Die WAIC 2026 in Shanghai markiert den Start der weltweiten KI-Organisation WAICO. China treibt die Verknüpfung von KI-Agenten und Hardware voran.
Vom 17. bis 20. Juli 2026 findet in Shanghai die World Artificial Intelligence Conference und das High-Level Meeting on Global AI Governance statt. Auf der diesjährigen Fachmesse zeichnet sich ein deutlicher technologischer Wandel ab. Während in den vergangenen drei Jahren primär die Leistungsfähigkeit von reinen Sprachmodellen und Chatbots im Vordergrund stand, liegt der Schwerpunkt nun auf autonomen Systemen, also KI-Agenten. Diese Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie Aufgaben eigenständig planen, logisch begründen und mehrstufige Prozesse mit minimaler menschlicher Interaktion ausführen können.
Die chinesische Industrie demonstriert diese Fähigkeiten durch die Integration von Künstlicher Intelligenz in physische Hardware und Robotik. Gezeigt werden humanoide Roboter, die für praktische Arbeiten optimiert sind, wie das Sortieren von Paketen in der Logistik, das Zusammenstellen von Lebensmitteln, das Falten von Textilien oder den Einsatz im Sportbereich, beispielsweise beim Tischtennis.
Wolfram Burgard von der Technischen Universität Nürnberg, der als deutscher Experte für Robotik und Künstliche Intelligenz die Entwicklungen vor Ort analysiert, bestätigte gegenüber Tagesschau das kontinuierliche Wachstum der Branche: „Jedes Mal, wenn man hier ist, sind die ein Stück weiter. Letztes Jahr, als ich im August hier war, konnte man diese Roboter entweder nur herumlaufen sehen – oder sie waren am Boden festgeschraubt.“
Offizielle Gründung der Weltorganisation durch 29 Staaten
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping eröffnete die viertägige Konferenz im Shanghai Grand Halls und hielt eine Grundsatzrede. In seiner Ansprache plädierte er dafür, die globale Zusammenarbeit im Bereich Open-Source zu stärken, wies jedoch gleichzeitig auf die Notwendigkeit hin, internationale Standards und Sicherheitsvorkehrungen zu vereinbaren. Xi Jinping erklärte dazu wörtlich:
„Wir sollten uns beeilen, einen globalen Ordnungsrahmen zu etablieren, der auf einem breiten Konsens beruht, damit diese Zukunftstechnologie einen großen Nutzen für den Menschen hat.“
Xi Jinping, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping
Als konkretes Ergebnis der Konferenz wurde das Abkommen zur Gründung der World Artificial Intelligence Cooperation Organization unterzeichnet. Die WAICO ist die weltweit erste intergovernmental, also zwischenstaatliche internationale Organisation, die sich explizit der Regulierung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz widmet. Der Hauptsitz der neuen Institution befindet sich in Shanghai. Das Gründungsdokument wurde von Vertretern aus 29 Ländern unterzeichnet, darunter elf Mitgliedsstaaten der Shanghai Cooperation Organisation wie Weißrussland, Kambodscha, Kasachstan, China, Kirgisistan, Laos, Myanmar, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan. Zu den internationalen Gästen gehörten unter anderem der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew, der frühere Premierminister und heutige kambodschanische Präsident des Senats Hun Sen, Thailands stellvertretender Premierminister Anutin Charnvirakul sowie der UN-Generalsekretär António Guterres.
Politische Zielsetzungen und geopolitische Einflüsse
Die Weiterentwicklung dieser Schlüsseltechnologien ist fester Bestandteil der chinesischen Industriestrategie. Die Regierung verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2030 Künstliche Intelligenz in 90 Prozent aller inländischen Wirtschaftsanwendungen zu integrieren. Damit sollen auch wirtschaftliche Schwächen in traditionellen Sektoren wie dem Immobilienmarkt ausgeglichen werden. Um die eigenen Standards international zu verankern, bietet Peking den Partnerstaaten der neuen Organisation gezielte Unterstützung an. China hat angekündigt, in den kommenden fünf Jahren 5.000 Plätze für internationale Austauschprogramme bereitzustellen und dedizierte Kooperationszentren mit Partnern aus der Arabischen Liga, der Afrikanischen Union sowie den BRICS-Staaten aufzubauen.
Antonia Hmaidi vom Mercator Institut für China-Studien (auch via Tagesschau) wies auf den strategischen Vorteil hin, den Chinas Fokus auf die schnelle Skalierung von Systemen mit sich bringt:„Wenn Künstliche Intelligenz zu einer Technologie wird, wo wir nicht mehr diese extrem krassen Sprünge sehen und wo es stattdessen darum geht: Wie schnell kann man das ausrollen? Dann könnte es sehr, sehr gut sein, dass China da die Nase vorn hat.“
Parallel zur wirtschaftlichen und internationalen Nutzung wird Künstliche Intelligenz innerhalb Chinas weiterhin als Instrument der staatlichen Überwachung und zur gesellschaftlichen Kontrolle eingesetzt, um die politische Führungsrolle der Kommunistischen Partei Chinas abzusichern.
(red)