Anthropic führt „Dreaming“ für Claude Agents ein. Die Speicherfunktion analysiert Arbeitsabläufe, erkennt Muster und verdoppelt Nutzungslimits für Abonnenten.
Auf der Entwicklerkonferenz „Code with Claude“ hat das KI-Unternehmen Anthropic eine technologische Neuerung für seine Plattform vorgestellt: das sogenannte „Dreaming“. Dabei handelt es sich nicht um einen biologischen Prozess, sondern um ein automatisiertes Verfahren zur Speicheroptimierung für „Managed Agents“. Diese Funktion soll es künstlichen Intelligenzen ermöglichen, vergangene Ereignisse systematisch aufzubereiten und relevante Informationen für zukünftige Aufgaben zu sichern. Parallel dazu reagiert Anthropic auf die hohe Auslastung seiner Rechenkapazitäten und verdoppelt die Nutzungslimits für professionelle Abonnenten.
Systematische Mustererkennung durch „Dreaming“
Die Funktion „Dreaming“ befindet sich derzeit in einer Research-Preview-Phase und ist exklusiv für Managed Agents auf der Claude-Plattform zugänglich. Anthropic beschreibt das Verfahren als einen geplanten Prozess, bei dem die KI vergangene Sitzungen und Speicherinhalte überprüft. In diesem „Traumzustand“ identifiziert die Software spezifische Muster, die für einen einzelnen Agenten während der aktiven Bearbeitung einer Aufgabe oft nicht erkennbar sind.
Zu diesen Mustern gehören laut Entwicklerangaben wiederkehrende Fehler, Arbeitsabläufe, auf die sich verschiedene Agenten im Team geeinigt haben, sowie geteilte Präferenzen innerhalb einer Projektstruktur. Das Ziel ist eine Neustrukturierung des Speichers, um das „Signal-Rausch-Verhältnis“ hochzuhalten. Informationen, die für den langfristigen Erfolg eines Projekts entscheidend sind, werden kuratiert und dauerhaft im Gedächtnis des Agenten-Harnischs abgelegt. Nutzer können dabei wählen, ob dieser Prozess vollständig automatisch ablaufen soll oder ob sie die vorgeschlagenen Änderungen am Gedächtnis der KI manuell überprüfen möchten.
Abgrenzung zur herkömmlichen Kontext-Kompaktierung
In der Welt der Large Language Models (LLMs) stellt das begrenzte Kontextfenster eine technische Hürde dar. Bisher nutzen viele Modelle ein Verfahren namens „Compaction“ (Kompaktierung). Hierbei werden lange Konversationen periodisch analysiert, um irrelevante Daten zu entfernen und nur den Kern der Unterhaltung im aktiven Speicher zu behalten.
„Dreaming“ geht jedoch über diese einfache Reinigung hinaus. Während die Kompaktierung meist auf eine einzelne Konversation mit einem einzelnen Agenten beschränkt ist, arbeitet Dreaming periodisch über verschiedene Sitzungen und Agenten-Instanzen hinweg. Dies ist insbesondere für komplexe Multi-Agenten-Orchestrierungen von Bedeutung, bei denen mehrere spezialisierte KIs über Stunden oder Tage an einem gemeinsamen Endziel arbeiten. Informationen, die in einer frühen Phase des Projekts von Agent A gelernt wurden, können so durch den „Traum-Prozess“ für Agent B in einer späteren Phase nutzbar gemacht werden.
Claude Agents übernehmen Koordination der Rechenleistung
Bei den Managed Agents handelt es sich um eine höherwertige Alternative zur direkten Nutzung der Messages API. Anthropic definiert sie als einen vorkonfigurierten, verwalteten Agenten-Rahmen („Managed Infrastructure“), der speziell für langlaufende Projekte entwickelt wurde. Entwickler müssen die Infrastruktur für die Ausführung der Agenten nicht mehr selbst bereitstellen oder verwalten; stattdessen übernimmt die Claude-Plattform die Koordination und Skalierung der Rechenleistung.
Diese Infrastruktur ist darauf ausgelegt, Aufgaben zu bewältigen, die über mehrere Stunden hinweg eine kontinuierliche Interaktion erfordern. „Dreaming“ fungiert hierbei als notwendige Wartungsinstanz, um sicherzustellen, dass die Agenten trotz der langen Laufzeit nicht den Fokus auf die ursprünglichen Zielvorgaben verlieren oder durch veraltete Informationen ineffizient werden.
Verdopplung der Nutzungslimits für Pro- und Max-Abonnenten
Zusätzlich zu den funktionalen Neuerungen gab Anthropic bekannt, die Nutzungslimits für Abonnenten der Pläne „Claude Pro“ und „Claude Max“ signifikant zu erhöhen. Die bisherigen 5-Stunden-Limits werden verdoppelt. Diese Entscheidung folgt auf anhaltende Frustrationen in der Nutzerbasis, da die Recheninfrastruktur des Unternehmens in den vergangenen Monaten Schwierigkeiten hatte, mit der rasant steigenden Nachfrage Schritt zu halten.
Die Verdopplung der Limits soll sicherstellen, dass Entwickler und Unternehmen, die auf Claude Code und die damit verbundenen Agenten-Workflows setzen, ihre Projekte ohne häufige Unterbrechungen durch Kapazitätsengpässe vorantreiben können. Anthropic betont, dass die Optimierung der Recheneffizienz unter anderem durch Funktionen wie „Dreaming“ dazu beigetragen hat, diese Kapazitätserweiterung zu ermöglichen.
Fortschritte bei Orchestrierung und Zielvorgaben
Neben der Einführung von „Dreaming“ wurden zwei weitere Funktionen aus der Forschungsphase in eine breitere Verfügbarkeit überführt: „Outcomes“ (Ergebnisse) und „Multi-Agent Orchestration“. „Outcomes“ erlaubt es Entwicklern, spezifische Erfolgskriterien für Agenten-Aufgaben zu definieren, an denen die KI ihre Leistung selbstständig messen kann.
Die Multi-Agenten-Orchestrierung ermöglicht die nahtlose Zusammenarbeit verschiedener spezialisierter Instanzen. Diese Funktionen sind nun für einen größeren Kreis von Entwicklern zugänglich. Der Zugriff auf die neue „Dreaming“-Funktion bleibt hingegen zunächst auf Anfrage und für ausgewählte Teilnehmer der Research-Preview beschränkt.