Dringende Modernisierung notwendig

SAP-Probleme bei der Bundeswehr

Bundeswehr
Bildquelle: Filmbildfabrik/Shutterstock.com

Die Bundeswehr kämpft mit der Einführung eines neuen IT-Systems. Die SAP-Software funktioniert nicht wie geplant – mit potenziell gravierenden Folgen für die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe.

Die Bundeswehr steht vor einem kritischen IT-Problem: Das zentrale Logistiksystem SASPF, das auf SAP-Software basiert, muss dringend modernisiert werden. Doch die geplante Migration auf die neue SAP-Plattform S/4HANA gestaltet sich problematisch. Wie aus internen Dokumenten hervorgeht, die der ZEIT vorliegen, ist das Update bereits mehrfach bei Abnahmetests durchgefallen.

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Verzögerungen gefährden Einsatzbereitschaft

Ursprünglich sollte das neue System im Oktober 2025 in Betrieb gehen. Dieser Termin wurde nun um mindestens ein halbes Jahr verschoben. Interne Schreiben aus dem Verteidigungsministerium sprechen von “abnahmeverhindernden Problemen”, die zum Absagen des “Go-live”-Termins führten. Eine Einführung ist nun frühestens für Oktober 2026 vorgesehen, weitere Verzögerungen nicht ausgeschlossen.

Das SASPF-System ist das digitale Rückgrat der Bundeswehr und steuert zentrale Prozesse: Lagerverwaltung von Ersatzteilen, Wartungsdokumentation, Personal- und Rüstungsplanung. Besonders kritisch wird die Situation für die Alarmrotten der Luftwaffe, die an den Stützpunkten Wittmund, Nordfriesland und Neuburg an der Donau stationiert sind. Diese Einheiten müssen binnen Minuten einsatzbereit sein, um fremde Kampfjets abzufangen, die in den deutschen Luftraum eindringen.

SAP stellt Wartung der alten Version ein

Die Migration ist auch deshalb dringend, weil SAP die reguläre Wartung der aktuellen Technik ab 2027 einstellen wird. Die neue S/4HANA-Plattform soll große Datenmengen schneller verarbeiten, Lagebilder in Echtzeit berechnen und mithilfe künstlicher Intelligenz zukünftige Bedarfe vorhersagen können.

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Hochrangige Beamte und Militärs warnen in internen Dokumenten jedoch vor den Konsequenzen einer fehlerhaften Systemeinführung. Im schlimmsten Fall könnten Alarmrotten im Ernstfall am Boden bleiben müssen, weil die logistische Infrastruktur nicht funktioniert. Bei der Truppe herrscht Frustration über die anhaltenden Probleme. Intern heißt es diplomatisch, der Zeitaufschub gebe “die Gelegenheit, die Funktionalität des Systems zu verbessern” und eine “adäquate Systemperformance zu erreichen”.

Lars

Becker

Redakteur

IT Verlag GmbH

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