Laut einer Studie von GlobalData wird physische KI ab 2027 die Robotik grundlegend verändern, angetrieben von günstigerer Hardware und reifenden Sprachmodellen.
Das Marktforschungsunternehmen GlobalData sieht in physischer KI einen grundlegenden Wandel für die Robotikbranche. Laut dem aktuellen Strategic-Intelligence-Bericht „Physical AI“ des Unternehmens verschiebt sich damit der Fokus von Maschinen, die starren Befehlen folgen, hin zu verkörperten Systemen, die selbstständig wahrnehmen, urteilen und handeln.
Physische KI ist laut GlobalData keine einzelne Technologie, sondern die Verschmelzung mehrerer Technologiefelder: Internet der Dinge, generative KI, agentenbasierte KI, maschinelles Lernen, Weltmodelle sowie Vision-Language- und Vision-Language-Action-Modelle. Der Bericht beschreibt einen vierstufigen, fortlaufenden Kreislauf aus Wahrnehmung, Schlussfolgerung im jeweiligen Kontext, Lernen und Handeln. Dieser Wahrnehmungs-Handlungs-Kreislauf arbeite mit lokalen Rückkopplungsschleifen und iterativer Anpassung, nutze aber kein rekursives Lernen, wie es zuletzt in anderem Zusammenhang diskutiert wurde.
Kommerzialisierung seit 2026, Beschleunigung ab 2027
Nach Angaben von GlobalData begann die kommerzielle Nutzung physischer KI im Jahr 2026 in Branchen wie diskreter Fertigung, Gesundheitswesen, Bergbau, Energie und Transport. Ab 2027 soll sich diese Entwicklung beschleunigen, da die Kosten für präzise Greif- und Bewegungstechnik sowie für Edge-Computing-Hardware sinken und Sprachmodelle weiter ausreifen. Anwendungsfelder sind demnach Roboter, autonome Fahrzeuge, Drohnen und industrielle Systeme.
Wenige Länder dominieren den Wettbewerb
Laut GlobalData konzentrieren sich Forschungsinvestitionen und tatsächlicher Einsatz physischer KI auf wenige Länder: Japan, China, Südkorea, Taiwan, Singapur und die USA. Japan habe umgerechnet 63 Milliarden US-Dollar für fortgeschrittene Robotik und KI zugesagt. Unabhängig davon haben japanische Behörden im Jahr 2026 eine Milliarde Yen, umgerechnet rund 6,1 Milliarden US-Dollar, über fünf Jahre für den KI-Robotik-Konsortium Noetra bewilligt, an dem unter anderem SoftBank und Sony beteiligt sind, sowie eine separate 14-Jahres-Wachstumsstrategie mit einem Gesamtvolumen von 370 Billionen Yen für mehrere Zukunftsbranchen einschließlich physischer KI.
Laut GlobalData hat Nvidia zudem eine Koalition mit zehn Unternehmen und Organisationen mit einschlägiger Robotik-Expertise gebildet. China wiederum koordiniere Förderung und Finanzierung physischer KI zwischen Zentral- und Lokalregierungen; der 15. Fünfjahresplan führt verkörperte Intelligenz als eine von mehreren künftigen Schlüsselindustrien auf. William Rojas, Research Director bei GlobalData, fasst die Lage so zusammen:
„Physische KI wird als kritische nationale Infrastruktur behandelt, nicht als Wissenschaftsprojekt.“
William Rojas, Research Director bei GlobalData
Regulierung bislang ohne eigenes Gesetz
Nach Einschätzung von GlobalData hinkt die Regulierung physischer KI dem technologischen Fortschritt hinterher. Es existiere bislang kein eigenständiges Gesetz für physische KI-Systeme; stattdessen würden bestehende, sich überschneidende Regelwerke auf verkörperte Systeme ausgeweitet. In der Praxis hielten technische Normen diese Regelwerke zusammen, während Haftungsfragen weitgehend ungeklärt blieben. Nilesh Raghoo, Associate Analyst bei GlobalData, weist darauf hin, dass die Regulierung physischer KI je nach Region stark variiert und weltweit kein spezifisches Gesetz existiert. Stattdessen kämen je nach Rechtsraum Maschinenrecht, Produktsicherheitsrecht, Produkthaftungsrecht sowie horizontales KI-Recht gleichzeitig zur Anwendung. Ein Großteil der aktuellen Arbeit bestehe darin, diese unterschiedlichen Regelwerke zu harmonisieren.
(red/GlobalData)