer durch Achsen mit den Bezeichnungen »Ability to Execute« und »Completeness of Vision« definiert und in vier Quadrate mit den Tags »Visionaries«, »Niche Players«, »Challengers« und »Leaders« unterteilt.

Neben On-premises Hardware berücksichtigen die Analysten auch Hybrid-Cloud-IT-Betriebsmodelle, künstliche Intelligenz für den IT-Betrieb (AIOps), Software-definierten Speicher (als Array) sowie As-a-Service-/Abonnement-Verbrauchsmodelle als Merkmale des Array-Marktes für Primärspeicher.

Pure Storage hat die Nase vorn

Im Quadranten der Marktführer 2021 sind wie im Vorjahr Hitachi Vantara, Infinidat, Huawei, IBM, Dell, HPE, NetApp und Pure Storage. Innerhalb des Quadranten hat Pure als absoluter Führer seinen Vorsprung leicht ausgebaut. Infinidat hat sich leicht verbessert, Hitachi Vantara im Vergleich zum Wettbewerb leicht verschlechtert. Huawei ist bei der »Ability To Execute« an IBM vorbeigezogen, liegt aber bei der »Completeness of Vision« hinter Big Blue zurück.

Im Segment der Herausforderer bleiben Lenovo, DDN und Inspur. Fujitsu, zuvor ebenfalls Herausforderer, wird heute nur noch als Nischenplayer eingestuft. Vermutlich, weil man sich vom nordamerikanischen Markt zurückgezogen hat. Oracle erfüllt nicht mehr die von Gartner geforderten Kategorien und ist aus dem Magic Quadranten verschwunden. Das Unternehmen agiert zunehmend Cloud-fokussiert.

Kaum Raum für Newcomer

Dies sind alles bekannte Anbieter. Im Nischen-Quadranten befindet sich als einziger Neuzugang der Managed-Storage-Dienstleister Zadara. Das Unternehmen bietet im Rahmen seines zStorage-Angebots die Primärspeicher-Lösung Zadara Virtual Private Storage Array (VPSA) für Block und File. Zadara-Produkte sind vollständig Software-definiert und über ein OpEx-Verbrauchs-Programm verfügbar. Die primäre Zielgruppe des Unternehmens sind Managed-Hosting-Service-Provider. Somit bietet es eine vollständig verwaltete Lösung für Partner und Unternehmenskunden.

Wie im Vorjahr wird kein Anbieter im Viertel für Visionäre geführt, das Segment der Challenger ist karg besetzt. Zu schnell haben die etablierten Anbieter Technologien wie NVMe-oF integriert, die Akzeptanz in der Variante NVMe/TCP wächst ebenso rasant. Quasi alle Anbieter unterstützen eine hybride On-Premises/Public-Cloud-Fähigkeiten, verwenden Container-Technologie mit Kubernetes CSI-Plugins und bieten Abo-Modelle.

Der belieteste All-Flash-Anbieter

Der Raum für Newcomer ist dementsprechend eng. Anbieter wie unter anderem VAST Data und Pavillion Data laufen deshalb unter dem Gartner-Radar. Von Kunden-Perspektive aus hat das Portal für Anwender-Feedback, IT Central Station den Markt für All-Flash-Speicher-Arrays betrachtet. Auch hier keine überraschenden Namen: Beliebtester All-Flash-Anbieter ist demnach Pure vor HPE und Netapp.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Herstellern auch im deutschen Raum, ob All-Flash oder hybrid. Korrekt müsse man sie eher als System-Builder oder Assemblierer bezeichnen. Deutsche Anbieter wie EUROstor, N-Tec, Starline Computer oder Thomas-Krenn fallen unter den Radar der weltweiten Analysten, fallen unter den Radar der weltweiten Analysten, obwohl ihre Lösungen speziell die Anforderungen des deutschen Mittelstands sehr passgenau erfüllen.

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