Linus Torvalds hat den Linux-Kernel 7.2 veröffentlicht, mit Verbesserungen bei Hardware, Dateisystemen, Netzwerktechnik und Sicherheit.
Zu den zentralen Neuerungen zählt ein cache-bewusstes Load-Balancing für den CPU-Scheduler sowie ein als „fairer“ bezeichneter GPU-Scheduler, der laut den Kernel-Entwicklern die Reaktionsfähigkeit interaktiver Anwendungen bei gleichzeitig hoher Grafiklast verbessert, ohne bislang messbare Nachteile beim regulären Scheduling zu verursachen. Der AMDGPU-Treiber erhält erstmals grundlegende Unterstützung für HDMI 2.1 FRL, der Intel-Xe-Treiber eine erste Unterstützung für die CRI-Plattform. Beim Dateisystem Btrfs sind sogenannte Large Folios künftig standardmäßig aktiviert, das SMB-Dateisystem unterstützt nun komprimierte Dateien, und das in Kernel 7.1 eingeführte neue NTFS-Dateisystem wurde weiter verbessert.
Deutliche Arbeit floss zudem in die Swap-Verwaltung des Kernels: Eine überarbeitete Speicherbereinigung soll bei bestimmten Arbeitslasten wie MongoDB in Kombination mit YCSB einen Leistungszuwachs von bis zu 30 Prozent ermöglichen, bei gleichzeitig deutlich selteneren erneuten Seitenzugriffen ohne zusätzlichen Swap-Bedarf. Mit der vierten Phase der sogenannten Swap-Table-Arbeit vereinheitlicht der Kernel zudem die Zuweisung und Verwaltung von anonymem und Shmem-Swap-Speicher.
Neue Rust-Unterstützung und Sicherheitsverbesserungen
Linux 7.2 bringt erstmals Rust-Unterstützung für die IBM-System/390-Architektur sowie Unterstützung für die sogenannte Zerocopy-Bibliothek innerhalb der Rust-Anbindung des Kernels, mit der sich Speicherzugriffe ohne zusätzlichen Kopieraufwand realisieren lassen sollen. Auf der ARM64-Architektur kommen zudem neue Hardware-Fähigkeitskennungen für die 2025er dpISA-Erweiterungen hinzu.
Bei der Sicherheit erhält das Landlock-Modul die Möglichkeit, die Nutzung von UDP-Sockets gezielt einzuschränken, das Integritätsmesssystem IMA kann Messdaten künftig auch außerhalb des eigentlichen Kernels ablegen, und der Slab-Allocator unterstützt nun eine compilergestützte, typbasierte Aufteilung des Slab-Zwischenspeichers. Die virtuelle Maschinenverwaltung KVM erhält zudem Unterstützung für AMDs „Guest Mode Execution Trap“ sowie Intels „Mode-Based Execution Control“, während das Dateisystem NFS auf Systemen mit mindestens 16 Gigabyte Arbeitsspeicher künftig standardmäßig mit einer Blockgröße von 4 Megabyte arbeitet. Zusätzlich unterstützt der Kernel nun Intels Trusted-Domain-Extensions-Funktion für abgeschottete virtuelle Maschinen.
Weitere Netzwerk- und Prozessorverbesserungen
Im Netzwerkbereich führt Linux 7.2 unter anderem Unterstützung für die TCP-Authentifizierungsoption ein, ergänzt die Multipath-TCP-Erweiterung MPTCP um Signalisierungsunterstützung für IPv6-Adressen und bringt GRO- und GSO-Unterstützung für PPPoE-Verbindungen mit sich, begleitet von weiteren Verbesserungen beim SMP-Lastausgleich sowie bei der Netzwerktechnik über Thunderbolt. Bei der Prozessorunterstützung kommt die Erkennung der kommenden Intel-Prozessorreihe Panther Lake R hinzu, während der Kernel-Thread khugepaged künftig auch mehrgrößige transparente Huge Pages unterstützt. Für 64-Bit-Plattformen von NXP, Freescale und Qualcomm wurden zudem zahlreiche Devicetree-Aktualisierungen vorgenommen.
Nach Angaben des Fachmagazins Phoronix verlief die Entwicklungsphase vor der finalen Veröffentlichung ungewöhnlich arbeitsintensiv, mit einem hohen Anteil an über KI-gestützte Werkzeuge eingereichten Fehlerkorrekturen quer durch nahezu alle Bereiche des Kernels, von Grafik- und Soundtreibern über Netzwerktechnik bis zu Dateisystemen. Unter den behobenen Fehlern befand sich unter anderem eine seit acht Jahren bestehende Race Condition im Speichermanagement, die zu einem Use-after-free-Fehler führen konnte, sowie ein Patch gegen die als Safe RET Interrupt Vulnerability bekannte Sicherheitslücke.
(red)