Verkauf blockiert

Niederlande stoppen Cloud-Anbieter-Kauf durch US-Firma Kyndryl

Kyndryl
Bildquelle: Miroslaw Durma/Shutterstock.com

Die niederländische Regierung hat die geplante Übernahme des Cloud-Dienstleisters Solvinity durch den US-Konzern Kyndryl untersagt.

Kyndryl hatte die Übernahme im November 2025 angekündigt. Der US-Konzern, ein Ableger von IBM, wollte Solvinitys Portfolio an Managed-Cloud-Diensten in sein eigenes Angebot integrieren. Solvinity betreibt jedoch nicht nur gewöhnliche Unternehmensinfrastruktur, sondern auch DigiD. Über diese digitale Identitätsplattform weisen sich niederländische Bürger gegenüber Behörden und öffentlichen Einrichtungen aus, etwa für Arzttermine oder behördliche Transaktionen rund ums Wohnen.

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Genau diese kritische Funktion wurde dem Deal zum Verhängnis. Das Investment Screening Bureau (BTI), das in den Niederlanden Akquisitionen im Bereich digitaler Infrastruktur prüft, empfahl die Blockade der Übernahme. Die Behörde sah die Gefahr, dass die Niederlande die Kontrolle über einen wesentlichen Teil ihres heimischen Cloud-Ökosystems verlieren könnten.

Kein Einzelfall, sondern politisches Signal

Aerdts‘ Ministerium betonte, die BTI-Prüfung sei länderneutral und rein risikobasiert. Es gehe nicht um eine gezielte Maßnahme gegen US-Unternehmen. Ausländische Technologiekonzerne seien weiterhin in den Niederlanden willkommen. Gleichzeitig machte die Regierung deutlich, dass ein unabhängiger Rahmen zur Prüfung von Investitionen mit Relevanz für die nationale Sicherheit erhalten bleiben müsse.

Kyndryl zeigte sich dennoch empört. Der Konzern erklärte, er sei „äußerst enttäuscht“ von der Entscheidung, und warf den niederländischen Behörden vor, eine wirtschaftlich sinnvolle Transaktion zu politisieren, von der Solvinitys Kunden und die niederländische Bevölkerung profitiert hätten.

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EU-Souveränitätspaket könnte weitere Einschränkungen bringen

Der Fall könnte ein Vorbote größerer Konflikte sein. Die EU-Kommission arbeitet an einem sogenannten „Tech Sovereignty Package“, das europäische Cloud-Anbieter stärken und die Abhängigkeit von US-Konzernen wie Microsoft, Amazon und Google reduzieren soll. Konkret könnte das Paket strengere Anforderungen für US-Anbieter bedeuten, die sensible Bürgerdaten im Geltungsbereich der DSGVO verarbeiten.

Für Kyndryl ist die Niederlage in den Niederlanden damit nicht nur ein gescheiterter Deal. Sie ist auch ein deutliches Zeichen dafür, in welche Richtung sich der europäische Markt bewegt.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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