Beim Kölner Übersetzungsdienst fällt rund ein Viertel der Arbeitsplätze weg. Begründet wird das mit einer Neuausrichtung als „AI-native“-Unternehmen.
Etwa 250 Beschäftigte verlieren ihren Job bei DeepL. Bei einer Gesamtbelegschaft von gut 1.000 Mitarbeitenden bedeutet das eine Kürzung um rund 25 Prozent. Bekanntgegeben hat den Schritt Gründer und CEO Jarek Kutylowski in einem Beitrag auf LinkedIn. Es sei die schwierigste Entscheidung seiner Karriere, schreibt er dort.
Der Stellenabbau ist Teil eines tiefgreifenden Umbaus. Künstliche Intelligenz soll bei DeepL nicht mehr nur im Produkt stecken, sondern in sämtlichen Abläufen des Unternehmens. Kutylowski spricht von flacheren Hierarchien und schnelleren Entscheidungen. Routineaufgaben sollen künftig Maschinen erledigen, während kleinere Teams das übernehmen, was er auf menschliche Stärken wie Intuition und Kreativität reduziert.
Founder Mode für die Neuausrichtung
Den Übergang will der CEO selbst eng begleiten. Kutylowski kündigt an, in einen „Founder Mode“ zu wechseln und eine kleine Taskforce zu leiten. Diese soll grundsätzlich überdenken, wie das Unternehmen Produkte entwickelt und Kunden gewinnt.
Gleichzeitig wächst DeepL an einer anderen Stelle. Mit der Übernahme des Teams von Mixhalo, einem US-Spezialisten für Audio-Streaming-Technologie, entsteht ein neuer Standort in San Francisco. Im Mittelpunkt steht dort die Entwicklung einer Echtzeit-Sprachübersetzung.

DeepL wurde 2017 in Köln gegründet und tritt seither gegen Google Translate an. Eine Finanzierungsrunde im Jahr 2024 brachte dem Unternehmen 300 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von rund zwei Milliarden Dollar ein. Berichten zufolge liegen die jährlich wiederkehrenden Umsätze inzwischen bei rund 300 Millionen Euro. Zu den über 10.000 zahlenden Kunden zählen 75 Prozent der Dax-40-Konzerne.
DeepL ist nicht allein
Druck bekommt DeepL inzwischen vor allem von generalistischen Sprachmodellen. Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini übernehmen alltägliche Übersetzungen oft nebenbei und machen spezialisierte Anbieter angreifbar. Im Geschäftskundensegment, wo Anbindungen an Salesforce, Zendesk oder Microsoft Teams gefragt sind, bleibt DeepL stabil aufgestellt. Im Privatkundenbereich dagegen scheint das Wachstum zu schwächeln.
Die Begründung für den Stellenabbau ist in der Branche zur Schablone geworden. Coinbase verkündete vor wenigen Tagen die Kürzung von etwa 14 Prozent seiner Belegschaft, ebenfalls mit Verweis auf den Umbau zu einer „AI-native“-Organisation. Snap, der Snapchat-Konzern, baute bereits im Vormonat 16 Prozent seiner Stellen ab. Auch Meta und Oracle haben tausende Mitarbeitende gehen lassen, um Geld für KI-Vorhaben freizusetzen.