Ein Cyberangriff kann für Industrieunternehmen massive wirtschaftliche Folgen haben. Das zeigt der Fall von Jaguar Land Rover (JLR): Nach dem Angriff Anfang September 2025 sind die weltweiten Großhandelsauslieferungen des Autobauers im dritten Quartal um 43,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen.
Konkret setzte JLR im dritten Quartal 59.200 Fahrzeuge ab (ohne das China-Joint-Venture Chery Jaguar Land Rover). Gegenüber dem Vorquartal entspricht das einem Minus von 10,6 Prozent. Ursache sind Produktionsausfälle und anhaltende Störungen in der Logistik infolge des Angriffs. Die Fertigung lief erst ab Mitte November wieder auf Normalniveau, nachdem sie zuvor nur schrittweise hochgefahren werden konnte.
Produktionsstopp und verzögerte Auslieferung
Der Angriff vom 2. September zwang JLR, Werke zeitweise stillzulegen und Beschäftigte nach Hause zu schicken. Zwar wurde die Produktion später wieder aufgenommen, doch die weltweite Verteilung der Fahrzeuge blieb verzögert. Entsprechend sanken die Auslieferungen sowohl im Quartals- als auch im Jahresvergleich.
Zusätzlich belasteten US-Zölle sowie die geplante Einstellung älterer Jaguar-Modelle vor dem angekündigten Marken-Neustart das Geschäft.
Starke Einbrüche in den Kernmärkten
Besonders stark traf es Nordamerika, wo die Großhandelsauslieferungen um 64 Prozent zurückgingen. In Europa betrug das Minus 48 Prozent, in China 46 Prozent. Vergleichsweise glimpflich verlief das Quartal im britischen Heimatmarkt, wo JLR lediglich einen Rückgang von 0,9 Prozent meldete.
Millionenschaden und politische Folgen
Bereits im November bezifferte JLR die direkten Kosten des Cyberangriffs für das Quartal auf 196 Millionen Pfund (rund 220 Millionen US-Dollar). Auch die Bank of England verwies in diesem Zusammenhang auf den Vorfall und nannte ihn als einen Faktor für das schwächer als erwartete britische Wirtschaftswachstum im dritten Quartal 2025.
Später bestätigte der Autobauer zudem, dass Daten abgeflossen sind. Zu dem Angriff bekannte sich eine Gruppe unter dem Namen „Scattered Lapsus$ Hunters“, die Akteure aus den Cybercrime-Gruppen Lapsus$, Scattered Spider und ShinyHunters vereint.
Die anhaltenden Störungen setzten auch Zulieferer unter Druck, teils mit erheblichen Liquiditätsproblemen. Am 29. September reagierte die britische Regierung mit einer Kreditgarantie über 1,5 Milliarden Pfund, um Lieferketten zu stabilisieren und den Wiederanlauf der Produktion zu sichern.
Der zu Tata Motors gehörende Autobauer beschäftigt weltweit mehr als 39.000 Menschen, erzielt einen Jahresumsatz von über 38 Milliarden US-Dollar und produziert rund 400.000 Fahrzeuge pro Jahr. Die vollständigen Quartalszahlen will Jaguar Land Rover im Februar 2026 vorlegen.