Das chinesische KI-Unternehmen Moonshot AI verhandelt laut einem Bericht von Reuters mit Microsoft, Amazon und Google über Vereinbarungen zur Umsatzbeteiligung.
Die Umsatzbeteiligung würde den drei US-Cloud-Konzernen erlauben, das Modell Kimi K3 auf ihren jeweiligen Plattformen anzubieten. Ein solcher Deal wäre die erste große Umsatzbeteiligungsvereinbarung zwischen einem chinesischen KI-Unternehmen und einem großen US-Cloud-Anbieter. Nach Angaben von drei mit den Gesprächen vertrauten Personen, die anonym bleiben wollten, fordert das kurz vor einem Börsengang stehende Unternehmen Moonshot bis zu 30 Prozent des Umsatzes, den Microsofts Azure, Amazon Web Services und Google Cloud mit K3-bezogenen Diensten erzielen.
Die Gespräche befinden sich Berichten zufolge noch in einem frühen Stadium, eine Einigung ist nicht garantiert. Ungeklärt sind demnach unter anderem die genaue Aufteilung der Einnahmen, Fragen zum Datenzugriff sowie die technische Erfassung des tatsächlichen Token-Verbrauchs. Das chinesische IT-Dienstleistungsunternehmen Chinasoft International hatte bereits im Juli eine eigene Umsatzbeteiligungsvereinbarung mit Moonshot bekannt gegeben, ohne die finanziellen Details offenzulegen.
Kimi K3 ist ein offen zugängliches Modell mit 2,8 Billionen Parametern und gilt damit als das größte öffentlich verfügbare Modell seiner Art. Obwohl sich die Modellgewichte frei herunterladen und anpassen lassen, benötigt der eigenständige Betrieb eines Systems dieser Größenordnung nach Einschätzung von Analysten Rechenkapazitäten, die sich für die meisten Kunden kaum rechtfertigen ließen, was Cloud-Anbietern wie Microsoft, Amazon und Google eine mögliche Rolle als Infrastrukturpartner verschafft. In unabhängigen Bewertungen erzielte Kimi K3 zuletzt gute Ergebnisse, etwa den ersten Platz eines Ranglisten-Vergleichs von Arena.ai für den Aufbau von Weboberflächen sowie nach Angaben von Artificial Analysis vergleichbare Resultate wie OpenAIs GPT-5.5 und Anthropics Claude Opus 4.8 bei anspruchsvollen, mehrstufigen Denkaufgaben.
Vorwürfe von US-Behörden gegen Moonshot weiterhin ungeklärt
Die Gespräche finden trotz anhaltender Kritik hochrangiger US-Regierungsvertreter an Moonshot statt. US-Finanzminister Scott Bessent hatte im vergangenen Monat erklärt, er erwäge, das Unternehmen auf eine Handelssperrliste zu setzen. US-Beamte werfen dem in Peking ansässigen Unternehmen zudem vor, bei der Entwicklung von Kimi K3 unrechtmäßig auf Ausgaben von Anthropics fortschrittlichstem Modell Fable zurückgegriffen sowie Nvidia-Chips illegal beschafft zu haben. Moonshot wies den Vorwurf einer solchen sogenannten Distillation gegenüber der chinesischen Zeitung National Business Daily im vergangenen Monat zurück und erklärte stattdessen, die Leistungssteigerung von K3 sei auf eigenständige Veränderungen an der zugrunde liegenden Architektur zurückzuführen.
Gegründet wurde Moonshot 2023 vom an der Carnegie Mellon University ausgebildeten KI-Forscher Yang Zhilin, das Unternehmen wird unter anderem vom chinesischen Technologiekonzern Alibaba unterstützt und sammelte bislang mehr als 2 Milliarden US-Dollar an Investitionskapital ein. Weder Moonshot noch Microsoft, Google oder AWS äußerten sich bislang auf entsprechende Presseanfragen.
(red)