Unternehmen können E-Mails, Kontakte und Kalender aus Microsoft 365 nun in sechs Schritten zu Proton übertragen. Voraussetzung sind Admin-Rechte.
Der Schweizer Anbieter Proton hat sein Migrationswerkzeug Easy Switch for Business auf Microsoft 365 erweitert. Unternehmen können damit E-Mails, Kontakte und Kalendereinträge der gesamten Organisation aus Microsoft 365 zu Proton übertragen. Für Google Workspace war das bereits möglich.
Sechs Schritte, parallel laufende Systeme
Die Migration erfolgt in sechs geführten Schritten. Während der Übertragung laufen beide Systeme parallel, sodass Beschäftigte laut Proton ohne Ausfallzeit weiterarbeiten können.
Nutzen kann Easy Switch nur, wer sowohl Administrator bei Proton als auch bei Microsoft 365 ist. Standard-Benutzerkonten fehlen die nötigen Berechtigungen. Zudem muss das Microsoft-365-Konto in der Cloud gehostet sein, und die Organisation braucht Zugriff auf ihren Domain-Anbieter.
Sorge vor einem „Kill Switch“
Proton stellt die Erweiterung in den Zusammenhang mit der Debatte um die Abhängigkeit Europas von US-Technologie. In einer Proton-Umfrage unter 1.500 europäischen Führungskräften aus dem Jahr 2026 gaben 74 Prozent an, zu befürchten, dass ein US-„Kill Switch“ ihren Betrieb stören könnte. Gemeint ist ein Szenario, in dem die US-Regierung amerikanische Unternehmen anweist, ihre Dienste für Nutzer im Ausland einzustellen.
Im Juni 2026 hatte Anthropic den Zugang zu seinen Modellen Fable 5 und Mythos 5 ausgesetzt, um Exportkontrollen des US-Handelsministeriums nachzukommen. Das Ministerium hob die Kontrollen am 30. Juni auf, seit dem 1. Juli sind die Modelle wieder verfügbar.
Hinzu kommen Bedenken wegen US-Gesetzen wie dem Cloud Act, der amerikanische Unternehmen verpflichten kann, angeforderte Daten an Strafverfolgungsbehörden herauszugeben, unabhängig vom Speicherort. US-Anbieter verweisen darauf, dass solche Anfragen nur unter eng definierten Bedingungen möglich seien und laut ihren Transparenzberichten nur wenige Nutzer betreffen.
Auch Proton arbeitet mit Behörden zusammen
Proton wirbt mit Datenschutz und europäischer digitaler Souveränität. Laut einem Bericht von 404 Media vom März 2026 hatte das Unternehmen den Schweizer Behörden Zahlungsdaten übermittelt, mit denen das FBI die Person hinter einem anonymen Konto aus dem Umfeld der Protestbewegung Stop Cop City in Atlanta identifizierte. Das FBI hatte die Daten über ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz erhalten.
(red)