Palo Alto Networks kauft sich gerade quer durch die Observability- und Identitätsbranche. Neu ist laut einem Bericht allerdings, dass zwei der prominentesten Namen der Branche ganz oben auf der Einkaufsliste standen.
Das berichtet das in der Regel gut informierte Magazin The Information. Konzernchef Nikesh Arora treibt die Zukäufe offenbar aus einer bestimmten Überzeugung heraus voran: KI verändert gerade, wie Cyberangriffe ablaufen. Wo früher menschliche Angreifer für komplexe Attacken nötig waren, können das inzwischen automatisierte Agenten übernehmen, oft schneller und in größerem Umfang. Für Unternehmen bedeutet das, dass die permanente Überwachung von Systemen längst nicht mehr nur ein Thema für die IT-Abteilung ist, sondern auf Vorstandsebene gehört.
Dass selbst KI-Anbieter wie Anthropic und OpenAI inzwischen eigene Werkzeuge zur Schwachstellenerkennung entwickeln und öffentlich über Sicherheitstests an eigenen Systemen sprechen (OpenAI etwa auch an Systemen von Hugging Face), wertet der Bericht als weiteres Indiz für den wachsenden Handlungsdruck in der Branche.
Okta stand zur Debatte, scheiterte am Preis
The Information beruft sich auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen und beschreibt eine Gesprächsreihe, die Arora Ende 2024 mit Okta-Chef Todd McKinnon begann. Thema war unter anderem, wie gut sich die Produktportfolios beider Firmen ergänzen würden. Zu einer Einigung kam es trotzdem nicht: Die Preisvorstellungen lagen offenbar zu weit auseinander.
Im Nachhinein hätte ein Zukauf für Palo Alto Networks ohnehin teurer werden können. Okta war Anfang 2025 mit etwa 13,5 Milliarden US-Dollar bewertet, seitdem legte die Aktie um rund 30 Prozent zu. Aktuell steht der Börsenwert bei knapp 23 Milliarden US-Dollar.
Datadog winkte ab
Ähnlich verlief es mit Datadog. Im Frühjahr 2025 soll Arora bei CEO Olivier Pomel die Idee einer Übernahme angesprochen haben, damals bei einer Marktbewertung von über 40 Milliarden US-Dollar. Anders als bei Okta blieb es hier bei einem informellen Vorstoß, ein konkretes Angebot gab es laut Bericht nicht. Pomel zeigte kein Interesse. Mittlerweile hat sich Datadogs Marktkapitalisierung auf über 80 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Eine Übernahme dürfte damit finanziell kaum noch realistisch sein.
Was stattdessen passierte
Statt Okta kaufte Palo Alto Networks im Juli 2025 den auf Identitätssicherheit spezialisierten Anbieter CyberArk, für rund 25 Milliarden US-Dollar eine der größten Übernahmen der Firmengeschichte. Statt Datadog folgte im Januar 2026 der deutlich kleinere Zukauf von Chronosphere, einem Anbieter für Logdaten und Observability, für 3,35 Milliarden US-Dollar.
Wie ernst es dem Unternehmen mit dieser Strategie ist, zeigen die Zahlen: Allein diese beiden Übernahmen sollen laut Unternehmensangaben vom Juni bereits 338 Millionen US-Dollar zum Quartalsumsatz von 3 Milliarden US-Dollar im April-Quartal beigetragen haben.
Als Nächstes im Visier: Cribl und ClickHouse
Laut The Information ist die Einkaufstour damit noch nicht beendet. Als mögliche nächste Ziele werden die Observability-Spezialisten Cribl und ClickHouse gehandelt. Offizielle Angebote gibt es nach aktuellem Stand nicht.
(red)