OpenAI plant den größten Umbau von ChatGPT. Die Plattform soll vor dem Börsengang zu einer Super-App mit autonomen KI-Agenten und Programmiertools werden.
OpenAI bereitet die bisher umfassendste Umgestaltung seiner Plattform ChatGPT vor. Das Ziel des Unternehmens ist es, den bekannten Chatbot in eine sogenannte Super-App zu verwandeln. Diese soll eigenständige KI-Agenten, spezialisierte Programmierwerkzeuge und Dienste von Drittanbietern auf einer zentralen Oberfläche vereinen. Wie die Financial Times unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter berichtet, dient dieser strategische Schritt primär der Umsatzsteigerung im Vorfeld eines geplanten Börsengangs (IPO) im laufenden Jahr. Zudem will das Unternehmen Ressourcen umschichten, um vermehrt lukrative Unternehmenskunden anzusprechen und im direkten Wettbewerb mit dem Konkurrenten Anthropic zu bestehen. Ein leitender Angestellter von OpenAI wird in dem Bericht mit den Worten zitiert: „Chat ist tot.“
Monetarisierung von ChatGPT durch autonome Assistenten für den Alltag
Der Umbau soll in den kommenden Wochen beginnen und zuerst auf der Website sowie in den mobilen Anwendungen von ChatGPT sichtbar werden. Hintergrund der Neuausrichtung ist die bisher geringe Monetarisierung der breiten Nutzerschaft. Den Berichten zufolge zahlen derzeit nur etwa 4 Prozent der weltweiten Anwender für die Nutzung von ChatGPT, während 96 Prozent die kostenfreie Variante verwenden. Durch die Einführung von KI-Agenten, die komplexe Aufgaben wie das Buchen von Reisen, die Terminorganisation oder das Zusammenfassen großer Datenmengen selbstständig ausführen können, soll der finanzielle Wert des Produkts für die Nutzer steigen.
„Worauf wir hinarbeiten, ist, dass Sie Ihren eigenen persönlichen Agenten haben, der in der Lage ist, Ihnen bei allem in Ihrem Leben zu helfen, sei es privat oder bei der Arbeit.“
Thibault Sottiaux, Leiter der Kernprodukt- und Plattformteams bei OpenAI
Fokus auf das Programmierwerkzeug Codex und Umsatzwachstum
Im Zuge der Umstrukturierung werden auch dem Software-Entwicklungswerkzeug Codex zusätzliche Ressourcen zugewiesen. Codex ist in der Lage, Programmiercode selbstständig zu schreiben, zu korrigieren, zu erklären und auszuführen. Laut Personen, die mit den internen Abläufen vertraut sind, generiert dieser Bereich bereits einen signifikanten Teil der Einnahmen, da die Mehrheit der Codex-Nutzer für den Dienst bezahlt.
Aktuell machen Geschäftskunden rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes von OpenAI aus. Das Management erwartet, dass dieser Anteil bis zum Ende des Jahres auf 50 Prozent ansteigen wird. Mit dieser Neuausrichtung nähert sich OpenAI der Geschäftsstrategie von Anthropic an, die von Beginn an stark auf den B2B-Sektor fokussiert war. Beide Unternehmen befinden sich in einem Wettlauf um den ersten Einzug in die öffentlichen Aktienmärkte.